Mantrailing: Superspürnasen auf vier Pfoten

Die folgende Szene dürfte beinahe jedem von uns aus einem gängigen Krimi oder Thriller bekannt vorkommen: Um eine vermisste Person aufzuspüren, wird einem Hund eines ihrer Kleidungsstücke unter die Nase gehalten, woraufhin der Vierbeiner sofort Witterung aufnimmt und ihren Aufenthaltsort ermittelt. Was uns im Film als Standardprozedur verkauft wird, ist in Wahrheit eine äußerst diffizile Angelegenheit, die ausschließlich mit Hunden bewerkstelligt werden kann, die eigens dafür im sogenannten „Mantrailing“ ausgebildet wurden. Solche Superspürnasen stehen hierzulande jedoch nicht im Dienst der Polizei, sondern werden von der Samariterbund Rettungshundestaffel Kärnten und den Spezialisten des K-9 Suchhundezentrums eingesetzt, das seit Beginn dieses Jahres in Klagenfurt stationiert ist. „Während die Suchhunde der Polizei sowie der Rettungsorganisationen darauf trainiert werden, in einem vorab definierten Gebiet möglichst rasch einen (noch) lebenden Menschen ausfindig zu machen, sind wir Experten in der Nachsuche bei besonders komplizierten Fällen, die nicht abgeschlossen werden konnten,“ erläutert Zentrumsleiterin Alexandra Grunow das Spezialgebiet, auf dem ihre Tiere zum Einsatz kommen.

Alexandra Grunow sitzt auf einer Bank vor dem Einsatzwagen des K9 Pro Vermisstensuchevereins

Geruchsspur

Und so zeichnen sich die K-9-Hunde dadurch aus, dass sie den Individualgeruch einer abgängigen Person aus allen Gerüchen der Umgebung herausfiltern und sie anhand der von ihr hinterlassenen Geruchsspur verlässlich aufzuspüren vermögen. Ihre olfaktorische Wahrnehmung ist dermaßen intensiv ausgeprägt, dass sie die Fährte des Vermissten teilweise noch Wochen später aufnehmen können, weshalb durch ihren Einsatz auch bereits als hoffnungslos abgestempelte Fälle zu einem erfolgreichen Abschluss gelangen können.

Umfassende Betreuung

Ferner kümmern sich die K-9-Mitglieder während der gesamten Suchaktion auch um die Angehörigen der verschollenen Person. „Wir versuchen bereits vorab in persönlichen Gesprächen möglichst viele Informationen über die abgängige Person zu erhalten, um einen idealen organisatorischen Ablauf der Sucharbeiten gewährleisten zu können. Zudem koordinieren wir die Kommunikation mit den Einsatzkräften und betreiben Krisenintervention in Kooperation mit Vertretern des Kriseninterventionsteams,“ fasst Alexandra Grunow das umfangreiche Leistungsportfolio zusammen. Letzteres sei insbesondere in Situationen, in denen sich die Suche nervenaufreibend gestaltet oder dramatisch endet, eine psychische Herausforderung für alle Beteiligten. Daher absolvieren die 15 K-9-Mitglieder zusätzlich zu den wöchentlichen zwei bis drei Trailing-Trainingseinheiten auch regelmäßig professionelle psychologische Schulungen.

Alexandra Grunow führt zwei Hunde an der Leine über eine Wiese

Gemeinnützig

Neben vermissten Personen begibt sich das K-9-Team auch auf die Suche nach entlaufenen Haustieren („Pettrailing“ genannt), von Katzen und Hunden über Schildkröten bis hin zu Kälbern. Als gemeinnütziger Verein werden sämtliche Leistungen kostenlos angeboten und lediglich die Fahrtkosten in Rechnung gestellt. Mit einer freiwilligen Spende kann darüber hinaus ein wertvoller Beitrag zur Ausbildung und Ausrüstung des Vereins und seiner Mitglieder geleistet werden.

Fallbeispiele

Zwei Fälle aus der jüngeren Vergangenheit sind Alexandra Grunow besonders positiv in Erinnerung geblieben: „Wir haben in der Umgebung rund um Schiefling die Jagdhündin Ylvie aus schwer zugänglichem Dickicht befreit, nachdem das Tier trotz intensivster Bemühungen der Jägerschaft inklusive Drohnenunterstützung, auch nach 11 Tagen noch spurlos verschwunden geblieben war. Die berührende Freude ihres Halters war die schönste Belohnung für diese strapaziöse Suche. Außerdem ist es uns gelungen, als Mitglieder der Samariterbund Rettungshundestaffel Kärnten, einen 66-jährigen demenzkranken Mann im Klagenfurter Europapark aufzufinden, der sich auf dem Weg zurück ins LKH verirrt hatte und schwer traumatisiert gewesen war.“

Was tun im Ernstfall?

  • Die Polizei alarmieren
  • Für die Nachsuche Kontakt mit dem K9 Pro Vermisstensucheverein aufnehmen (Tel.: 0720/900 050)
  • Diese Informationen sind für Einsatzkräfte wichtig: depressive Vorgeschichten, Demenzerkrankungen, Lieblingsplätze von Demenzpatienten oder gute Freunde der vermissten Person
  • Geruchsartikel (Kleidungsstück etc.) in einem Müllsack sichern
  • Den Entlaufort nicht verlassen – nicht aktiv nach einem vermissten Tier suchen
Autor: Stefan Kohlmaier, 01.09.2021