Erwin Angerer: „Kärnten bedarf einer sozialen, keiner sozialistischen Politik!"

Der Landesparteiobmann der Kärntner FPÖ lässt im Weekend-Interview die Bundespräsidentenwahl Revue passieren und verrät, warum Bargeld für ihn Freiheit bedeutet, er Windkraft ablehnt und wie er Peter Kaisers Wiederwahl verhindern möchte.
Autor: Stefan Kohlmaier, 25.10.2022 um 09:11 Uhr

Weekend: Wie beurteilen Sie die Bundespräsidentenwahl sowie das positive Abschneiden von Walter Rosenkranz in Kärnten?
Erwin Angerer: Walter Rosenkranz‘ Erfolg liegt sowohl in der Ruhe und der Geschlossenheit, die in den vergangenen Jahren in unserer Partei eingekehrt sind, als auch in seinen gewinnenden Auftritten in Villach, Klagenfurt sowie zahlreichen Gemeinden begründet. Der Wahlkampf an sich hat der Reputation des höchsten Amtes unseres Staates jedoch keinen guten Dienst erwiesen: Während SPÖ und ÖVP ihre demokratiepolitische Verantwortung, einen eigenen Kandidaten zu nominieren, nicht wahrgenommen haben, zielte die Berichterstattung vieler Medien ausschließlich darauf ab, die Herausforderer ins Lächerliche zu ziehen, während sich der Amtsinhaber jeglicher Diskussion verweigerte.

Weekend: Welchen Stellenwert genießt für Sie das Bargeld?
Erwin Angerer: Für mich repräsentiert die Möglichkeit der Bargeldzahlung ein ungemein wertvolles Grund- und Freiheitsrecht in einer Gesellschaft, die aufgrund der Omnipräsenz digitaler Strukturen teilweise schon Züge eines Überwachungsstaates trägt. Es besteht ferner kein glaubwürdiger Grund für die lückenlose Dokumentation des Kaufverhaltens unserer Bürger. Ich kann auch der Argumentation, dass eine Abschaffung des Bargelds der organisierten Kriminalität den Boden entziehen würde, rein gar nichts abgewinnen. Das Internet eröffnet Kriminellen deutlich mehr Möglichkeiten für ihre Machenschaften.

Erwin Angerer, der einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd sowie roter Krawatte trägt und vor einem grauen Hintergrund steht

Weekend: Warum sprechen Sie sich gegen einen Ausbau der Windenergie aus?
Erwin Angerer: Windkraftprojekte stellen einen massiven Eingriff in die Natur dar. So verschlingt etwa das Fundament eines einzelnen Windrades eine Fläche in der Größenordnung von vier Einfamilienhäusern. Außerdem arbeiten sie ineffizient. Von den 8.760 Stunden, aus denen ein Jahr besteht, können nur zwei- bis dreitausend mit windkraftgeneriertem Strom versorgt werden. Da zudem 50 bis 70 Prozent der Rohstoffe und Komponenten eines Windrades aus China sowie Taiwan stammen, wird uns diese Technologie auch keine energiepolitische Unabhängigkeit bescheren. Es wäre stattdessen sinnvoll, die Potenziale der Stromerzeugung aus Biomasse und Wasserkraft stärker auszuschöpfen, etwa über den Ausbau von Kleinwasserkraftwerken, und ausreichend Freiflächen für eine Forcierung des Photovoltaik-Angebots bereitzustellen.

Weekend: Wie wollen Sie bei den kommenden Landtagswahlen einen Alleingang Peter Kaisers unterbinden?
Erwin Angerer: Indem wir mit einem kompetenten Team ein innovatives Programm präsentieren, das die Menschen wieder hoffnungsfroh in die Zukunft blicken lässt. Dafür werden wir Ideen und Konzepte zur Abflachung der massiven Teuerungswelle sowie zukunftsträchtige Initiativen gegen die Abwanderung bestens ausgebildeter junger Menschen präsentieren.