Direkt zum Inhalt
Jugendliche sitzend, mit Smartphone in der Hand
Ziel ist es, Kinder vom sozialen Druck rund ums erste Handy zu entlasten.
Ziel ist es, Kinder vom sozialen Druck rund ums erste Handy zu entlasten.
monkeybusinessimages/iStock.com

Lernen ohne Handy: Dieses Gymnasium probiert es aus

14.01.2026 um 13:08, Yunus Emre Kurt
min read
Ein Salzburger Gymnasium wagt ein ungewöhnliches Experiment: Eine erste Klasse soll künftig komplett ohne Smartphones auskommen, auch in der Freizeit.

Inhalt

Während an Österreichs Schulen seit Mai 2025 ein bundesweites Handyverbot bis zur achten Schulstufe gilt, geht ein Salzburger Gymnasium nun einen entscheidenden Schritt weiter. Am Bundesrealgymnasium (BRG) in der Akademiestraße soll ab dem Schuljahr 2026/27 eine erste Klasse komplett ohne Smartphone geführt werden, nicht nur im Schulalltag, sondern auch in der Freizeit.

Initiiert wurde das Pilotprojekt von Direktor Florian Wachter. Seine Idee: Wenn kein Kind in der Klasse ein Smartphone besitzt, verliert das Thema auch außerhalb der Schule an Bedeutung. „Die Idee ist, dass alle Kinder in der Klasse gar kein Smartphone besitzen und es daher auch in der Freizeit keine Rolle spielt“, erklärt Wachter.

Eltern spüren steigenden Druck

Ausgangspunkt für das Projekt waren zahlreiche Gespräche mit Eltern. Gerade beim Wechsel von der Volksschule ins Gymnasium steige der soziale Druck enorm. „Ich habe ganz oft den Eindruck, dass viele Eltern im Grunde für ihr Kind kein Smartphone wollen“, sagt der Direktor gegenüber den Salzburger Nachrichten. Dennoch würden sich viele Familien letztlich dem Gruppendruck beugen.

Eine Online-Umfrage unter Eltern, deren Kinder für Kennenlerngespräche am BRG angemeldet sind, bestätigt diesen Eindruck. Mehr als die Hälfte der rund 150 Befragten zeigte grundsätzliches Interesse an einer smartphonefreien Klasse. Mehrere Eltern hätten sich laut Wachter erleichtert gezeigt, weil die Entscheidung über das erste Handy aktuell unmittelbar bevorstehe.

Freiwillig, ohne Sanktionen

Wichtig ist dem Direktor dabei ein niederschwelliger Zugang. Die Teilnahme an der smartphonefreien Klasse soll freiwillig sein und auf einer schriftlichen Übereinkunft mit den Eltern basieren. Sollte ein Kind später dennoch ein Smartphone nutzen, habe das keinerlei Konsequenzen. „Natürlich hat das keine Folgen, das wäre rechtlich gar nicht möglich. Und das Kind bleibt selbstverständlich in der Klasse“, betont Wachter.

Damit das Modell funktioniert, brauche es regelmäßigen Austausch zwischen Schule, Eltern und Kindern. Im Idealfall soll die Klasse die gesamte Unterstufe, also vier Schuljahre, ohne Smartphone durchlaufen.

Unterstützung aus dem Lehrerkollegium

Auch im Lehrerkollegium stößt das Projekt auf Zustimmung. Die 25-jährige Lehrerin Viktoria Haslehner, die unter anderem digitale Grundbildung und Medienbildung unterrichtet, möchte die Klasse übernehmen. „Das Handy ist nicht nur bei Kindern und Jugendlichen ein großes Thema, es betrifft die ganze Gesellschaft“, sagt sie.

Besonders reizvoll findet Haslehner den Gedanken, Kinder vom Gruppendruck zu befreien. „Es muss nicht jeder ein Handy haben. Wenn niemand eines besitzt, öffnen sich andere Kommunikationswege.“ Für schulische Zwecke könnten etwa Plattformen wie MS Teams genutzt werden, die auch über Tablets oder Laptops funktionieren. Diese digitalen Endgeräte stellt der Bund den Schülerinnen und Schülern ohnehin zur Verfügung.

Analoge Kindheit als Vorbild

Haslehner selbst ist ohne Smartphone aufgewachsen. „Ich denke gerne an meine analoge Kindheit zurück, ich habe viel draußen gespielt“, erzählt sie. Ihr erstes Smartphone habe sie erst mit 14 Jahren bekommen. Auch heute merke sie, wie präsent das Thema sei, selbst für Erwachsene.

Im Vorjahr nahm sie am freiwilligen Handyfasten an der Schule teil. „Unmittelbar danach hatte ich kaum das Bedürfnis, aufs Handy zu schauen“, sagt sie. Auch heuer ist das Handyfasten wieder Teil der Gesundheitswoche am BRG.

more