Verkehrsreport: So sicher sind Kärntens Straßen

Ein 69-jähriger, der an einer Zivilstreife kurz vor Beginn des Ortsgebiets mit 125 km/h vorbeirast. Ein 19-jähriger, dessen Probeführerschein nach einer wahnwitzigen Ausfahrt mit Tempo 180 auf einer Landstraße eingezogen wird. Und eine Polizei, die ihren Fuhrpark mit 310 PS starken Boliden aufrüsten muss, um extremen Rasern Paroli bieten zu können. Verfolgt man die mediale Berichterstattung der vergangenen Monate, könnte man zu dem Eindruck gelangen, auf Kärntens Straßen wäre man seines Lebens nicht mehr sicher.

Positiver Trend

Der Sprecher des Vereins VCÖ – Mobilität mit Zukunft, Christian Gratzer, gibt diesbezüglich jedoch Entwarnung. Vielmehr lässt sich mit Blick auf aktuelle Statistiken laut dem Experten ein überaus erfreulicher Trend beobachten: So nahm beispielsweise die Anzahl der Geschwindigkeitsübertretungen 2020, auch durch den coronabedingten Verkehrsrückgang, im Vergleich zum Vorjahr deutlich ab – von 625.000 auf 435.000. Und auch die Zahl der Fahrten unter Alkoholeinfluss war rückläufig – 2.853 Delikten im Jahr 2019 standen 2.661 im vergangenen Jahr gegenüber. „Es handelt sich zum Glück nur um eine Minderheit, die sich nicht an die Regeln des Straßenverkehrs hält. Da deren Verstöße allerdings oftmals exzessiv ausfallen, wird ihnen eine überproportional hohe Aufmerksamkeit zuteil“, erklärt Gratzer die mediale Dominanz der Zwischenfälle.

Ein Porträt des Sprechers des Vereins VCÖ - Mobilität mit Zukunft, Christian Gratzer

Anhaltende Probleme

Trotz dieser positiven Entwicklung herrscht auf heimischen Straßen allerdings mitnichten ausschließlich eitel Wonne! Nach wie vor ist zum Beispiel jeder dritte Todesfall im Straßenverkehr auf ein Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit zurückzuführen und 56 % der Verkehrsteilnehmer beschweren sich über aggressive Drängler. Darüber hinaus waren in Kärnten im ersten Halbjahr 2021 bereits zehn Verkehrstote zu beklagen, wofür ebenfalls oftmals ein zu hohes Tempo verantwortlich war.

Lösungsvorschläge

Um die Anzahl der Unfälle sowie der daraus resultierenden Todesopfer weiter zu senken, gilt es laut Christian Gratzer, ein breitgefächertes Maßnahmenbündel auf mehreren Ebenen umzusetzen. So sei etwa das von der Regierung kürzlich beschlossene Raserpaket ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn der VCÖ die eine oder andere Möglichkeit zur Sanktionierung vermisse. Beispielsweise ein einkommensabhängiges Bußgeld, das auch wohlhabende Raser schmerzt, oder die Aufnahme des Vergehens in ein Vormerksystem, um ihm den Nimbus des Kavaliersdeliktes zu nehmen. Zudem plädiert Gratzer dafür, sich ein Vorbild an den skandinavischen Ländern zu nehmen. In ihnen finde man deutlich geringere Tempolimits vor (80 km/h auf Landstraßen und 30 km/h im Ortsgebiet), wodurch das Aggressionspotenzial im Straßenverkehr erheblich minimiert werde. Außerdem würden diese Länder vermehrt auf Begegnungszonen setzen, um ein Bewusstsein für einen rücksichtsvollen Umgang unter allen Verkehrsteilnehmern zu erzeugen.

LR Schuschnig mit zwei Beamten der Verkehrspolizei vor einer Audi-Limousine

Rasergipfel

In Kärnten ist man sich der Probleme seitens der Politik bereits bewusst. Und so wurde zu Beginn des Jahres im Zuge eines Rasergipfels ein Fünf-Punkte-Plan verabschiedet, der der Exekutive ein effizienteres Vorgehen gegen Raser ermöglichen soll. Dieser beinhaltet unter anderem den Einsatz von Schnellrichtern, die etwaige Strafbescheide direkt vor Ort ausstellen können, eine landesweite Vereinheitlichung der Verkehrsstrafen für Überschreitungen jenseits der 30 km/h sowie eine Verbesserung des Datenaustausches unter den Behörden, um Wiederholungstätern permanent steigende Strafen auferlegen zu können. Um der Organisation illegaler Raser-Treffen den Riegel vorzuschieben, wird die Polizei ihre Überwachungstätigkeit zudem verstärkt auf die Sozialen Medien sowie einschlägige Foren ausdehnen.

Autor: Stefan Kohlmaier, 19.07.2021