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Schild des AMS Arbeitsmarktservice vor blauem Himmel.
Das AMS Niederösterreich hat seine Prognose für das laufende Jahr korrigiert und erwartet nun statt sinkender steigende Arbeitslosenzahlen.
Das AMS Niederösterreich hat seine Prognose für das laufende Jahr korrigiert und erwartet nun statt sinkender steigende Arbeitslosenzahlen.
Weingartner Foto / picturedesk.com

AMS-Alarm: Dieses Bundesland hat plötzlich mehr Arbeitslose

30.04.2026 um 08:17, Yunus Emre Kurt
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Arbeitslosigkeit: Das AMS Niederösterreich rechnet heuer mit steigender Arbeitslosigkeit statt dem erwarteten Rückgang. Krisen treffen Betriebe.

Statt eines erwarteten Rückgangs rechnet das AMS Niederösterreich nun mit steigender Arbeitslosigkeit. Gründe sind eine schwache Konjunktur, geopolitische Krisen und gleichzeitig ein anhaltender Bedarf an Fachkräften.

AMS korrigiert Erwartung nach oben

Das AMS Niederösterreich korrigiert seine Prognose für das laufende Jahr deutlich. Zu Jahresbeginn geht das Arbeitsmarktservice noch von sinkenden Arbeitslosenzahlen aus, nun rechnet es aber mit steigenden Werten. Laut AMS-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern haben sich die Vorzeichen am Arbeitsmarkt umgekehrt und die Arbeitslosigkeit steigt.

Kern hält fest, dass sich Niederösterreich zunächst robuster zeigt als andere Bundesländer. Im ersten Halbjahr verzeichnet das Land den geringsten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Mittlerweile geht die Landesgeschäftsführerin jedoch davon aus, dass Niederösterreich für das Gesamtjahr mit höheren Zahlen rechnen muss.

Schwache Konjunktur und Krisen belasten Arbeitsmarkt

Auslöser für die geänderte Prognose ist die schwächelnde Konjunktur. Die wirtschaftliche Erholung in Europa, Österreich und Niederösterreich kommt nicht in Schwung, die Wirtschaftsprognosen werden zuletzt nach unten angepasst. Diese Entwicklung schlägt direkt auf den Arbeitsmarkt durch.

Zusätzlich belasten geopolitische Krisen und die allgemeine wirtschaftliche Lage im Land das Umfeld für Unternehmen. Viele Betriebe agieren vorsichtig, verschieben Investitionen und fahren ihre Personalplanung zurück. Das hat zunehmend Folgen für Beschäftigte in Niederösterreich.

Verspätete Wirkung und betroffene Branchen

Die Auswirkungen der schwachen Wirtschaft zeigen sich in Niederösterreich zeitverzögert. Während andere Regionen bereits im Vorjahr einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit verzeichnen, bleiben die Werte im größten Bundesland zunächst stabil. Im ersten Halbjahr weist Niederösterreich noch den geringsten Zuwachs an Arbeitslosen aus.

Seit Herbst ändert sich das Bild. Besonders im Handel, in der Industrie und im Bauwesen gehen vermehrt Jobs verloren. In diesen Branchen ist die Nachfrage schwach, viele Unternehmen reduzieren ihr Personal. Damit erreicht die Jobkrise nun auch Bereiche, die lange als vergleichsweise stabil gelten.

Fachkräftemangel trotz mehr Arbeitslosen

Trotz steigender Arbeitslosigkeit bleibt der Mangel an qualifizierten Fachkräften ein zentrales Thema. Vor allem Personen mit Lehrabschluss sind weiterhin gefragt. Ein Grund ist der demografische Wandel: Viele Angehörige der Babyboomer-Generation gehen in Pension, besonders im handwerklich-technischen Bereich, während weniger junge Menschen mit entsprechender Ausbildung nachrücken.

Im ersten Quartal melden Betriebe in Niederösterreich 23.250 offene Jobs. Das entspricht einem Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 60 Prozent dieser Stellen setzen zumindest einen Lehrabschluss voraus. Gute Chancen bestehen laut AMS vor allem im Gesundheits- und Sozialbereich, in der Gastronomie, in der öffentlichen Verwaltung sowie in klimarelevanten Berufen.

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