Landwirtschaft 4.0: So smart sind Kärntens Bauern

Drohnen, die mithilfe von integrierten Infrarotkameras vor der Mahd nach Wildtieren Ausschau halten. Melkroboter, die ihren Dienst ohne menschliches Zutun verrichten und dabei auch gleich den Gesundheitszustand der Kühe sowie die Qualität ihrer Milch analysieren. Traktoren, die dank eingebauter Satellitennavigationssysteme selbstständig auf den Zentimeter genau die Spur halten können. Der eine oder andere von uns fühlt sich wahrscheinlich an die populäre Computerspielreihe Landwirtschafts- Simulator erinnert, wenn er hört, welche spektakulären Hightech-Spielereien heutzutage auf den Feldern der heimischen Landwirte zum Einsatz kommen. Zwar geht es noch nicht so weit, dass unsere Bauern ihren Arbeitsalltag mittlerweile nur noch mit der Maus in der Hand vor dem Computer verbringen, viele von ihnen rüsten jedoch schon seit geraumer Zeit digital enorm auf.

Vielfältige Chancen

Eine Studie des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus kommt daher zu dem Schluss, dass eine moderne und profitable Landwirtschaft ohne die Techniken der Digitalisierung nicht mehr möglich wäre. Für die Autoren ergeben sich aus diesem Umstand mannigfaltige Vorteile für die Landwirte. So können etwa die Aufnahmen der eingangs erwähnten Drohnen auch für die Erstellung sogenannter Dünger-Applikationskarten herangezogen werden. Selbige dienen als Basis zur Ausarbeitung einer intelligenten Düngestrategie, die die optimale Menge an Düngemittel für jeden Teilbereich einer Acker- oder Wiesenfläche errechnet. Dadurch wird eine Überdüngung verhindert, wodurch sowohl der Boden und die Pflanzen als auch die Brieftasche des Landwirts geschont wird. (Quelle: Digitalisierung in der Landwirtschaft, Hrsg.: Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, 1010 Wien, 2018)

Eine junge Landwirtin steuert eine Drohne über einem sonnendurchfluteten Getreidefeld.

Zum Wohl der Tiere

Von den Vorzügen dieses technologischen Fortschritts ist auch der Völkermarkter Landwirt Michael Haberl überzeugt, der einen Betrieb mit 33 ha Ackerland, 400 Schweinen und einer 2,5 ha großen Christbaumkolonie bewirtschaftet. Haberl investierte im Lauf der vergangenen 15 Jahre ca. 200.000 Euro in die Modernisierung seines Hofs, wovon alleine 70.000 Euro in eine vollautomatische Fütterungsanlage flossen. Das System entnimmt dem Silo und den Vorratsboxen auf Knopfdruck eigenständig Mais, Soja sowie Mineralstoffe, bereitet anschließend eine auf jedes Tier individuell abgestimmte Futterration zu und verfüttert selbige schlussendlich an die Schweine. Dabei werden Faktoren wie das Alter oder die Größe der Tiere ebenso berücksichtigt, wie ihr Status im Mastprozess. „Die enorme Zeitersparnis, die mit dieser Automatisierung einhergeht, kann ich beispielsweise für die Beobachtung des Fressverhaltens meiner Tiere nutzen, was wiederum dem Tierwohl zugutekommt“, hebt Haberl den Wert der Anlage hervor.

Tradition erhalten

Der Jungbauer, der seine Landwirtschaft konventionell betreibt, sieht die klassischen Tugenden des Bauerntums, etwa die starke Naturverbundenheit, durch die immer rascher voranschreitende Technisierung auch nicht bedroht. Es werden seiner Meinung nach auf einem Bauernhof vielmehr immer genug Aufgaben anfallen, die nicht vollständig digitalisiert werden können, wie etwa die Waldarbeiten. Ferner sei es für österreichische Landwirte zudem selbstverständlich, ihre Tiere nicht als Industriegut, sondern als Lebensgrundlage zu begreifen, auf die es zu achten gilt, da nur gesunde und glückliche Tiere auch einen hohen Ertrag einbrächten.

Porträt des Jungbauern Michael Haberl

Regionalität stärken

Eine deutlich größere Gefahr für den wirtschaftlichen Fortbestand vieler kleinstrukturierter heimischer Landwirtschaften und der von ihnen verkörperten Kultur geht für Haberl von internationalen Agrarkonzernen aus, die ihre Niederlassungen tatsächlich wie Industriebetriebe führen und für die Faktoren wie Tierwohl oder Naturverbundenheit überhaupt keine Rolle spielen. Diesbezüglich sei man jedoch auf die Unterstützung durch die Konsumenten angewiesen, die beim Lebensmittelkauf nicht nur einen möglichst günstigen Preis im Sinn haben sollten. Haberl hofft in diesem Zusammenhang darauf, dass der aktuelle Trend zu regionalen Produkten sich in Zukunft noch stärker fortsetzt.

Autor: Stefan Kohlmaier, 10.03.2021