"Corona? Wurscht! Sauf' ma uns an!"

Eigentlich wäre der Publikumsliebling ja gerne Tierarzt geworden, „aber dann kam das Theater und ich war für immer verloren“. Ein Glück für den österreichischen Kulturbetrieb, der sonst nicht nur um einige legendäre Produktionen ärmer wäre. Aktuell eröffnet der 53-jährige Simpel-Direktor eine Bühne nach der anderen. Jüngster Zuwachs: das Globe Open Air in Wien. Mit weekend hat der Starkaberettist Starkabarettist über den schwierigen Spagat zwischen Spaß und Vorsicht, übereilte Öffnungen und eine neue alte Liebe gesprochen.

weekend: Mit dem Globe Open Air haben Sie kürzlich Ihre zweite Freiluft-Bühne eröffnet. Eine dauerhafte Location?
Michael Niavarani: Wenn es wieder schwierig wird … mal schauen.  Das Virus verschwindet nicht. Mutationen kommen und auch wenn die Durchimpfungsrate steigt, gibt es Leute …  Es ist natürlich nicht vorbei. Wir machen gerade denselben Fehler wie letzten Sommer.

weekend: Gehen Ihnen die Öffnungsschritte gerade zu schnell?
Michael Niavarani: (seufzt) Es sind, ach, zwei Seelen in meiner Brust. Die verantwortungsvolle sagt: „Natürlich müssen wir alles zumachen und aufpassen. Und dann gibt es die zutiefst menschliche, die sagt. „Aber na wuuurscht, es wird schon nix passieren. Sauf‘ ma uns an, gemma fort und wenn i krank bin, bin i halt krank.“ (lacht) Diese zwei Pole muss man ausbalancieren. Nicht, dass ich mich nach einem Lockdown sehne, ich habe wahnsinnigen Spaß am Arbeiten! Ich liebe das Theater. Ich habe mich eigentlich wieder neu verliebt …

 

Corona hat mir die Liebe zu meinem Beruf wiedergeschenkt.

weekend: Wieder?
Michael Niavarani: Vor Corona habe ich oft gesagt: „Ich will aufhören, ich kann nicht mehr.“ Allein schon der Weg ins Theater … Im Lockdown habe ich alles getan, was ich abseits tun wollte. Und danach, beim Regieführen im Simpel, war auf einmal dieses Gefühl da, das ich schon als Kind hatte:: „Ich will zum Theater! Das will ich so gerne machen!“ Und dann denk ich mir: „Du Volltrottel, du bist seit 30 Jahren beim Theater!“ Die Corona-Zeit hat mir die Liebe zu meinem Beruf wiedergeschenkt.

weekend: Ein zweiter Frühling?
Michael Niavarani: Ja, es ist vor allem eine lange Romanze – und eine große Liebesgeschichte.

Im Sommer steht Niavarani der Komödie „Reset – alles auf Anfang" auf der Theater im Park-Bühne. Das Stück hat er in Zusammenarbeit mit Roman Frankl verfasst.

weekend: In welcher Rolle am Theater sind Sie am glücklichsten?
Michael Niavarani: Vor eineinhalb Jahren hätte ich Ihnen noch gesagt: hinter der Bühne. Ich liebe es zu schreiben, Regie zu führen, Projekte und Geschichten zu entwickeln, Pointen zu stehlen (lacht) … Aber ich gehöre auf die Bühne. Das ist mir klar geworden. Das ist mein Zuhause.

weekend: Worauf freuen Sie sich diesen Sommer besonders?
Michael Niavarani: Ich freue mich auf den Herbst, wenn ich nicht mehr so viel Vorstellungen habe.

weekend: Dabei hat die Spielzeit gerade erst wieder begonnen.
Michael Niavarani: Nach dem Lockdown ist es von null auf hundert gegangen. Im Moment hackeln wir wahnsinnig viel und es ist auch schon so unerträglich heiß. Ich habe heute schon drei Herzinfarkte, 27  Nervenzusammenbrüche und 14 Kreislaufkollapse hinter mir. Und das alles in einer Viertelstunde!

weekend: Was wird Ihr privates Sommer-Highlight? Die Hitze wird es wohl eher nicht sein …
Michael Niavarani: Ich werde mir übermorgen die Zehennägel schneiden. (lacht) Es ist schwer mit Highlights. Es gibt keine, vor allem keine geplanten.  „Ein ausgelassenes Fest“ ist für mich eines, wo ich nicht hingehe. Es interessiert mich zum Beispiel auch überhaupt nicht, nach der Vorstellung herumsitzen zu müssen, nur weil Eröffnung oder Premiere ist. Ich sitze dann herum, wenn ich herumsitzen will! Wenn alle anderen sagen: „Was willst a Party, es ist Mittwoch!“ „Na und? Jetzt mach i meine Party!“

„Ein ausgelassenes Fest“ ist für mich eines, wo ich nicht hingehe.

weekend: Sie rufen das dann aus?
Michael Niavarani: Ich rufe das dann für mich aus und die anderen gehen dann und dann trink‘ ich alleine weiter. (lacht)

weekend: Manchmal denkt man auch: „Na, das wird ein mühsamer Abend.“ Und dann wird es unerwartet lustig.
Michael Niavarani: Ja, das sind dann die, wo man früher geht.

weekend: Wenn man früher geht, ist lustiger?
Michael Niavarani: Wenn man früh genug geht.

Danke für das Gespräch.   

Autor: Stefanie Hermann, 19.07.2021