Naschenweng: "Frauen gehören nicht hinter den Herd!"

LederHosenRock heißt das neueste Werk der Lesachtalerin Melissa Naschenweng, das direkt auf Platz 1 der Charts geschossen ist. Weekend sprach mit ihr über das Bergleben, den langen Weg bis zum Erfolg und die Zukunft. Übrigens: Hier gibt es das neue Album zu gewinnen.

weekend: 2019 bist du etwa 180 Mal auf der Bühne gestanden. Wie erlebst du die Vollbremsung?
Melissa Naschenweng: Den ersten Lockdown habe ich genutzt, um an meinem Album zu arbeiten. Nach einigen Promoterminen im November habe ich mir jetzt ein paar Tage Ruhe gegönnt, viel gekocht und meinen Bruder beim Distance Learning unterstützt. Demnächst werde ich mit dem Proben loslegen, damit ich perfekt vorbereitet bin, wenn es wieder losgeht. Das heißt, ich nutze die Situation einfach als Chance.

weekend: Du bist also optimistisch, dass du bald wieder auf der Bühne stehen wirst?
Melissa Naschenweng: Ja, ich glaube , dass es spätestens im Sommer wieder mit den richtigen Konzerten losgeht.

weekend: Richtige Konzerte? Heißt das, die Autokonzerte sind keine Option?
Melissa Naschenweng: Ich habe heuer fünf Autokonzerte gespielt und bin mir vorgekommen wie ein Hirte. Die Menschen zahlen über 100 Euro für einen Stellplatz und dann muss ich ihnen ständig sagen, sie dürfen nicht raus aus dem Auto, sie dürfen nicht hupen. Nein, das hat keine Zukunft.

weekend: Auch dir wird vorgeworfen, nicht echt zu sein. Für einige Menschen scheint deine äußere Erscheinung nicht mit dem Bergleben, das du besingst, stimmig zu sein.
Melissa Naschenweng: Wenn man sich genau mit mir beschäftigt, weiß man, dass das alles echt ist. Ich gehe aufs Feld und bin da natürlich nicht so gestylt wie in den Videos, auf den Konzerten oder bei Promoterminen. Ich spiele seit 24 Jahren Harmonika in Lederhosen. Ich wohne auch tatsächlich hier im Lesachtal am Berg und fahre nicht nur her, um ein paar nette Fotos zu schießen.

weekend: Du bezeichnest dich als sensiblen Menschen. Wie gehst du mit dem Druck und mit Kritiken um?
Melissa Naschenweng: Ich werde lieber ehrlich kritisiert als falsch gelobt. Ich mag nur keine Kritik von Menschen, die es nicht besser machen (können) als ich. Mittlerweile freue ich mich auch über Neider. Mir wurde nichts geschenkt im Leben, ich habe mir das alles selbst erarbeitet.

Melissa Naschenweng im Weekend-Interview | Credit: Christoph Hatheuer/adlmann promotion

weekend: Welche Kritik hat dich bisher am weitesten gebracht?
Melissa Naschenweng: Stefanie Werger hat vor ein paar Jahren zu mir gesagt, ich sei wie ein Nougatknödel ohne Füllung.

weekend: Zu Recht?
Melissa Naschenweng: Ja, mein Auftritt war wirklich nicht gut. Es war aber die größte Motivation, weil ich mir dachte: ‚Dir werde ich es zeigen!‘

weekend: Ist das Bergleben tatsächlich noch so idyllisch, wie du es darstellst? Stichwort: Landflucht, Bauernsterben...
Melissa Naschenweng: Es wird jetzt sogar noch idyllischer als in den vergangenen Jahren. Die Jungen kehren wieder zurück, gründen hier Familien, weil sie weg von der Schnelllebigkeit, der Hektik der Stadt wollen.

weekend: Es gibt auch den Vorwurf, deine Texte seien nicht feminsitisch genug...
Melissa Naschenweng: Meine Texte muss man schon mit einem Augenzwinkern verstehen. Aber, nein, ich glaube nicht, dass eine Frau hinter den Herd gehört. Was ich aber glaube, ist, dass Kinder ihre Mutter brauchen und eine Tagesmutter diese nicht ersetzen kann. Dennoch ist es jeder Frau selbst überlassen, wie sie ihr Leben gestaltet.

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Autor: Mirela Nowak-Karijasevic, 03.12.2020