FC Barcelona verklagt eigenen Spieler!

Die Versuche des FC Barcelona, aus dem Finanz-Schlamassel zu kommen, treiben immer kuriosere Blüten. Nun hat der Klub sogar einen eigenen Top-Verdiener verklagt. Argument: Der unterzeichnete Vertrag wäre sittenwidrig!
Autor: Philipp Eitzinger, 11.08.2022 um 10:00 Uhr

"Wir sind nicht mehr im Koma, sondern nur noch auf der Intensivstation!" So beschrieb Barcelona-Präsident Joan Laporta die finanzielle Lage des katalanischen Traditionsklubs. Darum holte sich um insgesamt 150 Millionen Euro Bayern-Superstar Robert Lewandowski, Sevilla-Verteidiger Jules Koundé sowie Leeds-Flügelstürmer Raphinha, dazu noch die ablösefreien Franck Kessié (vom AC Milan) und Anders Christensen (von Chelsea).

Das Problem: Mit buchhalterischen Tricks glaubte man, die Transfers finanzieren zu können. Die Regeln des spanischen Verbandes konnte man damit aber nicht umgehen: Man muss anderswo Geld einsparen, um die neue Verträge registrieren zu können. VIEL Geld. Das war auch der Grund, warum man Lionel Messi vor einem Jahr hergeben musste: Selbst, wenn Messi auf 50 Prozent des Gehaltes verzichtet hätte, wäre die Reduktion nicht ausreichend gewesen – und auf mehr als 50 Prozent darf er nach spanischem Recht nicht verzichten.

De Jong soll verscheucht werden

Messis Vertrag ist letztes Jahr ausgelaufen, jener von De Jong (für den Barcelona einst 86 Millionen an Ablöse bezahlt hat) läuft noch vier Jahre, in denen man ihm 29 Millionen pro Jahr überweisen muss. Darum sollte er zu Manchester United abgeschoben werden. Der Holländer verweigert den Transfer aber, weswegen Barcelona nun einen kuriosen Schritt nimmt: Man verklagt De Jong – der Vertrag, den ihm Ex-Präsident Bartomeu vor zwei Jahren angeboten hat, wäre sittenwidrig gewesen und aus formalen Gründen ungültig.

De Jong besteht auf seinen Vertrag, wird daher nun auch von Barcelona-Fans angefeindet. Allerdings sind auch Barca-Urgesteine wie Sergio Busquets und Jordi Alba (die letztes Jahr schon auf Teile ihres Gehalts verzichtet haben) nicht mehr bedingungslos bereit, auf noch mehr Geld zu verzichten.

Zweifelhafte Wette auf künftige Einnahmen

Um die Transfers überhaupt tätigen zu können, ist der Klub ein gefährliches Poker-Spiel eingegangen: Man veräußerte Teile der vermuteten TV-Einnahmen aus den kommenden 25 Jahren (!), um sich einen 33-jährigen Stürmer mit geringem Wiederkaufswert und einen recht guten, aber keineswegs weltbewegenden Flügelspieler zu holen.

Davon abgesehen, dass es diskutabel ist, ob Barcelona dies Spieler überhaupt braucht – man hat eine talentierte, junge Truppe aus dem eigenen Nachwuchs und mit Xavi einen Coach mit Barcelona-Gen und viel Kredit bei Fans und Medien – könnte man sich mit den verwirrenden Finanzkonstrukten ins eigene Bein schießen.

Klub schenkt sich selbst Geld

So wollte man dem Verband und dem Fiskus Geld, das man einem Investor für dessen Dienste überwies – sich also quasi selbst schenkte – als zusätzliche Einnahmen verkaufen. Nicht nur, dass die Behörden dem Klub dafür den Vogel zeigten, nein, für diese Überweisung wird vermutlich sogar Kapitalertragssteuer in zweistelliger Millionenhöhe fällig.

Wie verzeifelt der Verein ist, zeigt nun die Klage gegen Frenkie de Jong – dafür, das er einen Vertrag unterschrieben hat, den ihm der Verein zur Unterschrift vorgelegt hat.