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Sänger Cosmó gestikuliert mit seinen Händen beim Interview in der Weekend Wien-Redaktion
Cosmó gibt im Interview seltene Einblicke in sein Privatleben.
Cosmó gibt im Interview seltene Einblicke in sein Privatleben.
Alexander Felten

Cosmó privat wie nie: ESC-Star über Druck, Liebe und Einsamkeit

07.05.2026 um 09:28, Rudolf Grüner
min read
ESC-Star Cosmó spricht im Interview über seinen Song „Tanzschein“, Druck beim Eurovision Song Contest, Hass im Netz und seine große Club-Tour 2026.

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Glitzer, Haltung und ein klarer Blick hinter die Kulissen: Mit "Tanzschein" tritt Cosmó beim Eurovision Song Contest an und bringt nicht nur Beats, sondern auch eine Botschaft auf die Bühne. Danach geht es für den Wiener mit burgenländischen Wurzeln direkt weiter: Im Herbst startet seine Club-Tour durch Deutschland und Österreich, im Sommer steht er bereits als Support für Folkshilfe und Pizzera & Jaus auf der Bühne. Im Interview erzählt er, warum ihm seine Kunstfigur Freiheit gibt, wie er mit Druck umgeht und weshalb er bewusst gegen starre Rollenbilder ansingt.

Wenn deine Persönlichkeit ein Song wäre: Was würde jetzt im Radio laufen?
Cosmó: Moment. Ich muss lauter drehen (grinst): Sicher „Upside Down“ von Diana Ross. Ein toller Partysong, aber mit Tiefe. Ich finde es gut, Dinge auch mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das passt ganz gut zu mir.

Wie wichtig ist dir Musik im Alltag?
Cosmó: Sehr. Musik ist für mich ein Dauerbegleiter. Selbst wenn es still ist, habe ich oft Melodien im Kopf oder denke über neue Ideen nach.

"Mein Herz hängt am Burgenland"

Du bist in Budapest geboren, im Burgenland aufgewachsen, wirst gerade ein waschechter Wiener. Dein Herz hängt …
Cosmó: … auf jeden Fall am Burgenland. Das Aufwachsen am Land mit viel Natur und Freiraum war einfach echt schön. Budapest steht für Familie und dafür, über Grenzen hinauszudenken. Und Wien war dann der Ort, an dem ich mich neu erfunden habe.

Vom schüchternen Studenten zum Glitzer-Star

Apropos: Du glitzerst auf der Bühne, zeigst dich extravagant. Hast du dich von Anfang an so gesehen?
Cosmó: Nein, das war ein Prozess. Schon bei frühen Auftritten habe ich gerne Outfits getragen, die im Alltag eher ungewöhnlich sind. Mit Cosmó ist das aber nochmal stärker geworden. Diese Künstlerfigur hilft mir, mich freier zu fühlen und auszutoben.

Sänger Cosmó und Weekend-Redakteur Rudolf Grüner im Gespräch am Tisch
Wie ist er privat? Wie auf der Bühne? Cosmó, zu Besuch in der Weekend Wien-Redaktion, gab Einblicke.

Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast: Jetzt funktioniert diese Kunstfigur wirklich für mich?
Cosmó: Ja, vor allem auf der Bühne. Da habe ich gespürt, dass ich Dinge zeigen kann, die ich mich privat vielleicht nicht trauen würde. Das war ein wichtiger Schritt.

"Meine Social Battery ist schnell leer"

Wie würdest du dich privat beschreiben? Wie ist Benjamin Gedeon?
Cosmó: Eher schüchtern und introvertiert. Wenn ich mein Bühnen-Ich ablege, spielt der Künstler keine Rolle. In der Vorlesung (Anm. d. Red.: der Sänger studiert Zahnmedizin) sitze ich meistens leise da und höre zu. Wer mich kennt, weiß, meine Social Battery ist manchmal schnell leer.

Wie schaffst du es, diesen Wechsel zwischen Bühne und Alltag zu managen?
Cosmó: Ich brauche bewusst Ruhephasen. Nach Auftritten ziehe ich mich zurück, um wieder Energie zu tanken. Das ist wichtig, damit ich langfristig beides gut unter einen Hut bringe.

Merkst du diese „leere Batterie“ auch im ESC-Trubel besonders stark?
Cosmó: Ja, absolut. Es sind viele Eindrücke und viele Menschen. Ich nehme mir dann bewusst Zeit für mich, auch wenn rundherum viel passiert. Sonst funktioniert das Ganze für mich nicht.

Der blaue Stern: "Kein Masterplan"

Reden wir über dein Markenzeichen: Warum der Eyecatcher? Und warum ist der Stern blau?
Cosmó: Ich habe gedacht, es schaut cool aus (lacht). Dahinter steckt wirklich kein Masterplan. Ich male ihn auch selber auf, übrigens ganz freihändig. Deshalb ist er auch immer ein bisschen anders.

Meine Botschaft: Sei du selbst und höre nicht auf irgendwelche Zwänge oder Beurteilungen.

Cosmó über seinen Song Tanzschein

ESC-Song mit Ansage: Kampf gegen Klischees

Leicht aus der Reihe tanzt auch dein Song: Welche Botschaft willst du beim ESC verbreiten?
Cosmó: Starker Mann, schwache Frau: Wie ich leider feststellen musste, tauchen diese alten Rollenbilder auch noch in der Szene und am Dancefloor auf. Dagegen will ich ansingen. Es geht in meinem Song „Tanzschein“ einfach darum, im Club man selbst sein zu können – frei von Zwängen und Bewertungen. Schön wäre natürlich, wenn das nicht nur dort möglich wäre. Aber ich fang mal auf der Tanzfläche an.

Wie politisch ist dein Song für dich – ist das auch ein bewusstes Statement?
Cosmó: Ich würde sagen: gesellschaftlich, ja. Es geht mir nicht um Parteipolitik, sondern um Haltung. Dass jeder so sein darf, wie er ist. Ohne bewertet zu werden. Wenn der Song das transportiert, bin ich schon sehr happy.

Warum er plötzlich auf Deutsch singt

Du hast für den Song Contest die Sprache gewechselt, singst jetzt auf Deutsch. Warum eigentlich?
Cosmó: Ich wollte es einfach ausprobieren – und es hat sich sofort richtig angefühlt. Für mich war das definitiv kein Schritt zurück, sondern eher einer nach vorne.

War Deutsch für dich auch eine emotionalere Entscheidung?
Cosmó: Ja, total. Ich kann Gefühle in meiner Muttersprache direkter ausdrücken. Das macht den Song für mich persönlicher.

Hass im Netz? "Ich lese nicht alles"

Im Netz gibt es nicht nur, aber auch dafür Gegenwind. Wie gehst du damit um?
Cosmó: Ich lese nicht alles. Ich konzentriere mich auf die Leute, die mich direkt erreichen. Kritik ist okay, Hass aber nicht. Das ist ein Problem, über das wir als Gesellschaft dringend sprechen müssen.

Viele erwarten von Künstlern, dass sie zu allem Stellung beziehen. Wie gehst du damit um?
Cosmó: Ich finde es wichtig, sich zu äußern, aber nicht zu allem und jederzeit. Ich spreche über Dinge, die mich wirklich betreffen und wo ich etwas zu sagen habe. Alles andere wäre nicht authentisch.

ESC-Fieber: "Finale ist mein Heiliger Abend"

Du steckst in den Proben, singst bei ESC-Partys. Schon Lampenfieber?
Cosmó: Ich habe davon eher zu wenig als zu viel. Vor einem Auftritt muss ich mich bewusst hochfahren, damit das Adrenalin rechtzeitig da ist.

Die Wettküche brodelt. Über Sieger und Verlierer wird heftig spekuliert: Lässt dich das auch kalt?
Cosmó: Die Quoten schaue ich mir tatsächlich nicht an. Ich will einfach die bestmögliche Show abliefern. Fertig! Ich genieße die Zeit mit meinen Gesangskollegen. Die Vorfreude ist riesig. Ich stecke gerade in meinem ESC-Advent, der Finaltag wird mein „Heiliger Abend“.

Spürst du trotzdem Erwartungen von außen? Oder schaffst du es, das komplett auszublenden?
Cosmó: Natürlich bekommt man das mit, aber ich versuche, mich davon nicht beeinflussen zu lassen. Am Ende zählt für mich, dass ich auf der Bühne alles gebe – alles andere kann ich ohnehin nicht kontrollieren.

Wir sind wie Casting-Kinder und alle sehr gespannt, was da auf uns zukommt.“

Cosmó über den ESC-Teamspirit
Sänger Cosmó mit verschränkten Armen im weißen Shirt und hellgrauen Zipper-Pullover
Weiß was er will: Nach dem ESC geht Cosmó mit seiner Band auf Tour.

So geht's nach dem ESC weiter

Was wünschst du dir für die Zeit nach dem ESC?
Cosmó: Dass ein paar Fans bleiben und auch die Songs hören wollen, die danach kommen. Ich freue mich sehr: Im Mai erscheint meine EP „Lieber Tanz Ich Weiter“ und im Herbst gehe ich mit meiner Band auf Tour. Das wird der nächste Wahnsinn.

Und privat?
Cosmó: Mein Bruder, mit dem ich zusammenwohne, schupft gerade den Haushalt. Mir geht’s also gut (lacht). Mein Datingleben ist derzeit allerdings auf Pause. Genauso wie mein Studium. Im Moment hat die Musik einfach absolute Priorität.

Cosmó geht auf Club-Tour

Nach dem ESC geht es für Cosmó direkt auf die Bühne: Im Herbst startet seine Club-Tour durch Deutschland und Österreich. Zuvor sammelt er im Sommer Live-Erfahrung als Support-Act für Größen wie Folkshilfe und Pizzera & Jaus. Von Hamburg über Wien bis Innsbruck bringt er seinen Sound in die Clubs – energiegeladen, nahbar und ganz in seinem Stil. Für Fans die perfekte Chance, Cosmó hautnah zu erleben.

Support Shows

  • 14. Juni Graz - Support Folkhilfe
  • 19. Juni Kufstein - Support FoHi + Aut of Orda
  • 11. Juli Waidhofen - Support FoHi
  • 29. August Amstetten, Eishalle -  Opener bei Pizzera & Jaus
  • 5. September Stadion Kitzbühel -  Opener bei Pizzera & Jaus

Club Tour

  • 4.10. Hamburg, Nochtspeicher
  • 5.10. Berlin, Privatclub
  • 6.10. München, Kranhalle
  • 8.10. Wien
  • 9.10. Linz - Support von Aut of Orda
  • 10.10. Graz
  • 14.10. Salzburg
  • 15.10. Innsbruck
  • 16.10. Dornbirn

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