Aus und vorbei: Novak Djokovic wird abgeschoben!

Salvatore Caruso heißt der glückliche Mann, der für Novak Djokovic ins Hauptfeld der Australian Open nachrückt. Der 29-jährige Italiener, Nummer 150 in der Weltrangliste, ist vordergründig der einzige Gewinner einer wochenlangen Posse, die ansonsten eigentlich nur Verlierer hervorgebracht hat.

Bundesgericht hat gesprochen

Das Bundesgericht hat am Sonntag den Einspruch von Djokovic und seinen Anwälten, die gegen den Entzug des Visums geklagt hatten, abgewiesen: Die Sondergenehmigung, dass der corona-ungeimpfte Djokovic von der Einreise-Impfpflicht ausgenommen wäre, wurde endgültig als nicht berechtigt zurückgenommen. Die Ausnahmen gelten nur für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürfen - nicht aber für Menschen, die nie die Absicht hatten, sich jemals impfen zu lassen.

Dass der 20-fache Grand-Slam-Sieger die Prozesskosten nun selbst zu tragen hat, wird er verschmerzen können. Der Image-Verlust und die mögliche dreijährige Einreise-Sperre nach Australien schmerzen ihn aber definitiv. "Ich bin extrem enttäuscht über den Urteilsspruch", äußerte sich Djokovic in einer ersten Reaktion, "und ich werde mir nun Zeit nehmen, um mich vom Geschehenen zu erholen, ehe ich mich weiter zu der Causa äußere. Es ist mir unangenehm, dass der Fokus in den letzten Wochen auf mir lag."

Jeder kennt die Regeln ganz genau. Man muss sie nur befolgen. Das ist überhaupt nicht kompliziert!

Konkurrenz hat Nase voll von Djokovic

Er dankte auch seinen "serbischen Landsleuten, deren Unterstützung eine große Quelle der Stärke" gewesen sei. Eine Vielzahl seiner serbischen Landsleute sind felsenfest davon überzeugt, dass Djokovic nur deshalb ausgewiesen wird, weil er Serbe ist und der Westen einen Champion aus Serbien nicht ertragen könne.

Das ist eine Sichtweise, über die selbst ausgesprochen impfskeptische Konkurrenten wie Stefanos Tsitsipas nur den Kopf schütteln können: "Wir alle haben uns an die Regeln gehalten, um in Australien teilnehmen zu dürfen!" Viele andere Stars denken ähnlich. "Wenn du nicht geimpft bist, dann komm einfach nicht", brummte etwa Pablo Carreno-Busta, der Djokovic bei Olympia im Bronze-Match besiegt hat. "Jeder kennt die Regeln ganz genau. Man muss sie nur befolgen. Das ist überhaupt nicht kompliziert", so Masters-Siegerin Garbine Muguruza.

Und Rafael Nadal bringt es auf den Punkt: "Das Tennis geht weiter und kein einzelner Spieler ist wichtiger als die Australian Open - Djokovic nicht, auch nicht Federer, ich oder ein Björn Borg!"

Auch Australiens Verband im Blicklicht

Die Entscheidung ist auch eine politische: Heuer stehen in Austalien Wahlen an und die öffentliche Meinung ist entschieden gegen Djokovic - 83 Prozent sollen der Einreise des ungeimpften Serben ablehnend gegenüber stehen, über 90 Prozent der Australier sind geimpft. Die selbstherrliche Art und Weise, wie sich Djokovic über Australiens Regelungen hinweg setzen wollte, stieß ihnen sauer auf.

Umso mehr wird in den kommenden Wochen und Monaten auch Turnier-Boss Craig Tiley und der austalische Tennis-Verband im Blicklicht der kritischen Öffentlichkeit stehen. Sie haben Spieler wie Djokovic erst ermutigt, Ausnahmeregelungen in Anspruch zu nehmen - nicht zuletzt aus kommerziellen Gründen: Der neunfache Melbourne-Sieger Djokovic ist ein Quotenbringer.

Die Klappe ist gefallen, Djokovic nimmt nicht an den Australian Open teil. Die Saga selbst wird aber weitergehen - so viel ist sicher.

Autor: Philipp Eitzinger, 16.01.2022