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Porträtfoto von Manuel Feller mit seinem Ski im Hintergrund
Manuel Feller zählt zu den beliebtesten Skifahrern des Landes.
Manuel Feller zählt zu den beliebtesten Skifahrern des Landes.
JFK / EXPA / picturedesk.com

Manuel Feller: "Slalom-Sport ist brutal"

23.01.2023 um 15:54, Alexandra Nagiller
min read
Manuel Feller zählt zu Österreichs größten Medaillenhoffnungen. Wie der Tiroler Skistar privat tickt, ihn die Famlilie stärkt und wieviel Risiko der Slalom braucht.

Die Alpine Ski-WM startet am 6. Februar 2023 in Courchevel und Méribel. Ein heißer Medaillenanwärter ist Manuel Feller. Vorab gewährt der Tiroler Skistar einen Einblick hinter die Kulissen des Rennzirkus und sein persönliches Erfolgszrezept.

In gut einer Woche startet die alpine Ski-WM in Courchevel und Méribel. Wie sehr hast du diese Saison darauf hin gearbeitet?
Ganz ehrlich, ich denke immer von Rennen zu Rennen. Schon zu früh die WM im Hinterkopf zu haben macht auch keinen Sinn. Die Saison ist lange, die Startplätze heiß begehrt. Dabei bin ich zumindest fix (lacht).

Das klingt fast schon entspannt. Wie wichtig ist die mentale Komponente?
In den Technik-Disziplinen ist sie das Um und Auf. Du kannst im ersten Durchgang führen, hast aber noch nichts gewonnen – das macht es mental recht schwierig. Der Tag wird immer extrem lang. Routine hilft dabei aber auf jeden Fall. Die Hänge sind meist die gleichen von Saison zu Saison. Und über die Jahre lernt man, wo es sich auszahlt, dass man mehr riskiert oder wo es keinen Sinn macht.

Ausscheiden in Kitzbühel

Kitzbühel ist nicht so gelaufen wie gewünscht – als Führender nach dem ersten Durchgang bist Du ausgeschieden. Wie gehst Du mit solchen Niederlagen um?
Ich bin relativ gut mit dem Abschließen. Was passiert ist, ist passiert. Natürlich zipft es mich in dem Moment richtig an. Meistens weniger, weil ich ausgefallen bin, sondern aus Grant auf mich selbst. Aber ich schaffe ich es meist recht gut, das zu akzeptieren und mache weiter. Ich kann die Vergangenheit sowieso nicht ändern. Sport ist generell extrem schnelllebig geworden. Mir ist klar: Wenn ich heute gewinne und morgen ausscheide, bin ich der Trottel, obwohl ich am Vortag gewonnen hab. Die Leute leben nur im Hier und Jetzt, das Gestern ist schon vergessen. Auch als Sportler muss ich nach vorne schauen. Von einem Sieg kann ich mir morgen nichts mehr kaufen. Ich kann mir das Positive mitnehmen, und kann aus Fehlern lernen.

 

"Slamomsport ist brutal"

Wie viel Risiko gehst du in den Rennen ein?
Slalomsport ist sehr brutal. Ohne Risiko ist man nicht dabei. Aber als routinierter Athlet weiß ich z.B., dass ich in Adelboden im Steilhang nicht mein letztes Hemd riskieren muss. Und ich weiß auch, wo ich den Ski gehen lassen kann. Natürlich steht jedes Jahr ein anderer Lauf, aber es gibt Passagen, die kann der Kurssetzer nur ähnlich setzen.

Wie schätzt Du die WM-Strecke ein?
Die WM ist was anderes – man kennt den Hang nicht oder ist ihn vielleicht einmal irgendwann in der Karriere gefahren. Courchevel kenne ich eigentlich nur vom Vorbeifahren. Letztes Jahr war das Finale der Herren nämlich in Méribel, unsere WM-Bewerbe sind aber in Courchevel. Es ist ein Hang, der eher steiler ist bzw. mit wenig Flachpassagen. Aber bei einer WM muss man sowieso von oben bis unten voll attackieren. Da zählt nur Platz 1, 2, 3. Das schlimmste ist, wenn ich vierter oder fünfter werde.

Feller unter den Favoriten

Siehst du dich unter den Favoriten?
Im Slalom auf jeden Fall, im Riesentorlauf ist das eine andere Geschichte, das kommt immer auf meine körperliche Verfassung mit dem Rücken an, denn da wirken einfach andere Kräfte. Aber wenn ich zu einer WM fahre, dann natürlich auch mit der Einstellung, Edelmetall zu holen.

Nach WM-Silber im Slalom in St. Moritz 2017 – mit Marcel Hirscher und Felix Neureuther am Podium – wäre ein weiteres Edelmetall sicher schön.
Da war ich noch jung, da ist es einfacher gegangen. Jetzt war ich schon bei ein paar Großereignissen und immer gut in Form, hab es aber nie auf den Punkt gebracht. Aber der Weltmeistertitel wäre natürlich das i-Tüpfelchen für meine Karriere.

Über die Konkurrenz: "Es kann alles passieren"

Wie schätzt du die Konkurrenz ein? 
Im Riesentorlauf gibt es eine Handvoll Anwärter, aber Großereignisse haben schon oft gezeigt, dass Außenseiter auch zuschlagen können. Im Slalom kann alles passieren. Da gibt es sicher 20 Leute, die aufs Podium fahren können. Natürlich gibt es die üblichen Verdächtigen wie z.B. Kristoffersen, Yule, Meillard oder Braathen. Aber die vielen Top Athleten machen gerade den Slalom auch für Zuschauer interessant. Im Riesentorlauf gilt es, Odermatt zu schlagen, aber auch Kranjec und Co. Aber ich hoffe, dass ich ein Wörtchen mitreden kann.

Wie gut sind die Österreicher drauf?
Von uns sechs in der Slalommannschaft traue ich jedem ein Podium zu, das sieht man an den Trainingszeiten. Die Frage ist: Wer bringt das am Tag X auf den Punkt? Mein Traum wäre, dass wir mal zu dritt am Podium stehen, das würde ich in meiner Karriere noch gerne erleben – so wie bei der WM in Aare 2019, mit Marcel Hirscher vor Michael Matt und Marco Schwarz – damals war ich leider Fünfter.

Feller privat

Wie tankst Du Kraft abseits des Skizirkus?
Bei meiner Family daheim. Da hab ich keine Zeit, ans Skifahren zu denken, weil ich mit den Kids eingespannt bin. Und: nur fünf Minuten von mir daheim gibt es einen See – dort habe ich eine Fischerkarte und setze mich gerne ein paar Stunden hin zum Angeln. Im Sommer geh ich auch gerne mal auf die Peter-Wiechenthaler-Hütte, die von meiner Familie bewirtschaftet wird. Am Abend sitzen wir dann zusammen, einfach Zeit für uns.

Worauf freust du dich nach der Saison am meisten?
Dass es nach der Coronazeit wieder einen gescheiten Urlaub gibt. Ich werde heuer mit ein paar Freunden nach Jamaika fliegen. Und ich möchte meiner Freundin die Insel zeigen,  immerhin war jetzt doch schon ein paarmal dort.

Pläne fürs Karriere-Aus

Denkst du manchmal auch an die Zeit nach Deiner Skikarriere?
Aktuell nicht – was zählt, ist die aktuelle Saison, von Rennen zu Rennen. Ich bin seit fast 20 Jahren professionell im Skisport unterwegs und habe viele Erfahrungen gesammelt. Es wäre sicher cool, später wieder etwas zurückzugeben an die junge Athleten, sei es als Skitrainer, als Physiotherapeut oder Konditionstrainer o.ä. Ich würde dem Sport einfach gerne erhalten bleiben, muss dann aber nicht mehr groß im Mittelpunkt stehen.

Der Unterhaltungsbereich reizt dich nicht?
Natürlich finde ich es immer cool, Leute zu unterhalten und zum Lachen zu bringen. Heutzutage ist alles zu ernst. Von dem her ist es umso schöner, den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich sage also nicht nein, ich dränge mich aber auch nicht auf.

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