Stillstand ist keine Option
Herr Präsident, Unternehmer klagen seit Jahren über die Bürokratie. Wie ernst ist die Lage?
Die Situation ist tatsächlich sehr angespannt. Viele Betriebe haben heute das Gefühl, mehr Zeit mit Formularen, Berichtspflichten und Dokumentationen zu verbringen als mit ihrem eigentlichen Geschäft. Besonders auf europäischer Ebene ist in den letzten Jahren eine enorme Regulierungsdichte entstanden – von Nachhaltigkeitsberichtspflichten über Lieferkettenregelungen bis hin zu immer neuen Berichtssystemen. Natürlich sind Ziele wie Klimaschutz wichtig. Sie müssen jedoch so gestaltet sein, dass sie auch in der Praxis funktionieren. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können keine eigenen Abteilungen für Bürokratie aufbauen. Deshalb brauchen wir endlich einen echten Bürokratie-Check auf allen Ebenen: weniger Regeln, klarere Vorgaben und mehr Vertrauen in die Betriebe.
Ein großes Zukunftsprojekt für Kärnten ist die AREA Süd. Wo stehen wir heute?
Mit der Koralmbahn hat sich für Kärnten tatsächlich ein neues Kapitel geöffnet. Wir sind Teil eines gemeinsamen Wirtschaftsraums mit der Steiermark, in dem rund 1,8 Millionen Menschen leben und arbeiten. Diese neue Dimension eröffnet enorme Chancen für Betriebe, Arbeitsmärkte und Innovation. Erste Effekte sind bereits sichtbar: Die Westbahn fährt inzwischen auch Kärnten an und sorgt für den hart erkämpften Fernverkehrshalt in Kühnsdorf. Das bringt zusätzliche Dynamik in den Personenverkehr und stärkt den gesamten Südkorridor. Gleichzeitig müssen wir jetzt die nächsten Schritte gehen. Dazu gehören der rasche Ausbau des Logistikcenters Fürnitz, die Weiterentwicklung des Verladebahnhofs in Kühnsdorf und der Bau einer leistungsfähigen Güterbahntrasse im Zentralraum. Wenn wir diese Infrastrukturprojekte konsequent umsetzen, kann sich die AREA Süd zu einem der stärksten Wirtschafts- und Logistikräume im Alpen-Adria-Raum entwickeln.
Am 30. April findet wieder der Tag der Arbeitgeber statt. Warum ist dieser Termin so wichtig?
Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, bilden Fachkräfte aus und investieren in die Zukunft unseres Landes. Trotzdem wird diese Leistung oft als selbstverständlich angesehen. Der Tag der Arbeitgeber ist deshalb ein wichtiges Signal: Wir machen sichtbar, was Unternehmerinnen und Unternehmer jeden Tag leisten. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist ein klares Bekenntnis zu Unternehmertum, Verantwortung und Leistungsbereitschaft umso wichtig. Denn ohne engagierte Arbeitgeber gäbe es keine wirtschaftliche Entwicklung – und auch keinen Wohlstand.
Zur Person
Jürgen Mandl ist Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten und Unternehmer. Er vertritt mehr als 38.000 Betriebe, die knapp 200.000 Arbeitsplätze sichern. Ein zentraler Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Stärkung des Wirtschaftsraums AREA Süd sowie der Abbau von Bürokratie für Unternehmen
