Generationenwechsel

Herr Huber, nach 12 Jahren als Geschäftsführer und 25 Jahren bei der Heimat Österreich (HÖ) verabschieden Sie sich in die Pension. Wie hat sich der Betrieb in diesem Vierteljahrhundert entwickelt, worauf sind Sie besonders stolz?

Huber: "Die Heimat Österreich hat sich von einem leicht angestaubten Unternehmen zu einem modernen, leistungsfähigen Dienstleister gewandelt. Bau- und Verwaltungstätigkeit wurden massiv erhöht und Richtung Ost-Österreich expandiert. Die HÖ hat bei zahlreichen Projekten eine Vorreiterrolle eingenommen und es macht mich stolz, dass ich diese Entwicklung in verantwortungsvollen Positionen mitgestalten durfte."

Welchen Tipp geben Sie Ihrem Nachfolger Michael Schober mit auf den Weg und was wünschen Sie der HÖ für die Zukunft?

Huber: "Jeder Geschäftsführer muss seinen eigenen Weg gehen, da braucht es keinen 'Einflüsterer'. Mein Tipp an Michael ist, darauf zu achten, dass alle Mitarbeiter motiviert sind und zusammenhalten, sowie in Aus- und Weiterbildung zu investieren. Der Heimat Österreich wünsche ich, dass Kunden und Partner weiterhin zu ihr stehen und in allen Geschäftsfeldern der bisher so erfolgreiche Weg fortgeführt werden kann."

Herr Schober, wie soll es mit dem Unternehmen weitergehen, was sind Ihre Pläne?

Schober: "Die wichtigste Aufgabe ist nun, das enorme Wissen von Karl auf mehrere Personen ‚aufzuteilen‘ und somit seine Fachkompetenz im Unternehmen zu erhalten. Speziell im letzten Jahrzehnt entwickelte sich die HÖ zu einer Firmengruppe mit erfolgreichen Subunternehmen unter einem Dach. Jetzt gilt es, interne Ressourcen anzugleichen, Leitfäden und Prozesse neu zu definieren sowie an den Markt anzupassen. Und wir möchten weiterhin leistbares Wohnen mit guter Qualität ermöglichen – nicht nur mit Neubau, auch mit Sanierungsprojekten."

Wie hat sich die COVID-19-Krise auf die Heimat Österreich ausgewirkt, welche Maßnahmen wurden gesetzt?

Schober: "Wir haben innerhalb von zwei Tagen 120 Homeoffice-Möglichkeiten geschaffen und Laptops zur Verfügung gestellt. Das war nur möglich, da in der Vergangenheit weitsichtige Entscheidungen getroffen wurden. Wir haben weder Kündigungen noch Kurzarbeit ausgesprochen und den Kundenverkehr zum Schutz der Mitarbeiter auf ein Minimum reduziert. Wir waren durchgehend entscheidungsfähig, mit Zulieferern gab es keine Probleme und die Anfragen nach Wohnungskäufen sind sogar gestiegen."

Huber: "Wohnen und verwalten ist auch in der Krise gefragt. Insofern waren die Nachteile für unsere Branche weniger gravierend als für andere. Auch in der Hausbetreuung gab es keinen Shutdown. Unsere Tochterfirma Heimat Österreich Service war mit zusätzlichen Desinfektions-Maßnahmen geforderter denn je."

Mussten Sie auch Mieten stunden oder herabsetzen?

Schober: "Wir haben einige Anfragen bekommen, vorrangig von Freiberuflern mit Gewerbeflächen, die kein Einkommen hatten. Diese Stundungen haben wir ermöglicht und in gravierenden Fällen Mieten reduziert, zum Beispiel bei Schüler- und Studentenheimen. Wir rechnen mit mehr Stundungsanfragen Ende des Jahres, wenn bei vielen die Reserven ausgehen."

Huber: "Wir beschäftigen seit 15 Jahren eine Sozialarbeiterin, die Kunden bei Förderungsmöglichkeiten, wie der Wohnbeihilfe hilft. Trotzdem wird es zeitversetzt zu erhöhten Mietausfällen kommen, davon bin ich überzeugt."

Welche Bauprojekte stehen für 2020 noch auf dem Plan? Gab es aufgrund der Krise Verzögerungen?

Schober: "Für etwa zwei Wochen gab es einen Baustopp, sonst kam es aufgrund von COVID-19 zu keinen Verzögerungen. Wir übergeben heuer noch Wohnungen in Anthering und der Wallackstraße in Salzburg. In Aigen stocken wir eine Wohnanlage von 75 auf 100 Einheiten auf und in Seekirchen starten wir ein neues Projekt mit 140 Wohneinheiten."

Huber: "Außerdem wird der „Campus Schwarzach“ mit 120 Studentenbetten, 20 Mitarbeiterwohnungen, Rot Kreuz-Stützpunkt und FH-Bereich bis Herbst fertiggestellt."

Herr Huber, eine große Abschiedsfeier wird wohl Corona zum Opfer fallen, oder?

Huber: "Natürlich wäre etwas geplant gewesen, aber auf große Abschiedsfeiern habe ich nie Wert gelegt. Allerdings täte es mir sehr leid, wenn ich mich aufgrund der Restriktionen gar nicht von den HÖ-Mitarbeitern verabschieden könnte."

Schober: "So kleinlaut lassen wir dich sowieso nicht gehen (lacht). 25 Jahre gehören gebührend gefeiert, das holen wir im Herbst oder bei der Weihnachtsfeier nach."

Herr Schober, was wünschen Sie Ihrem Vorgänger für die bevorstehende Pension?

Schober: "Karl hat für das Unternehmen gelebt und HÖDNA in sich. Die Freude an der Arbeit hat man ihm angesehen, diese Freude wünsche ich ihm auch für den neuen Lebensabschnitt, genauso Zeit für die 'wichtigen Dinge' im Leben, Zufriedenheit und das Allerwichtigste – Gesundheit."

Karl Huber

Karl Huber geht nach 25 Jahren bei der HÖ mit 1. Juli 2020 in Pension. Der gebürtige Steirer lebt seit 1983 in Salzburg und leitete vor der HÖ das Rechnungswesen von Palfinger.

Michael Schober

Michael Schober übernahm am 1.1.2020 als HÖ-Geschäftsführer die Bereiche Finanzen, Objektverwaltung und Personal. Vor der HÖ war er in der Finanzkammerdirektion der Erzdiözese Salzburg tätig.

Autor: Ute Daniela Rossbacher , 03.06.2020