Pflege: In Würde altern muss möglich sein

Unter dem Motto "In Würde altern. Pflege, aber richtig!" lud das Renner-Institut kürzlich zu seinem „Social MonTalk“. Moderator Peter Plaikner begrüßte dabei unter anderem Eva Mir, Professorin für angewandte Sozialwissenschaften an der FH Kärnten, die in ihrer Keynote erklärte: „Die Würde des Menschen meint einen Bereich der gemeinhin als unantastbar gilt. Würde ist ein Wesensmerkmal, das jeder von uns hat und es hat sich gezeigt, das persönliche Gefühl von Würde ist verknüpft mit den Begriffen Autonomie und Selbstständigkeit - diese Bereiche gilt es zu schützen.“ Sie schlüsselte fünf Themenbereiche auf, die zur Sicherstellung eines würdevollen Alters diskutiert werden müssten: Die Wahrnehmung von Alter - von reserviert und defizitär bis zu den aktiven "Golden Oldies", das Investment in den Bereich Pflege, Integrierte Versorgungskonzepte, die beruflichen Belastungen in der Pflege und damit auch verknüpft die Selbstpflege.

Notstand verhindern

In vielen Bereichen leistet Kärnten Pionierarbeit, vor allem mit der österreichweit einzigartigen Pflegenahversorgung, bei der Mobilen Pflege, und bei den Angeboten für pflegende Angehörige: „Wir bemühen uns, individuelle Angebote zu setzen, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, aus Alternativen auswählen zu können. Darüber hinaus finanzieren wir Urlaub für pflegende Angehörige, organisieren niederschwellige Treffen und wir bieten in einer Ausbildungsoffensive unterschiedlichste Möglichkeiten, sich im Pflegebereich ausbilden zu lassen“, betont die zuständige Landesrätin Beate Prettner, die unter anderem auf die vom Land Kärnten ins Leben gerufenen Sonderlehrgänge in den Bereichen Pflege und Pflegeassistenz verweist. All die Maßnahmen sollen eines verhindern: einen Pflegenotstand. Denn laut Schätzungen werden allein in Kärnten bis zum Jahr 2030 rund 4.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt.

LH Peter Kaiser | Credit: Gernot Gleiss

Mehr als Applaus

Die Zahl der pflegebedürftigen KärntnerInnen steigt, die Möglichkeiten der familiären Betreuung hingegen sinken rapide. "Es gilt sicherzustellen, dass die Pflege nicht selbst zum Pflegefall wird. Die HeldInnen der Coronakrise benötigen mehr als nur Applaus. Es braucht jetzt dringend Schritte, die die Rahmenbedingungen in ihrem Berufsalltag verbessern", appelliert Caritas Kärnten-Direktor Ernst Sandriesser. Er fordert vom Land die Anhebung des Pflegeschlüssels, die Abschaffung von Schulgeld und Studiengebühren, die finanzielle Anerkennung von Zusatzqualifikationen, wie gerontopsychiatrische Spezialisierungen, und die Abgeltung der Pflichtpraktika für Studierende der Schulen für Sozialbetreuungsberufe.

Forderungen

Das Land Kärnten selbst hingegen hat Forderungen an den Bund: „Die Bundesregierung hat das Jahr 2020 zum 'Jahr der Pflege' ausgerufen. Dann ist Corona dazwischengekommen. Doch gerade die Coronakrise hat einmal mehr gezeigt, wie systemrelevant das Pflegewesen ist – Corona darf daher nicht als Bremse, sondern muss als Turbo für die Pflegereform verstanden werden“, betonen LH Peter Kaiser und Gesundheitsreferentin Beate Prettner. Die konkreten Forderungen lauten: eine Ausbildungsoffensive mit der Etablierung der Pflege mit Matura an öffentlichen Schulen; die Aufnahme der Ausbildung zur Pflegekraft in die Liste der AMS-Fachkräftestipendien; eine Änderung der Pflegegeldeinstufung inklusive jährlicher Erhöhung des Pflegegeldes; einheitliche Qualitätsstandards für die 24-Stunden-Betreuung; die Etablierung von Pflege-Servicestellen in den Gemeinden nach dem Kärntner Vorbild „Pflegenahversorgung“; sowie die Abgeltung des Pflegeregresses durch den Bund. Besonders gefährdet. Auch Hilfswerk Kärnten-Präsidentin Elisabeth Scheucher-Pichler fordert, der geplanten Personaloffensive im Rahmen der Pflegereform höchste Priorität einzuräumen. Gerade in Zeiten einer Pandemie sei die Ansteckungsgefahr für mobile Pflegedienste größer und die Konsequenzen fataler als im stationären Bereich. "Wenn sich nur ein Mitarbeiter oder ein Kunde infiziert, stehen mehrere Pflege- und Betreuungsteams still."

Lösung für Personalnotstand gesucht | Credit: Johannes Leitner/Caritas

Ausbildungsmöglichkeiten

  • Ein Jahr dauert die Ausbildung zur Pflegeassistenz, die in Kooperation mit der Diakonie und der Caritas angeboten wird.
  • Die zweijährige praxisorientierte Ausbildung zur Pflegefachassistenz (PFA) umfasst mindestens 1870 Stunden Theorie und 1060 Stunden Praxis.
  • Kärnten ist beim Pilotprojekt "Pflege mit Matura" dabei: In Kooperation mit der GuK (Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Landes Kärnten) sind die Höhere Lehranstalt für Sozialbetreuung und Pflege (HLSP) der Diakonie de La Tour in Villach und der Caritas in Klagenfurt in die neue Pflegeausbildungsära gestartet. Dauer: 5 Jahre
  • An der Fachhochschule in Kärnten ist die Ausbildung zur diplomierten Pflegefachkraft mit Bachelor-Abschluss möglich.
  • In Summe befinden sich etwa 1.200 Personen pro Jahr in den einzelnen Ausbildungszweigen.
  • Infos: www.ausbildungszentrum.ktn.gv.atwww.caritas-kaernten.at, www.diakonie-delatour.at, www.fh-kaernten.at

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Autor: Mirela Nowak-Karijasevic, 29.10.2020