Fußball: Schlechte Voraussetzungen für Frauen

Fußballspielerinnen haben im 21. Jahrhundert noch immer schlechtere Bedingungen und nicht den gleichen Stellenwert wie männliche Kicker.
Autor: Melanie Ogris, 30.06.2022 um 08:00 Uhr

In Europa, und demnach auch in Österreich, wird eine Disziplin besonders geliebt: Fußball. Hierbei hat die Gesellschaft eine eindeutige Präferenz, welches Geschlecht am Spielfeld gesehen werden will, nämlich das männliche. Dabei gibt es genügend Frauen, die diesen Sport mindestens genau so lieben.

Mit meinem älteren Bruder und meinen Cousins haben wir immer zusammen Fußball gespielt. Mit sechs Jahren wollte ich dann zum USV Gnas. Ich war damals das einzige Mädchen und es war nicht einfach, da sie nur Buben haben wollten. Mein Onkel war Trainer der U8 und hat sich sehr für mich eingesetzt. – Sarah Puntigam, Spielerin im Nationalteam, im Interview mit weekend.at

Sinnloser Geschlechtervergleich

Oft wird behauptet, dass das Niveau beim „Frauenfußball“ niedriger ist und darum weniger Aufmerksamkeit bekommt. „Physische Unterschiede sind da, das ist anatomisch bedingt“, erklärt Puntigam. 2019 verglich die Deutsche Sporthochschule Köln in einer Studie die fußballspezifische taktische Leistungsfähigkeit von Frauen und Männern in Europa. Es zeigte sich, dass es keine Unterschiede gibt.

Außerdem geht aus einer Analyse von UEFA- Champions-League-Spielen hervor, dass Männer um 23 Prozent größere Distanzen im Sprint zurücklegen, was jedoch daran liegt, dass Frauen um 22 Prozent leichter sind. „Grundsätzlich sind Vergleiche nur bedingt sinnvoll und sollten nicht wertend erfolgen“, erklärt Sportwissenschaftler Christoph Gonaus vom IFFB Sport- und Bewegungswissenschaften in einem Gespräch mit SALZBURG24.

Sarah Puntigam

Ungleiche Grundlagen

Fußball, der von Frauen gespielt wird, hat eine geringere Qualität. Der Grund dafür sollte nicht bei körperlichen Unterschieden gesucht werden, sondern bei den Voraussetzungen. „Wir Frauen haben von klein auf nie die gleichen Bedingungen. Jeder Profiverein in Österreich hat für Buben eine Akademie – für Mädchen gibt es nur wenige. Ich war nie auf einer solchen Schule, weil es das Angebot damals noch nicht gab“, bestätigt Sportlerin Puntigam.

Spielerinnen werden benachteiligt

In der österreichischen Bundesliga gebe es für Frauen nur ein paar Vereine, die professionell mit Kraftraum, Athletiktrainer etc. arbeiten – die Mehrheit habe das nicht. Dadurch könne man kein gleiches Niveau erwarten, denn Männer würden auch nicht so gut spielen, wenn sie diese Vorteile nicht hätten. „Ich finde, man sollte anfangen, die gleichen Trainings- und Ausbildungsbedingungen zu schaffen, damit wir den Sport genau so ausführen können“, ergänzt sie. Ein weiterer bedenklicher Punkt ist der Gender-Pay-Gap, denn wie in fast allen Branchen verdienen Spieler deutlich mehr als gleich qualifizierte Spielerinnen.

Am Fußball faszinieren mich die Emotionen und der Teamgedanke, denn allein kann man kein Spiel gewinnen. – Sarah Puntigam

Erste Erfolge

Vom 6. bis 31. Juli findet zum 13. Mal die Fußball-Europameisterschaft der Frauen statt. Erstmals werden alle Spiele im ORF live übertragen. „Das ist eine Wertschätzung, die unser Sport verdient hat. Es gibt uns eine Plattform zu zeigen, dass Fußball mit Spielerinnen genau so cool anzuschauen ist“, freut sich die ÖFB-Kickerin. Puntigam hofft, dass viele, die bisher noch keinen Bezug zu ihrem Team hatten, den Fernseher einschalten und dem Ganzen eine Chance geben. „Ich denke, wir können überzeugen und neue Fans gewinnen.“