Keine Windräder in Österreichs Westen

Vor dem Gebirge machte der Ausbau der Windkraft bisher halt. Nicht ein einziges Windrad steht in Tirol, in Vorarlberg und in Salzburg.
Autor: Gert Damberger, 09.05.2022 um 15:48 Uhr

Bis zum Jahr 2030 müssen 20 Prozent der in der EU verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen stammen. Auch die Republik Österreich hat sich verpflichtet, ab 2030 bilanziell 100 Prozent „Grünstrom“ zu produzieren, also Strom, der ausschließlich aus Wasserkraft, Photovoltaik, Windkraft oder Biogas hergestellt wurde. "Bilanziell" heißt, dass die produzierte Strommenge rein rechnerisch ausreicht, um den Strombedarf abzudecken.

Niederösterreich hat 735 Windräder

Unter den „erneuerbaren“ Energien ist die Windenergie im Augenblick die Energieform mit dem höchsten großtechnischen Ausbaupotential, so kann ein modernes Windrad allein den Strombedarf einer 4.000 Haushalte großen Gemeinde decken. Bis 2030 könnten bis zu 26 Prozent des österreichischen Strombedarfs aus Windkraft stammen, sein, sagt der Branchenverband IG Windkraft. Dazu müsste aber wieder Schwung in den Ausbau kommen. Der stockt nämlich seit Jahren – ausgerechnet dort, wo nach Meinung der Branche der Ertrag besonders hoch wäre, nämlich in den windigen Gebirgsregionen.

Windrad in der Steiermark | Credit: Manfred Valentin Ramminger / imageBROKER / picturedesk.com

Keine entsprechenden Flächen gewidmet

In Österreich drehen sich derzeit 1.307 Windkraftanlagen – sie konzentrieren sich vorzugsweise in Niederösterreich (735), im Burgenland (427) und in der Steiermark (104). Oberösterreich hat immerhin auch noch 30 Windräder, Wien neun und Kärnten gerade mal zwei. Rein gar keine Rotoren drehen sich in Salzburg, Tirol und Vorarlberg. „Dass die westlichen Bundesländer noch keine Windräder errichtet haben, liegt erster Line an den Rahmenbedingungen und der nicht vorhandenen politischen Selbstverpflichtung zur Windenergie“, heißt es auf der Homepage der IG Windkraft. Sprich an den in der Flächenwidmung ausgewiesenen Flächen.

„Nicht wirtschaftlich“

Meist scheitern dort die spärlichen Windkraftprojekte an Einsprüchen der Grundbesitzer, der Vogelschützer, am Landschaftsschutz oder an sonstigen Auflagen. Beispielhaft ist auch die Einstellung des Tiroler Energielandesrats LH-Stv. Josef Geisler (ÖVP), der Windkraftanlagen in Tirol strikt ablehnt. Deren Bau käme in höheren Lagen zu teuer und damit würden sie im Betrieb unwirtschaftlich, wie er unlängst im Ö1-Morgenjournal sagte.

Die ersten 25 Anlagen in Salzburg

In Salzburg, wo ebenso wie in Tirol eine Koalition aus ÖVP und Grünen regiert, will man jetzt eine Kehrtwende. 25 Windräder sollen in den kommenden acht Jahren genehmigt und gebaut werden, darüber hat sich die Koalition unlängst geeinigt. Der Grund: Salzburg will energieautark werden und muss die erneuerbare Energiegewinnung weiter ausbauen. Bisher war man gezwungen, bis zu 40 Prozent des Strombedarfs zu importieren, weil die Leistung der Flusskraftwerke während der kalten Jahreszeit stark abfällt. Windkraftanlagen könnten das zum Teil abfangen.