Das System Foda passt nicht zum Nationalteam

Die peinliche Niederlage in Israel ist nur die Konsequenz einer Entfremdung zwischen Trainer und Mannschaft, einer Entfremdung,  die schon vor der EURO begonnen hat. Besonders innig war das Verhältnis ohnehin zu keinem Zeitpunkt. Und damit sind wir bei einem Grundproblem im österreichischen Fußball. Immer noch werden Trainer nach falschen Gesichtspunkten ausgesucht. Als Foda bestellt wurde, war längst bekannt, dass in den nächsten Jahren der Kern der Mannschaft aus Spielern bestehen wird, die durch die Red Bull-Schule gegangen sind. Diese Schule steht für aggressives Angriffspressing, Balljagen und Aktivität.

Schachbrett-Fußball

Jeder, der die Arbeit von Franco Foda verfolgt hat, weiß, dass der Mainzer genau dafür nicht steht. Seine Mannschaften spielten Jahr für Jahr ein auf Sicherheit ausgerichtetes 4-4-2, in dem jedem Spieler ein bestimmter Aktionsradius zugestanden wurde. Damit war Foda durchaus erfolgreich. Diese Art von Fußball hat sich allerdings überlebt. Das weiß Foda auch. Und man muss ihm zugestehen, dass er in den letzten Jahren daran gearbeitet hat. Vom Schachbrett-System zur Pressingmaschine ist es freilich ein weiter Weg.

Distanz zu den Spielern

Dazu kommt, dass Foda niemals so Teil der Mannschaft geworden ist, wie Marcel Koller. Auch in dieser Hinsicht verkörpert er den alten, überkommenen Trainertypus, der zu seinen Spielern auf Distanz geht. Diese Distanz hat mittlerweile zur Zerrüttung geführt. Die Mannschaft vertraut dem Trainer nicht und hat während der EURO begonnen, sich in dessen Arbeit einzumischen, um ihm ein System aufzuzwingen, ein System, das nicht der DNA Franco Fodas entspricht. Nun hat der künftige ÖFB-Präsident die Chance, die Weichen neu zu stellen. Franco Foda darf in diesen Überlegungen keine Rolle spielen. Wir brauchen einen Teamchef, der das System des Teams versteht.

Autor: Robert Eichenauer, 05.09.2021