Vor Wien-Demo: Coronademo-Szene zerlegt sich selbst

Nach einem bescheidenen Auftakt in einen „heißen Demo-Herbst“ zerkrachen sich zwei führende Köpfe der Corona-Szene.
Autor: Patrick Deutsch, 30.09.2022 um 11:49 Uhr

In den einschlägigen Telegram-Kanälen herrscht helle Aufregung: Die führenden Demo-Organisatoren Martin Rutter und Hannes Brejcha gehen mit ihren Veranstaltungen getrennte Wege. Während der Kärntner am Sonntag zur „Megademo 2.0“ nach Wien mobilisiert, richtet der „Fairdenken“-Chef am Samstag eine (Gegen-)Veranstaltung in Linz aus. Am 8. Oktober ist die Situation dann genau umgekehrt: Brejcha mobilisiert nach Wien, Rutter zeitgleich nach Linz.

Ärger im Paradies

Als Grund für die Trennung nennt Rutter in seinem Telegram-Kanal „inhaltliche Differenzen“. Ausschlaggebend war anscheinend ein Demo-Aufruf von Brejcha, in dem er den Teilnehmern Freibier versprach. Außerdem wolle dieser die „Great Reset“-Verschwörungstheorie, die Rutter zunehmend in den Mittelpunkt stellen möchte, nicht mittragen. Bei „künftigen Freibier-Standdemos“ wolle sich Rutter nicht mehr beteiligen: „Unser Ziel und unser Stil ist ein anderer“, so Rutter auf Telegram.

 

Coronademo-Organisator Martin Rutter

Labile Lage im Milieu

Wie instabil die Situation im Corona-Milieu aktuell ist, zeigt auch der Rückzzug von MFG-Politiker Gerhard Pöttler. Der Bundesgeschäftsführer, Bundesfinanzreferent und Chef der Landesgruppe in Salzburg, Gerhard Pöttler, hat Freitag früh in einem Schreiben über sein Ausscheiden aus der Partei informiert. Durch das Wegfallen der meisten Corona-Maßnahmen kommen den diversen Gruppen die Themen und die (finanzielle) Unterstützung abhanden. Deshalb wird versucht, neue Gründe für weitere Demonstrationen zu finden. Besonders Rutter, der online um Spenden bittet, hat großes Interesse daran, die Proteststimmung aufrechtzuerhalten.