Große Trauer: Kult-Schauspielerin ist tot
Österreich trauert um eine seiner markantesten und unbeugsamsten Künstlerpersönlichkeiten: Die Schauspielerin, Regisseurin und ehemalige Hochschulprofessorin Erni Mangold ist tot. Wie ihr Agent mitteilte, ist die Charakterdarstellerin in der Nacht auf Samstag im Alter von 99 Jahren in einem Wiener Seniorenheim friedlich eingeschlafen. Damit schließt sich der Vorhang für eine außergewöhnliche Karriere, die sich über mehr als sieben Jahrzehnte erstreckte und das Theater sowie den Film im deutschsprachigen Raum nachhaltig prägte.
Friedlicher Abschied einer Theater- und Filmikone
Die 1927 im niederösterreichischen Großweikersdorf als Ernestine Goldmann geborene Künstlerin wuchs in einem kunstsinnigen Elternhaus auf. Bereits während des Zweiten Weltkriegs zog sie nach Wien, um die Schauspielschule Krauss zu besuchen. Trotz der Wirren der Nachkriegszeit etablierte sie sich rasch im Ensemble des Theaters in der Josefstadt. Ihr unnachahmlicher, raubeiniger Charme und ihre kompromisslose Wahrhaftigkeit machten sie schon früh zu einem Publikumsliebling und einer geschätzten Zeitzeugin.
Debüt an der Josefstadt und früher Kampf gegen Sexismus
In ihren Anfängen an der Josefstadt wurde Mangold von Theatermachern häufig in der Rolle der Verführerin besetzt. In ihrer Biografie „Lassen Sie mich in Ruhe“ blickte sie später kritisch auf dieses Image zurück und machte als eine der ersten Schauspielerinnen die sexuelle Belästigung und die Ausbeutung von Frauen in der Theaterwelt öffentlich. Sie verwehrte sich gegen das Stigma und erarbeitete sich mit großer Disziplin die Unabhängigkeit, auf der Bühne wie vor der Kamera komplexe und eigenwillige Charaktere zu verkörpern.
Von Hamburg bis Hollywood: Eine außergewöhnliche Karriere
In den 1950er-Jahren zog es Mangold nach Deutschland, wo sie unter Gustaf Gründgens am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und später am Düsseldorfer Schauspielhaus große Erfolge feierte. Neben ihrer intensiven Theaterarbeit wirkte sie in über 130 Film- und Fernsehproduktionen mit. Von Klassikern wie Der Bockerer oder Kassbach über den internationalen Kultfilm Before Sunrise bis hin zu modernen Formaten wie Tatort, Kommissar Rex oder Vienna Blood stellte sie ihre enorm vielseitige Wandlungsfähigkeit unter Beweis.
Begehrte Lehrmeisterin und später Bühnenabschied mit 90
Neben ihrer eigenen Arbeit prägte Mangold als ordentliche Hochschulprofessorin am Max Reinhardt Seminar in Wien Generationen von Nachwuchsschauspielern. Sie galt als strenge, aber extrem geschätzte Pädagogin. Erst im Jahr 2017 verabschiedete sich der Workaholic mit 90 Jahren von der Theaterbühne – bezeichnenderweise mit dem Stück Harold und Maude an den Kammerspielen der Josefstadt, wo ihre Karriere über 70 Jahre zuvor ihren Anfang genommen hatte.
Unbeugsamer Charakter und ein Leben nach eigenen Regeln
Für ihr künstlerisches Schaffen wurde Erni Mangold mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, der Nestroy-Preis und 2022 die Platin-Romy für ihr Lebenswerk. Bis ins hohe Alter verbrachte die Schauspielerin viel Zeit in ihrem Bauernhaus im Waldviertel, ehe sie ihre letzten Jahre in Wien verlebte. Mit Erni Mangold verliert die Kulturwelt eine unerschrockene Stimme, die sich zeitlebens kein Blatt vor den Mund nahm.