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MV Hilbern

MV Hilbern baut den größten Proberaum des Landes

26.04.2023 um 09:00, Philipp Eitzinger
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Letztes Jahr spielte der MV Hilbern bei der 70­-Jahr-­Feier des österreichischen Blasmusikverbandes in Bischofshofen auf, derzeit sind sie am Bauen.

Frühlingszeit ist Estrich-Zeit! Zumindest beim Musikverein Hilbern und ihrem neuen Musikheim. Letzten Sommer erfolgte der feierliche Spatenstich, „und wenn alles gut geht, können wir im Herbst schon dort proben“, erklärt Obmann Günther Weigerstorfer – im April sind eben Estrich und Fußböden an der Reihe. Ein großes Eröffnungsfest ist auch geplant, allerdings erst im Frühjahr 2024. Der Clou beim neuen Musikheim in der Ortschaft Großmengersdorf auf halbem Weg zwischen Bad Hall und Sierning: Es wird der größte Probesaal in ganz Oberösterreich.

Modern

Rund 200 Quadratmeter wird der Raum haben, geplant nach modernsten akustischen Gesichtspunkten und ausgestattet nicht nur mit Beamer und Leinwand, sondern auch mit gelenkter Schalldämpfung von der steirischen Firma Hutter Acustix – so kommen die Töne gleichzeitig vorne beim Kapellmeister an. „Der alte Proberaum hat nur 136 Quadratmeter, da sitzen wir wie die Sardinen“, erinnert Weigerstorfer an die schwierigen Bedingungen für die rund 130 Musiker des altehrwürdigen Musikvereins. Zudem sorgte die mangelnde Lüftung für hohe Temperaturen und einen eher unangenehmen Geruch – vor allem im Sommer.

Eigenleistung

Eine Renovierung wäre also so umfassend gewesen, dass ein Neubau schon billiger war, die Sanierung wurde demnach gar nicht genehmigt. Dennoch, in diesen Zeiten ein so großes Bauunterfangen? Das ist für die Musiker möglich, weil der Neubau mit Eigenleistung hochgezogen wird. „Wir sind seit letztem Sommer praktisch durchgehend auf der Baustelle“, sagt der Obmann. Das ist der Vorteil, wenn man so viele Musiker hat: Sie stammen aus allen denkbaren Berufsgruppen, die bei einem solch riesigen Unterfangen ihre Arbeitsleistung ebenso wie ihr Know-how einfließen lassen können. Alleine fünf musizie- rende Elektriker helfen mit, alles in allem sind rund 80 Prozent der Musiker in der „Hacklergruppe“, wie sie sich selbst bezeichnen.

Musik leidet nicht

Bei allem Arbeitseifer und dem verständlichen Enthusiasmus ist aber mindestens ebenso wichtig, dass der musikalische Aspekt nicht leidet. Der Kalender sieht laufend Einsätze vor, wie etwa  bei Erstkommunion und Firmung sowie natürlich von 23. bis 25. Juni beim großen Bezirksmusikfest in Grünburg, Marschwertung inklusive. „Aber wenn man so ein Projekt am Laufen hat, ist die musikalische Motivation überhaupt kein Problem“, lacht Obmann Weigerstorfer, dessen Truppe sehr gut durch die schwierige Corona-Zeit gekommen ist. „Wir hatten nie Streiereien, haben gottlob keine Querulanten. Das ist wichtig!

Leistungsschau

Das alles spiegelt sich in der musikalischen Qualität und dem Standing wider, welches der Musikverein Hilbern weit über die Grenzen des oberösterreichischen Zentralraums hinaus genießt. So war man der Vertreter unseres Bundeslandes bei der großen 70-Jahr-Feier des Österreichischen Blasmusikverbandes – und zwar im Auslauf der Paul-Außerleitner-Schanze von Bischofshofen, wo im Winter Stars wie Stefan Kraft, Halvor Egner Granerud und Michi Hayböck auf Weitenjagd gehen. Unter dem Motto „Musik in Bewegung“ handelte es sich um eine Leistungs- schau der Qualität und der Vielfalt der heimischen Blasmusikszene, nicht um einen Wettbewerb.

Der MV Hilbern zeigte dabei, dass man zu Recht als eine der führenden Show-Kapellen in Österreich gilt. Nicht nur der Bad Haller Bürgermeister Bernhard Ruf und sein Sierninger Kollege Richard Kerbl waren bei der Großveranstaltung im Salzburger Pongau vor Ort, sondern auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der am Ende des Events sogar das gemeinschaftliche Abspielen der Bundeshymne dirigierte.

Kein Kirchturmdenken

Überhaupt sieht sich der Musikverein Hilbern, der in Bischofshofen eben Oberösterreich repräsentierte, als Vertreter der ganzen Region. „Wir sind mitten am Land zwischen den Orten beheimatet, unsere Musiker kommen aus zehn Gemeinden zwischen Steyr, Linz und Wels“, betont Günther Weigerstorfer, „da hat Kirchturmdenken keinen Platz – das Gemeinsame steht immer im Vordergrund!“ So ist es auch möglich, aus Eigenleistung ein ganzes Vereinsheim zu bauen. Und so ist es möglich, rund 130 Musiker an einem Strang ziehen zu lassen.

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