Spielsucht: "Rosenheim-Cop" Thaler spricht über "Doppelleben"
Seit Jahren schlüpft Karin Thaler für die ZDF-Krimiserie "Die Rosenheim-Cops" in die Rolle der Marie Hofer. In ihrem Buch "Stark, weil ich stark sein musste" erzählt sie nun von der dunklen Seite ihres Lebens: der Spielsucht ihrer Mutter – und den dramatischen Folgen.
Schauspielstar spricht über belastende Familiengeschichte
Karin Thaler ist seit Jahrzehnten ein vertrautes Gesicht im deutschen Fernsehen. Die 61-jährige Schauspielerin spielte in Serien wie der "Schwarzwaldklinik", in "Derrick" und im "Bergdoktor". Besonders bekannt ist sie als Marie Hofer bei den "Rosenheim Cops", eine Rolle, die sie seit vielen Jahren verkörpert.
Nun geht Thaler mit einem sehr persönlichen Thema an die Öffentlichkeit. In ihrem Buch "Stark, weil ich stark sein musste" schildert sie schmerzhafte Momente ihres Privatlebens. Im Zentrum steht die Beziehung zu ihrer Mutter – und deren Spielsucht, die über Jahrzehnte das Leben der Familie überschattete, zu hohen Schulden, Unterschlagungen und schließlich zu einer Gefängnisstrafe führte.
Entdeckung der Spielsucht und strafrechtliche Folgen
Der Wendepunkt kam Anfang der 1990er-Jahre. Damals erhielt Karin Thaler einen Brief von einer Arbeitskollegin ihrer Mutter. Darin stand, dass ihre Mutter an ihrem Arbeitsplatz 193.000 D-Mark unterschlagen hatte, um Spielschulden zu begleichen.
Für die Tochter brach in diesem Moment eine Welt zusammen. Sie beschreibt, dass sie den Vorwurf zunächst kaum fassen konnte und das Gefühl hatte, es gehe um eine völlig andere Familie.
Die Unterschlagung blieb nicht der einzige drastische Schritt. Die Mutter erpresste außerdem einen Supermarkt um fünf Millionen D-Mark. Bei der geplanten Übergabe der ersten zwei Millionen D-Mark wurde sie verhaftet und kam später ins Gefängnis.
Co-Abhängigkeit und innerer Druck
Die Folgen der Spielsucht ihrer Mutter musste Karin Thaler über Jahre mittragen. Sie übernahm eine Bürgschaft für ihre Mutter. Als sie die daraus entstehenden Verpflichtungen irgendwann nicht mehr stemmen konnte, sah sich die Mutter ihrerseits in der Pflicht, erneut Geld aufzubringen – der Kreislauf aus Schulden, Druck und Verzweiflung setzte sich fort.
Thaler beschreibt sich selbst als co-abhängig und betont, wie stark sie die Sucht ihrer Mutter und deren Konsequenzen geprägt haben. Über zwei Jahrzehnte führte sie nach eigenen Angaben ein Doppelleben: nach außen die erfolgreiche, lebensfrohe Schauspielerin, innerlich belastet durch die familiäre Situation. Der Spagat zwischen öffentlicher Rolle und privater Realität wurde für sie zum Dauerzustand.
Verarbeitung, Vergebung und Hilfe für Betroffene
Das Buch "Stark, weil ich stark sein musste" ist für Karin Thaler mehr als eine Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte. Ihre Mutter, die 2022 an Krebs starb, hatte selbst begonnen, ihre Biografie aufzuschreiben. Thaler versteht ihr Werk auch als Buch für die Mutter, in dem sie deren und ihre gemeinsame Geschichte festhält.
Der Schreibprozess wurde für sie zu einem wichtigen Schritt in der Verarbeitung. Sie schildert, dass sie sich beim Schreiben wiederholt gefragt hat, warum sie all das mitgemacht und zugelassen hat und dass sich dieser Prozess für sie wie eine Therapie anfühlt. Sie hat ihr Buch mehrfach selbst gelesen und erlebt auch dieses wiederholte Lesen als Teil dieser Auseinandersetzung.
Trotz aller Verletzungen betont Thaler die enge Bindung zu ihrer Mutter. Sie habe die Liebe zu ihr nie verloren und ihr verziehen. Ihre Erzählung macht deutlich, wie eng Liebe, Sucht, Enttäuschung und Vergebung beieinanderliegen können.