Ian Jules: Kärntens schillerndster Paradiesvogel im Interview

Weekend: Was hat dich dazu inspiriert, die Kunstfigur Ian Jules zum Leben zu erwecken?
Ian Jules: Ich habe mich bereits als Kind gängigen Rollenzuschreibungen entzogen und mir beispielsweise meine Nägel lackiert und Kleider getragen. Dadurch wurde ich sowohl in der Schule als auch später im beruflichen Alltag häufig zum Ziel von Mobbing-Attacken und Beschimpfungen. Die Erschaffung des Alter Egos Ian Jules ermöglichte es mir, diese Anfeindungen besser zu verkraften. Daher möchte ich junge Menschen heute auch dazu ermutigen, mit ihrem Anderssein selbstbewusst umzugehen.

Weekend: Welchen Projekten gehst du als Ian Jules nach?
Ian Jules: Ich bin in den unterschiedlichsten Bereichen aktiv – als Influencer, Künstler, Aktivist und Rapper – und tue eigentlich immer genau das, wonach mir gerade der Sinn steht. Aktuell habe ich beispielsweise einen Song zu dem von Manfred Plessl komponierten Soundtrack der österreichischen Actionkomödie „White Christmas“ von Flo Lackner beigesteuert, der im Studio der Matakustix aufgenommen wurde. Zudem veranstalte ich regelmäßige Fantreffen an Schulen oder in Einkaufszentren wie den City Arkaden, die vor Corona von hunderten Menschen besucht wurden. Dabei bietet sich meinen Fans die Gelegenheit, Autogramme oder Selfies zu ergattern sowie kreative Merchandise-Artikel zu erwerben. Darüber hinaus betreibe ich auch einen TikTok-Kanal, der schon über 10,2 Millionen Klicks generieren konnte.

Weekend: Kannst du von diesen Tätigkeiten bereits leben?
Ian Jules: Von meiner Arbeit als Influencer ja. Ich werde in diesem Zusammenhang dafür gebucht, auf Festivals wie dem Cruise the Lake, dem World Bodypainting Festival oder dem HOLI Festival aufzutreten sowie im Vorfeld über gezielte Promotion-Kampagnen den Ticketverkauf anzukurbeln und vor allem in den Sozialen Medien Aufmerksamkeit auf die Veranstaltung zu ziehen.

Weekend: Deinem ursprünglich erlernten Beruf des Altenpflegers musst du also nicht mehr nachgehen?
Ian Jules: Korrekt! Obwohl ich ihn voller Leidenschaft ausgeübt habe, da mir alte Menschen sehr am Herzen liegen und ich auch der Meinung bin, dass wir viel von ihnen lernen können.

Ian Jules mit gefalteten Händen und stark tätowiertem nacktem Oberkörper vor einer Wand mit Schallplatten

Weekend: Wie sieht ein klassischer Tag in deinem Leben aus?
Ian Jules: Ich stehe meistens sehr früh, so zwischen 06.00 und 07.00 Uhr auf, und kontrolliere meinen Likes- sowie Follower-Status in den Sozialen Netzwerken. In weiterer Folge mache ich mir Gedanken darüber, mit welchen Aktivitäten ich das Interesse meiner Fans wecken und sie bestens unterhalten kann. Dafür filme ich gut dreiviertel meines täglichen Lebens.

Weekend: Wird dir die permanente Selbstinszenierung in den Sozialen Medien nicht manchmal zu viel?
Ian Jules: Es kommt an ca. 1 – 2 Tagen im Monat vor, dass ich davon genervt bin. Die restliche Zeit über genieße ich es jedoch ungemein, im Rampenlicht zu stehen, da ich sehr extrovertiert veranlagt bin. Außerdem motiviert mich das ungebrochen hohe Interesse meiner Fans, die von meinen Beiträgen scheinbar nicht genug bekommen können.

Weekend: Was rätst du jungen Menschen, die eine ähnliche Karriere wie du einschlagen wollen?
Ian Jules: Steht bedingungslos zu euch selbst, lasst euch nicht von eurem Weg abbringen und tut nicht immer nur das, was andere von euch erwarten oder euch vorschreiben wollen. Achtet außerdem auf eure Gesundheit! Ich selbst versuche beispielsweise dreimal pro Woche im Fitnessstudio zu trainieren, trinke hauptsächlich Wasser und halte mich von jeder Art von Drogen fern. Ferner müsst ihr auch damit rechnen, den einen oder anderen Freund zu verlieren, der eure Karriereentscheidung als lächerlich ansieht.

Weekend: Auf welche Neuigkeiten dürfen sich deine Fans in der nahen Zukunft freuen?
Ian Jules: Ende August werde ich eine neue Single veröffentlichen, die höchstwahrscheinlich den Namen „Spirits“ tragen wird. Außerdem sind bereits unzählige spontane Aktionen und Gewinnspiele in Planung, die wie immer mit jeder Menge Provokation einhergehen werden, um dem engstirnigen Denken vieler Menschen entgegenzuwirken. Ende des Jahres wird schlussendliche „White Christmas“ im Kino zu sehen sein.

Autor: Stefan Kohlmaier, 30.07.2021