Linz muss KI-Leitregion Europas werden: „Schluss mit dem Schrebergartendenken!“
Linz hat jetzt die historische Chance, sich als führende europäische KI-Region zu positionieren. Einige Beispiele der letzten Tage unterstreichen, dass in der Oberösterreichischen Landeshauptstadt wichtige Grundlagen (Know-how, Talente und die industrielle Basis) vorhanden sind:
Etwa der international viel beachtete „Big Deal“, wonach der französische KI-Konzern Mistral AI das Linzer Start-up Emmi AI übernimmt. Mistral wurde 2023 gegründet, gilt als Europas Gegenspieler zu etwa OpenAI sowie Google und wird derzeit auf einen Unternehmenswert von 12 Mrd. Euro geschätzt. Der Linzer Standort bleibt bestehen, soll ausgebaut und zu einem maßgeblichen Pfeiler des Unternehmens werden.
Oder etwa das in Linz gegründete Software-Unternehmen Dynatrace, das seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr (per 31.3.2026) von 1,7 Mrd. auf 2,054 Mrd. US Dollar gesteigert hat. Dynatrace ist Weltmarktführer KI-basierter Observability (Überwachung) und baut gerade seinen Linzer Standort aus.
2.000 KI-Studierende an der JKU, KI-Koryphäen wie Sepp Hochreiter, die im Aufbau befindliche IT:U, die FH Hagenberg in der Nachbarschaft, die Ars Electronica als international top positionierte Marke, etc. zeigen das Potenzial unserer Stadt auf.
Und dennoch: Es fehlt an der Vision sowie dem klaren und breiten Kommittent, Linz als KI-Hochburg zu etablieren. „Es braucht einen klaren KI-Masterplan für Linz und Oberösterreich. Es braucht mehr politischen Mut, es braucht mehr Geschwindigkeit und Konsequenz. Und vor allem: Es muss Schluss mit dem Schrebergarten-Denken sein - handeln wir mit Weitblick“, ist VP-Stadtparteiobmann und Vizebürgermeister Martin Hajart überzeugt. „Die internationale KI-Entwicklung verändert Wirtschaft, Industrie, Forschung und Arbeitswelt mit enormer Geschwindigkeit. Städte und Regionen, die jetzt investieren und strategisch handeln, werden die Innovationszentren Europas von morgen.“
KI-Offensive für Linz
Linz steht damit an einem Wendepunkt. Die VP Linz erstellt in den kommenden Monaten einen umfassenden KI-Masterplan (unter anderem) mit folgenden klaren Zielen:
1. Weitere Flächen für Universität und Forschung
Die Linzer Campus-Uni JKU sowie die IT:U brauchen mittelfristig zusätzliche Flächen, und dies insbesondere für den Technik, IT- und KI-Bereich. Dass Prammer im Herbst 2024 – kurz vor der Linzer Bürgermeisterwahl – seinen bisherigen Zusagen als Planungsreferent den Rücken kehrte und den geplanten Standort oberhalb des Science Park der Bürgermeisterwahl opferte, schadet dem Wirtschaftsstandort nachhaltig und wirft die Entwicklung der IT:U um Jahre zurück. Nun ist ein Flächenwidmungsantrag für einen neuen IT:U-Standort eingebracht, welcher voraussichtlich im Herbst beschlossen werden wird. Die VP Linz tritt dafür ein, dass darüber hinaus das als Grünland gewidmete Feld oberhalb des Science Park als zukünftiges Erweiterungsgebiet der Universitäten gilt und entwickelt wird. Die Verkehrsanbindung wurde mit dem Halbanschluss an die Autobahn geschaffen und wird mit der Regionalstadtbahn weiter optimiert.
2. Wohnen für Studenten und Professoren
Die Linzer Studentenheime sind zum Bersten voll. Obwohl die Studierendenzahlen (und auch jene der Lehrenden) in den letzten Jahren deutlich zunahmen, wurde kaum Wohnraum für diese Zielgruppe geschaffen. Hier braucht man auf Basis eines Bedarfs- und Entwicklungsplans der Studierenden- und Lehrendenzahlen einen Ausbau – und auch dafür die nötigen Flächen.
3. Internationale Start-ups ansiedeln (Start-Up Ökosystem für Linz)
Linz muss gezielt junge KI-Unternehmen aus Europa und der ganzen Welt anziehen. Dafür braucht es zusätzliche Förderungen, Netzwerke und Kooperationen mit Forschung und Industrie. Es soll ein Start-Up Ökosystem geschaffen werden, wofür es – ähnlich jenem der Tabakfabrik – den entsprechenden Raum zu schaffen gilt.
4. Linz als attraktiver Standort für etablierte Unternehmen
Für die VP Linz ist klar: Rollen wir als Stadt Linz Firmen wie Mistral AI den roten Teppich aus! Was braucht etwa dieses Unternehmen ganz konkret, um in Linz Fuß zu fassen und überdimensional zu wachsen? Es gibt bei der Stadt Linz aktuell keine Organisationseinheit, die sich darum kümmert. Und es gibt auch für bestehende Linzer Unternehmen keinen One-Stop-Shop im Magistrat, der sich um die Anliegen der Unternehmer kümmert.
5. Forschung, Wirtschaft und Kultur verbinden
Die starke Forschungslandschaft rund um die JKU Linz, IT:U, oder das LIT Open Innovation Center müssen noch stärker mit industriellen Leitbetrieben, der Start Up Szene und Kunst- und Kultureinrichtungen vernetzt werden. Die Ars Electronica als internationaler Kulturleitbetrieb aber auch die Kunstuniversität gelten längst als wichtige Standortfaktoren um junge Talente für Linz zu begeistern.
6. Talente in Linz halten + Internationale High-Potentials gezielt ansprechen
Junge Fachkräfte sollen nicht nur nach Berlin, London oder in die USA gehen. Linz muss zu einem der attraktivsten KI-Standorte Mitteleuropas werden.
VP-Antrag für Masterplan Univiertel liegt seit Monaten im Planungsausschuss
Im November 2023 kündigte der städtische Planungsreferent Prammer medial einen umfassenden „Masterplan“ samt breiter Bürgerbeteiligung für das Univiertel an. Das erstellte Konvolut ist aufgrund Prammers Rückziehers beim IT:U-Standort nun zum Teil unbrauchbar. Die 63.000 Euro teure Studie zur Entwicklung des Univiertels wurde bis heute nicht im Planungsausschuss vorgestellt, obwohl dies neuerlich zugesagt wurde.
Dennoch braucht das Universitätsviertel eine städteplanerische Vision (mit den oben genannten Zielsetzungen) sowie eine gesteuerte Entwicklung des Stadtteils. Im Dezember 2025 brachte die Linzer VP den Gemeinderatsantrag „Masterplan Universitätsviertel - städtebauliche Perspektiven für ein Start-up Ökosystem im universitären Umfeld“ ein. Der Antrag wurde damals dem Ausschuss des Planungsreferenten, Bürgermeister Prammer, zugewiesen, allerdings seither niemals behandelt.
Wortlaut des Antrags der VP Linz vom Dezember 2025:
"Planungsreferent Bürgermeister Prammer wird ersucht, in Zusammenarbeit mit betroffenen Ressorts, insbesondere dem Wirtschaftsressort und dem Verkehrsressort für die Weiterentwicklung des Universitätsviertels einen partizipativen Prozess für einen neuen Masterplan unter Einbindung der Bevölkerung und der wichtigsten Stakeholder durchzuführen.
Ein wesentlicher Schwerpunkt soll dabei auf städtebauliche Perspektiven für Start-up Ökosysteme im universitären Umfeld gelegt werden. Die Ermöglichung und der Aufbau von solchen universitätsnahen Start-up Ökosystemen ist für die Zukunft und Innovationskraft des Wirtschaftsstandorts Linz ein übergeordnetes Ziel." Die VP Linz verlangt nun, dass der Bürgermeister den Antrag nicht weiter sträflich vernachlässigt, sondern in der kommenden Ausschuss-Sitzung behandelt."
Linz unter Druck: Wirtschaftskrise trifft auf hausgemachte Probleme
Die VP Linz sieht in der KI-Offensive vor allem einen entscheidenden Schritt, um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten als Kommune entsprechend zu punkten. Denn Dauerrezession, Inflation, hohe Energiepreise und steigende Arbeitslosigkeit setzen Unternehmen, Arbeitnehmer und den Wirtschaftsstandort massiv unter Druck. Auch die Stadt Linz befindet sich in einer schwierigen Situation. Neben den allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschärfen fehlende wirtschaftspolitische Impulse und hausgemachte Probleme die Lage zusätzlich.
Besonders sichtbar wird diese Entwicklung auch in der Linzer Innenstadt. Leerstände nehmen zu, Handel und Gastronomie kämpfen mit rückläufigen Besucherzahlen und die wirtschaftliche Dynamik fehlt. Gleichzeitig verschlechtert sich auch die Lage am Arbeitsmarkt deutlich.
Linzer Arbeitslosigkeit in 3 Jahren um 45 Prozent gestiegen
Ende April waren in Linz-Stadt 9.462 Personen arbeitslos. In den letzten 3 Jahren stieg die Arbeitslosigkeit in Linz um 45 Prozent bzw. 2.947 Personen. Zu dieser Rekordarbeitslosigkeit (abgesehen vom Coronajahr 2020) kommen noch 2.410 Personen in Schulungen. Damit waren Ende April knapp 11.900 Linzerinnen und Linzer auf Jobsuche. Im April 2026 lag die Arbeitslosenquote in Linz-Stadt bei 9,2 % und damit deutlich über dem oberösterreichischen Durchschnitt von 5,1 % (Österreich 7,5 %).
Linz soll wieder Wirtschaftsmotor werden
Nicht nur bei den überdurchschnittlich hohen Arbeitslosenzahlen hat Linz ein Problem, sondern auch in der Wirtschaftsdynamik ist Linz in den letzten Jahren zurückgefallen.
Die Kommunalsteuereinnahmen (3 Prozent der Brutto-Lohnsummen) sind ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen und Gemeinden. 2024 hat Linz mit knapp 200 Millionen Euro Einnahmen aus der Kommunalsteuer 24,5 Prozent aller oberösterreichischen Städte und Gemeinden eingenommen. Ein hoher, allerdings auch rückläufiger Wert, denn 2010 lag der Anteil noch bei 27,7 Prozent.
In der wirtschaftlichen Dynamik ist Linz in den letzten Jahren zurückgefallen. Auch im aktuellen Rechnungsabschluss 2025 liegt die Linzer Kommunalsteuereinnahmen mit 205,2 Millionen um 7,3 Millionen Euro unter den erwarteten (budgetierten) Einnahmen.
Für die VP Linz ist daher klar: Gerade jetzt braucht es neue wirtschaftspolitische Impulse und eine aktive Standortpolitik.
„In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist auch die Stadt gefordert, ihren Beitrag zur Konjunkturbelebung zu leisten. Wirtschaftspolitisch wird in Linz seit Jahren zu wenig getan“, warnt VP-Linz Geschäftsführer Michael Obrovsky.
Parallel zur wirtschaftlichen Krise hat sich die finanzielle Situation der Stadt massiv verschlechtert: Ab 2026 drohen laut mittelfristiger Finanzplanung jährliche Defizite von rund 120 Millionen Euro. Besonders kritisch sieht die VP Linz den Rückgang der Investitionen. Die Investitionsquote der Stadt hat sich seit 2021 mehr als halbiert.
„Mit diesen geringen Investitionen ist ein Substanzerhalt der Linzer Infrastruktur nicht mehr möglich – und auch der Wirtschaftsstandort ist gefährdet“, warnt Obrovsky. Anstatt die Wirtschaft anzukurbeln, kürze die Stadtführung die Investitionen massiv.“
Innenstadt wiederbeleben: Mehr Frequenz, weniger Leerstand
Ein zentraler Schwerpunkt der Wirtschaftsoffensive ist die Wiederbelebung der Linzer Innenstadt. Die VP Linz fordert ein professionelles und vor allem breit aufgestelltes Leerstandsmanagement, eine bessere Koordination aller Beteiligten sowie neue Maßnahmen zur Attraktivierung des Standorts.
Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer: „Die Innenstadt darf nicht länger sich selbst überlassen werden. Vielmehr brauche es eine klare Strategie und ein professionelles Zusammenspiel zwischen Stadtpolitik, Wirtschaft, Eigentümern und Interessensvertretungen.
Die Linzer Innenstadt ist das wirtschaftliche und gesellschaftliche Herz unserer Stadt. Und dieses Herz muss wieder stärker schlagen“, ist Lang-Mayerhofer überzeugt.
Innenstadtpolitik dürfe keine One-Man-Show sein. Der Einsatz des neu eingesetzten - und sehr ambitionierten - Leerstandsmanagers ist ein wichtiger erster Schritt, aber wir brauchen ein professionelles Zusammenspiel zwischen Stadt, Wirtschaft, Eigentümern und Interessensvertretungen.
Vorbild ist dabei etwa die Stadt Wels, wo die Innenstadtagentur aktiv Geschäftsflächen vermittelt und selbst eine Maklerfunktion übernimmt.
Erreichbarkeit stärken: Gratis parken und gratis Öffis
Um die Frequenz in der Innenstadt rasch zu steigern, fordert die VP Linz konkrete Sofortmaßnahmen. Ziel muss es sein, Konsumenten und Besucher wieder stärker in die Innenstadt zu bringen und damit Handel, Gastronomie und Freizeitbetriebe unmittelbar zu unterstützen.
„Wir müssen den Menschen das Einkaufen, Konsumieren und Verweilen in der Innenstadt wieder einfacher machen“, ist Kultur- und Tourismus-Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer überzeugt.
„Zwei Stunden kostenlose Öffis und Parken sind ein konkreter und rasch umsetzbarer Wirtschaftsimpuls für die Linzer Innenstadt“, ist Lang-Mayerhofer überzeugt. Die gesammelten Unterschriften für diese Initiative hat Bürgermeister Prammer entgegengengenommen. Jetzt geht es ums Umsetzen!
Neue Wirtschafts-Kultur statt zusätzlicher Belastungen
Neben neuen Impulsen für die Innenstadt fordert Lang-Mayerhofer auch eine wirtschaftsfreundlichere Veranstaltungspolitik. Besonders kritisiert wird die Linzer Lustbarkeitsabgabe, die Veranstalter und Freizeitbetriebe zusätzlich belaste und im Standortvergleich ein klarer Wettbewerbsnachteil sei.
Die VP Linz fordert daher:
- die komplette Abschaffung der Lustbarkeitsabgabe (ausgenommen Wettbüros)
- weniger bürokratische Hürden
- schnellere Genehmigungs- und Widmungsverfahren
- Entlastungen bei Gebühren für die Nutzung des öffentlichen Gutes
- sowie mehr Unterstützung für Straßen- und Nachbarschaftsfeste
Kultur, Tourismus und Kreativwirtschaft seien entscheidende Standortfaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Lang-Mayerhofer: „Unser konsequenter Weg, Linz als Kulturstandort aufzuwerten, macht sich auch wirtschaftlich nachhaltig bezahlt.“
Jetzt braucht Linz Mut, Tempo und Zukunftsoptimismus
Für die VP Linz steht fest: Gerade jetzt braucht die Stadt eine aktive Wirtschafts- und Standortpolitik. Linz müsse wieder stärker investieren, Innovation fördern und wirtschaftliche Dynamik ermöglichen.
Die Wirtschaftsoffensive der VP Linz versteht sich daher als klares Signal gegen Stillstand und Verwalten. Ziel ist es, Linz wieder zu einem dynamischen Wirtschafts-, Innovations- und Zukunftsstandort zu machen.
„Linz darf sich nicht mit Mittelmaß zufriedengeben. Unsere Stadt hat das Potenzial, wieder zu den dynamischsten Wirtschafts- und Innovationsstandorten Österreichs zu gehören. Dafür braucht es jetzt Mut, Tempo und einen klaren Zukunftsplan“, so Martin Hajart, Doris Lang-Mayerhofer und Michael Obrovsky abschließend.