Die „Buhlschaft“ war ihr Kindheitstraum

Frau Altenberger, die Frage aller Fragen zuerst: werden Sie mit kurzen Haaren im „Jedermann“ auftreten?
Verena Altenberger: Oh, das ist die Frage aller Fragen? Ok – um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Wir probieren herum, ohne Perücke, mit Perücke, es gibt noch keine finale Antwort. Vielleicht gibt es sie heute nach der ersten Kostümprobe.

Was ist die Buhlschaft für Sie?
Altenberger: Für mich ist die Buhlschaft eine Allegorie für alles Weibliche. Und alles Weibliche ist alles. Eine Frau kann schwach sein, stark, beides zugleich. Sie kann verführen, sie kann die Verführung verachten. Sie kann eine Geliebte sein und trotzdem nicht vom Mann abhängig sein. Meine Interpretation der Buhlschaft ist: Sie liebt den Jedermann, und er liebt sie. Eine emanzipierte Partnerschaft, auf Augenhöhe.

Und was bedeutet der „Jedermann“ als Theaterstück für Sie?
Altenberger: Es ist ein Naheverhältnis. Ich habe das Stück zwei oder dreimal gesehen und war schon immer fasziniert. Der natürliche Lichtwechsel, wenn die blaue Stunde hereinbricht, der Dom, der Himmel, die Geräusche der Stadt. Und wenn der Tod den „Jedermann“ ruft, ist das Gänsehaut pur. Auch kann ich als Salzburgerin dieses Stück nicht nicht ernst nehmen. Es gehört quasi zu meiner DNA.

Sie stellen hohe Ansprüche an sich. Leiden Sie unter Lampenfieber?
Altenberger: Ja, ich bin vom Typ her eher ein „Schisser“. Deshalb ist auch die gründliche Vorbereitung für mich so wichtig. Nur sie nimmt mir den größten Teil der Angst, sie gibt mir die Freiheit, im Spiel vollends loslassen zu können.

Was fesselt Sie an der Arbeit des Schauspielers an sich?
Altenberger: Ich bin neugierig, habe ein großes Interesse am Leben und an den Menschen. Der Beruf ermöglicht mir, in Welten einzutauchen, in die ich sonst nie Zugang gehabt hätte.

Im Film waren Sie schon Altenpflegerin, Prostituierte, heroinsüchtige Mutter, Sozialarbeiterin, Kriminalbeamtin. Gibt es Rollen, von denen Sie sagen würden, das ist nichts für mich?
Altenberger: Nein, es gibt per se nichts, was mir zu steil wäre. Die Rolle muss für mich passen, ich muss sie emotional nachvollziehen können. Und mit der Gesamtaussage des Films muss ich mich identifizieren können.

Ihre Mutter war Schuldirektorin, der Vater Bankbeamter. Solider geht’s kaum. Wie haben Ihre Eltern auf den Berufswunsch „Schauspielerin“ reagiert?
Altenberger: Wohlwollend, nach dem Motto ‚ja, ja, mach nur‘. Aber sie haben ganz lang nicht verstanden, dass es mir wirklich ernst damit war, dass das nicht nur ein Hobby bleibt.

Mit 18 wollten Sie auf’s Reinhardt Seminar. Bei der gefürchteten Aufnahmeprüfung sind Sie durchgefallen. Wie war das damals für Sie? Altenberger: Naja, es war eine Realitätswatschn. Ich musste mir eingestehen, dass ich überhaupt keine Ahnung hatte, was das ist, Schauspielerei. Ich war kaum im Theater gewesen, ich hatte Bildungslücken, ich war einfach noch nicht so weit.

Sie haben sich aber nicht entmutigen lassen …
Altenberger: Jahre später und nach einem absolvierten Studium, das nichts mit Schauspielerei zu tun hatte, habe ich nochmals eine Aufnahmeprüfung an der Kunst- und Musikuniversität der Stadt Wien gemacht. Ich hatte dort von Anfang ein gutes Gefühl, der Spirit in dieser Institution war gut. Dann hat es geklappt.

Was sagen Sie jungen Leuten, die Schauspieler werden wollen?
Altenberger: Das Glück trifft die Vorbereiteten!

 

 

Verena Altenberger | Credit: Neumar/Probst

Verena Altenberger

... ist 1987 in Schwarzach/Pongau geboren, studierte KoWi und anschließend Schauspiel in Wien. Erste Rollen gab es am Burgtheater und Volkstheater, das Kinodebut gab sie in dem Thriller „Die Hölle“ von Stefan Ruzowitzky. 2017 gelang ihr der Durchbruch in „Die Beste aller Welten“ von Gottfried Goiginger. Einem breiten Publikum wurde sie durch die RTL-Comedy Serie „Magda macht das schon“ bekannt.

Autor: Gert Damberger, 09.07.2021