Skandal in der Türkei: Schiedsrichter-Boss festgenommen
Der türkische Fußball wird von einer neuen Affäre erschüttert. Im Zuge von Ermittlungen wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung und Mobbing wurden sieben Verdächtige festgenommen. Unter ihnen befindet sich auch Ferhat Gündoğdu, der Vorsitzende des zentralen Schiedsrichterkomitees MHK des türkischen Fußballverbandes.
Ermittlungen wegen Urkundenfälschung
Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft Istanbul geführt. Ausgangspunkt waren nach den vorliegenden Angaben Aussagen von Betroffenen und Zeugen. Untersucht werden mögliche Straftaten im Zusammenhang mit Urkundenfälschung sowie Vorwürfe von systematischem Mobbing.
Im Zuge der Untersuchung wurden Zeugenaussagen, Sachverständigengutachten sowie Telefon- und Finanzdaten ausgewertet. Dabei rückten Verantwortliche aus dem türkischen Schiedsrichterwesen ins Visier der Ermittler.
Schwere Vorwürfe rund um Schiedsrichter
Im Zentrum stehen mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei der Einstufung und Einteilung von Schiedsrichtern. Laut Ermittlungen sollen einzelne Unparteiische ohne nachvollziehbare Begründung aus bestimmten Leistungsklassen entfernt, nicht mehr eingesetzt oder systematisch benachteiligt worden sein.
Gleichzeitig gibt es den Verdacht, dass andere Schiedsrichter bevorzugt behandelt worden sein könnten. Auch Eingriffe in Bewertungs- und Ansetzungsprozesse werden untersucht.
Darüber hinaus sollen bei Schiedsrichter- und Beobachterlisten aus den Jahren 2022 und 2024 nachträgliche Änderungen vorgenommen worden sein. Ein weiterer Schwerpunkt betrifft eine Regelprüfung, die 2025 in Riva abgehalten wurde. Dort sollen Prüfungsfragen, Bewertungen und teilweise sogar Ergebnisse einzelner Schiedsrichter verändert worden sein.
Sieben Verdächtige festgenommen
Nach den bisherigen Ermittlungen wurden bei Einsätzen in vier Provinzen insgesamt sieben Personen festgenommen. Neben MHK-Chef Ferhat Gündoğdu sollen sich darunter mehrere aktuelle und ehemalige Funktionäre aus dem türkischen Schiedsrichterwesen befinden.
Durchsucht wurden Wohnungen, Arbeitsplätze und Büros. Auch Räumlichkeiten einer Schiedsrichter- und Beobachtervereinigung in Istanbul waren Teil der Maßnahmen.
Bei allen Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Ob und in welchem Umfang sich die erhobenen Vorwürfe bestätigen, ist Gegenstand des laufenden Verfahrens.
Justizminister kündigt konsequente Aufklärung an
Der türkische Justizminister Akın Gürlek erklärte nach der Operation, dass Vorwürfe, die das Vertrauen in den Fußball beschädigen könnten, umfassend untersucht würden.
Ein fairer Wettbewerb sowie transparente und unparteiische Schiedsrichterprozesse seien eine Grundlage für das Vertrauen in den Sport. Niemand dürfe aufgrund seiner Position oder Funktion bevorzugt behandelt werden.