Alles neu macht der Mai: Unser wöchentlicher Motivationskick mit „Mutmacher" Alexander Egger

20 Tage mit schlechter Laune sind erlaubt

Obwohl ich Motivationstrainer bin und mich selbst als einen geistig gesunden Menschen einstufen würde, stoße auch ich von Zeit zu Zeit an mein Limit. Ich nenne das meine 20 Tage. Irgendwann habe ich entschieden, mir 20 Tage voller schlechter Laune zu erlauben. Inklusive abends auf der Couch liegen, jammern, in Selbstmitleid baden und die Welt nicht mehr verstehen. Solche Tage sind in Ordnung und völlig normal. Wichtig ist, dass wir das auch zulassen. Was wir jedoch nicht vergessen dürfen: In Momenten, in denen alles misslingt, sind Emotionen ein schlechter Ratgeber. Emotionen sind nur ein Statusbericht – ähnlich wie die Warnlämpchen eines Autos. Wenn die Tankleuchte erscheint, fahren wir ja nicht unmittelbar in die Werkstatt, sondern behalten im Blick, dass bald getankt werden muss. Bei Emotionen ist das genau gleich: Sind wir verärgert, ängstlich oder enttäuscht, wissen wir, dass wir eine Tankstelle für die Seele brauchen. Was hilft, ist psychische Hygiene. Wenn wir uns den Fuß brechen, fahren wir sofort ins Krankenhaus. Aber wie gehen wir mit psychischen Verletzungen um – speziell in Krisenzeiten? Behandeln wir diese auch sofort? Oder übergehen wir sie? Genau an dieser Stelle müssen wir ansetzen.

Warum machen wir uns selbst schlecht?

Psychische Hygiene bedeutet vor allem beobachten, was ich den ganzen Tag über mich selbst denke. Stellen Sie sich einmal vor, eine Freundin sagt Sätze wie „Du bist hässlich“ oder „Du scheiterst an allem.“ Würden Sie mit ihr befreundet bleiben wollen? Sicher nicht. Warum sagen wir solche Dinge dann zu uns selbst? Warum kritisieren wir uns in der Krise und vergleichen uns ununterbrochen? Wir brauchen positive und bestärkende Gedanken, die uns nach vorne bringen und nicht zurückziehen. In der Psychologie hat man herausgefunden, dass schon zwei Minuten positives Denken einen schlechten in einen guten Tag verwandeln können.

Schluss mit Jammern

Ab und zu demotiviert zu sein ist völlig normal. Bedenklich aber ist das viele Jammern. Dadurch stolpern wir in Sorgenfallen und Angstspiralen. Was uns passiert ist nebensächlich, solange wir richtig damit umgehen. Wir wissen genau, dass wir unseren Zähnen schaden, wenn wir sie tagelang nicht putzen. Genauso wissen wir, dass es uns nicht guttut, wenn wir tagelang Grübeln und Gedanken im Kopf herumschieben. Jammern fordert einen hohen Tribut: Wir rutschen in eine Opferrolle, die uns hemmt, bremst und den Blick nach vorne verhängt. Das ist in Anbetracht unseres kurzen Lebens ein hoher Preis.

Warum Staubsaugen keine Zeitverschwendung sein muss

Kindern bringt man folgendes Verhalten bei einer Ampel bei: Stehen, Sehen, Weitergehen. Dieses Prinzip kann man auch in seinem Leben verwenden, um in überwältigenden oder anstrengenden Zeiten den Überblick zu bewahren. Achtsamkeit kann die scheinbar sinnlosesten Momente zu etwas Wertvollem machen. Wenn man beispielsweise staubsaugt und dabei aber seine Aufmerksamkeit nach innen richtet, hat man Zeit, im Moment zu verweilen. Man muss sich nicht so sehr auf die Aufgabe konzentrieren, sondern kann ein wenig träumen oder nachdenken. Hin und wieder muss man Zeit „vergeuden“, um neue Energie zu bekommen.

Zur Person: Alexander Egger

Alexander Egger machte sich mit nur 23 Jahren selbstständig, gründete 2008 das Unternehmen „die impulsgeber“ und coached seither Spitzenleister aus Sport und Wirtschaft. Sein großes Vorbild ist Sylvester Stallone, der als Rocky Balboa oder Rambo nie aufgegeben hat, immer wieder aufgestanden ist und sich nicht verbiegen ließ. Einfach war es auch für Alexander Egger nicht immer: Lange Zeit galt er als der schwerste Neurodermitis-Fall im deutschsprachigen Raum, verbrachte viel Zeit in Kliniken, hatte keinen Schulabschluss, keine Freundin und nur wenig Freude am Leben. All das hat der 42-Jährige hinter sich gelassen, sich zurück ins Leben katapultiert – heute gibt er sein Wissen weiter und verhilft anderen, Selbstzweifel auszumerzen und neue Motivation zu finden.

Alexander Egger | Credit: Milenko Zuna
Autor: Sandra Eder, 17.05.2021