David Egger (SPÖ) sorgt für frischen Wind in der Politik

Weekend.at: Herr Egger, den Chef-Posten einer Partei zu übernehmen gilt normalerweise als steiler Karrieresprung. In Anbetracht des angeschlagenen SPÖ-Images ist das aber auch ein mutiger Schritt und eine gewaltige Aufgabe – warum tun Sie sich das an?

David Egger: Die Salzburger SPÖ hat einen Neustart nötig und für mich ist es eine große Ehre, dass ich diese herausfordernde Aufgabe als Partei-Chef übernehmen darf. Ich war zuvor als Vizebürgermeister in Neumarkt tätig, dort wurde vom gesamten Team richtig gute Arbeit geleistet – zum Beispiel mit der Realisierung des Kindergarten- und Krabbelstuben-Neubaus oder des vernetzten Bahnhofs „Haltestelle 4.0“. Solche Vorzeigeprojekte wünsche ich mir für das gesamte Bundesland und das möchte ich entschieden vorantreiben. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst, gegenüber der Partei, vor allem aber gegenüber den Salzburgern und werde mich zu 100 Prozent dieser Herausforderungen widmen.

Weekend.at: Wie möchten Sie der Salzburger SPÖ-Fraktion wieder auf die Beine helfen und Wähler gewinnen?

David Egger: Wie Hans Peter Doskozil schon sagte, kann es in den eigenen Reihen nur mit frischen Gesichtern einen Neustart geben. Aktuell stelle ich ein Team aus jungen, engagierten Menschen sowie aus Experten mit Erfahrung zusammen, mit dem ich in Zukunft arbeiten werde. Das bedeutet, Zukunftsthemen ansprechen, nicht zu viel über gestern nachdenken und Lösungen mit Hausverstand entwickeln. Wir möchten wieder durchstarten und das Ziel ist klar – 2023 wieder so stark zu werden, um Regierungsverantwortung übernehmen zu können.

Weekend.at: Sie haben Gerald Forcher, der vor vier Monaten aufgrund eines „Tablet-Kopfstoßes“ gegen einen Mitarbeiter zurücktreten musste, als SPÖ-Geschäftsführer auf die Polit-Bühne zurückgeholt. Ein gewagter Schachzug ...

David Egger: Gerald Forcher ist nicht mehr auf der Polit-Bühne tätig, er ist nun Angestellter der Partei und leitet die Umsetzung von organisatorischen sowie strategischen Maßnahmen, die das Führungsteam vorgibt. Er hat kein politisches Mandat! Für die Aufgabe des Parteimanagers ist er der beste Kandidat und sowohl ich als auch der Landesparteivorstand stehen nach wie vor zu 100 Prozent hinter dieser Entscheidung. Das Thema ist für mich erledigt und wir können endlich „hackln“ anfangen.

Wir möchten wieder durchstarten und das Ziel ist klar – 2023 wieder so stark zu werden, um Regierungsverantwortung übernehmen zu können.

Weekend.at: Hätten Sie die Wahl zwischen drei Projekten, die von der Salzburger Regierung sofort umgesetzt werden würden, welche wären das?

David Egger: Auf der Stelle mehr geförderte Mietwohnungen auf den Markt bringen, damit die Preise sinken. Wir wissen, dass salzburgweit 1.000 pro Jahr nötig wären, tatsächlich sind es aber nur 600 bis 700 und von vier Wohnungen werden nach wie vor drei privat vermietet – das ist zu viel und hat enorme Auswirkungen auf die Preise. Zweitens brauchen wir dringend eine Digitalisierungsoffensive mit Ausbildungsschwerpunkten, klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen für Homeoffice-Arbeitsplätze sowie Breitbandausbau und Infrastrukturen ab der Grundschule. Drittens müssen wir die Pflege auf solide Beine stellen - das reicht von angemessener Stundeneinteilung über faire Bezahlung bis hin Ausbildungsmöglichkeiten.

Weekend.at: In der Führungsetage der SPÖ Salzburg sind nur wenige Frauen auszumachen. Das könnte man als Statement betrachten …

David Egger: Wir haben eine 50:50 Quote im Landtag, mit Anja Hagenauer eine ranghohe Stadträtin und mit Conny Egger eine Nationalrätin in unseren Reihen. Der Clubchef und ich sind Männer, das ist richtig (grinst), allerdings haben wir eine Clubgeschäftsführerin und immerhin auch eine Bundesparteivorsitzende. Und auch auf Gemeindeebene sind in der SPÖ Salzburg viele Frauen in verantwortungsvollen Positionen zu finden. Ich glaube, das ist Statement genug.

Weekend.at: Sie sind eigentlich Sportjournalist und jetzt in der Situation, Fragen zu beantworten anstatt sie zu stellen. Wie kam es zum Seitenwechsel?

David Egger: Mit Anfang 20 und bevor ich Redakteur wurde, wollte ich eigentlich Polizist werden. Aufgrund der „Waffenverbotsklausel“, die ich als Zivildiener einst unterschreiben musste, blieb mir dieser Berufsweg aber verwehrt. Das empfand ich als ungerecht und brachte mit dem damaligen Nationalratsabgeordneten Jacky Mayer eine Petition ein, damit die Klausel im Nachhinein aufgehoben werden kann. Damit hatte ich Erfolg, sogar Sebastian Kurz als JVP-Obmann hat mich dabei unterstützt. Das war mein erster Berührungspunkt mit der Politik und ich habe sozusagen Blut geleckt. Ich stand auch das erste Mal vor der Kamera und gab Interviews – ehrlicherweise hatte ich dabei schon etwas Lampenfieber (lacht).

Politik ist wie Rugby - zäh, ohne Schutzausrüstung und man schiebt sich mit verschiedenen Taktiken am Spielfeld hin und her.

Weekend.at: Uns würde noch interessieren, mit welcher Sportart man die österreichische Politik vergleichen kann?

David Egger: Ich würde sagen, das wäre am ehesten Rugby – zäh, ohne Schutzausrüstung und man schiebt sich mit verschiedenen Taktiken am Spielfeld hin und her. Ein harter Sport, bei dem das „Punkte machen“ schnell, aber auch sehr langsam gehen kann. Das trifft auch auf die Politik zu (grinst).

Weekend.at: Politik wird oft als „verstaubt“ wahrgenommen. Wie lassen sich junge Menschen dazu motivieren, sich politisch zu engagieren oder sich zumindest dafür zu interessieren?

David Egger: Ich glaube, die Politik selbst braucht eine Verjüngung. Ständig mit perfektem Anzug und erhobenem Zeigefinger zu ermahnen, was richtig funktioniert und was nicht, kommt bei jungen Menschen nicht gut an. Als Politiker muss man mit Ideen, Visionen und konkreten Meinungen überzeugen, auch mal Humor an den Tag legen und im Grunde einfach jemand sein, mit dem sie sich identifizieren können. Das heißt auch, nicht ständig über das Gestern, sondern über das Morgen und Übermorgen zu sprechen. Gibt man ihnen Perspektiven, zeigt man mit den richtigen Themen auf, dass Politik auch Spaß machen und etwas bewegen kann, und ist man dabei auch noch authentisch, dann springt der Funke über.

Weekend.at: Sie sind selbst erst 33 Jahre alt, ist das wirklich Ihr Traumberuf oder eher eine Berufung?

David Egger: Eindeutig eine Berufung, ich hab das nie angestrebt, ganz in Gegenteil. Ich war sehr gerne als Gemeindevertreter, ehrenamtlich in Vereinen und in meinem Job tätig. Wenn sich diese Chance in meinem Alter aber auftut, ist das nicht nur Ehre und Chance, sondern auch eine Berufung. Ich weiß nun, wie sich Menschen fühlen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben.

 

Zur Person: David Egger (*1987) studierte nach der HAK-Matura Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg und war u. a. für das Red Bull Media House, die Bezirksblätter Salzburg und selbstständig als Moderator tätig. Als Chef der SPÖ Salzburg widmet er sich nun zu 100 Prozent der Partei und hat alle Jobs an den Nagel gehängt. Privat lebt er seit neun Jahren in einer festen Beziehung.

Autor: Simone Reitmeier , 20.07.2020