Melissa Naschenweng: "Ich habe Angst im eigenen Land"
- Alpenbarbie: Blondes Dummchen
- Blond, weiblich, erfolgreich
- Naschenweng politisch
- 180 Auftritte und Wendepunkt
- Glaube an das Gute
- Der Preis für den Erfolg
Melissa Naschenweng zeigt sich in einem aktuellen Interview offen wie selten und lässt mit mehreren Aussagen aufhorchen. Im Krone-Podcast „Message, Macht, Medien“ gibt sie sehr persönliche Einblicke.
Alpenbarbie: „Blondes Dummchen aus den Alpen“
Im Podcast „Message, Macht, Medien“ spricht Gerald Fleischmann normalerweise mit Politikern und Entscheidungsträgern über Wirkung, Kommunikation und öffentliche Wahrnehmung.
Vom braven „Bauernmädchen“ zur Alpenbarbie – wie viel Strategie und Fremdbestimmung dahintersteckt, will Fleischmann wissen. Der Beiname „Alpenbarbie“ sei anfangs von Kritikern abwertend verwendet worden. „Das blonde Dummchen aus den Alpen – kurz Alpenbarbie“, so Naschenweng.
Blond, weiblich, erfolgreich
Der Barbie-Film hat ihre Sichtweise und ihren Zugang verändert. Auf einmal wurde die Mattel-Puppe völlig neu dargestellt: „Als selbstbewusste Frau, die alles schaffen kann.“ Als Frau in einer Branche, in der Frauen es nicht leicht haben, habe sie ihr Ding durchgezogen.
„Und was ist denn schlimm dran, wenn eine Frau weiblich ausschaut und sich gerne glitzermäßig auf der Bühne zeigt?“ Spannend findet sie vor allem, was die Leute mit Alpen, Bauernhof und Heimat verbinden: „Nur weil ich vom Bauernhof komme, darf ich mit einer kurzen Lederhose und pink nicht auf der Bühne stehen? Wer sich darüber aufregt, hat sonst keine Probleme.“
Naschenweng politisch: „Ich gendere nie“
Zu Politik will sie sich eigentlich nicht äußern, ihr Job sei zu unterhalten. Aber eine Meinung sollte jeder haben, viele Entwicklungen seien auch beängstigend. „Da muss man sich schon auch fragen, ob man noch Kinder in die Welt setzen will.“
Die Diskussion rund um Andreas Gabalier und die Bundeshymne bewertet sie gelassen. „Ich habe das nie schlimm gefunden. Dann hat er es halt so gesungen, wie er es gelernt hat. Ich fühle mich deswegen nicht diskriminiert als Frau.“
Beim Thema Gendern verzichtet auch Naschenweng bewusst auf entsprechende Formulierungen. „Da werd ich ja sonst nicht mehr fertig.“ Manchmal verhasple sie sich dann auch und weiß gar nicht mehr, „ob das grammatikalisch richtig ist“.
Allein auf die Straße traut sie sich in Städten nicht. „Ich habe Angst und ich finde, dass es schade ist, dass man im eigenen Land Angst haben muss“, sagt die 35-Jährige. „Ich fühle mich als Frau allein nicht sicher.“
180 Auftritte und Wendepunkt im Krankenhaus
Die Sängerin spricht auch über die psychische Belastung hinter dem Ruhm. „Man verzichtet auf so viel“, schildert Naschenweng den Preis für den Erfolg. „Hinter jeder Bühnenfigur versteckt sich ein Mensch mit Ängsten, mit Zweifeln, mit Einsamkeit“, sagt sie.
Auch wenn die Branche eigentlich einen Dauerbetrieb verlangt, müssen Pausen sein. „Man sieht nur das Bühnenlicht und das Glitzer, aber dahinter ist einfach Dauerdruck.“
Bis zu 180 Auftritte im Jahr, wenig Schlaf und schlechte Ernährung hätten ihren Alltag geprägt. „Die sieben Jahre waren teilweise die Hölle“, schildert die Sängerin den schwierigen Weg zum Erfolg. „Wenn ich daran denke, was wir mitgemacht haben, kriege ich heute noch Schweißausbrüche.“
„Die Kunst sei abzuwiegen.“ Disziplin und Verzicht gehören dazu, „aber das Ausquetschenlassen, da wo ich im Krankenhaus munter geworden bin, das gibt es nicht mehr.“
„Glaube an das Gute“
Spontanität bleibt auf der Strecke, auch Vertrauen in Menschen wird schwieriger. Einen Trick, um zu durchschauen, wer es ernst meint, hat sie nicht. „Das Herzerl ist zu groß“, fasst sie zusammen. „Ich glaub halt immer wieder an das Gute im Menschen, das wird mir halt manchmal zum Verhängnis.“
Der Preis für den Erfolg
Aber: Mehrere Tage ohne Auftritte fallen ihr schwer. „Drei Tage daheim und mir fällt die Decke auf den Kopf.“ Dahinter könnte auch klassisches „FOMO“ (Fear of Missing Out, Angst, etwas zu verpassen) stehen: „Vielleicht ist es auch die Angst: Interessiert sich keiner mehr? Braucht mich keiner mehr?“
Was sie antreibt, ist das Gefühl, Menschen zu erreichen und zu berühren: „Ich bin so süchtig danach.“
Für Naschenweng steht eines fest: „Für Geld wäre mir der Preis ehrlich gesagt zu hoch.“