Apocalypse now: Klimabericht mahnt dringendes Handeln

Die Auswirkungen des Klimawandels sind aktuell deutlich spürbar: Wetterextreme und Naturkastrophen wie Hitzewellen, Wirbelstürme und Überschwemmungen machen auch vor Europa nicht Halt. Der Befund des neue Klimareports ist erschütternd. Kurz gefasst: Extreme nehmen nachweisbar zu – und Schuld ist der Mensch. Was bedeutet das künftig für uns? Wo müssen wir ansetzen? Und ist das alles wirklich alles unveränderlich? Wir haben uns den aktuellen Klimareport im Detail angeschaut.

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick:

  • Die globale Temperatur hat bereits 1,1 Grad zugenommen.
  • Schon 2030 wird die Schwelle von 1,5 Grad Erwärmung erreicht.
  • Wetterextreme wie Hitzewellen, Dürre und Wirbelstürme werden weltweit weiter zunehmen.
  • Folgen wie der Anstieg des Meeresspiegels sind jetzt schon unumkehrbar.
  • Der Trend lässt sich nur mit sofortigen Maßnahmen verlangsamen - und auch dann würden es einige Jahrzehnte dauern, bis Auswirkungen spürbar sind.
  • Bis Ende des Jahrhunderts könnte es in Österreich um bis zu 5 Grad wärmer sein.
Greta Thunberg hält ein Mikrofon in der Hand und spricht.

Gebrauchsanweisung für die Politik

Spätestens jetzt zeigt sich, wovor Wissenschaftler*innen und Klimaktivist*innen wie Greta Thunberg seit Jahrzehnten warnen. Der bislang umfassendste Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC unterstreicht die Dringlichkeit jetzt in alarmierndem Ausmaß. . Das Ziel des Reports ist es, der Politik eine Art Gebrauchsanweisung gegen die Klimakrise an die Hand zu geben. Mehr als 700 Forschende aus aller Welt haben sich dafür über Jahre an dem Projekt beteiligt. Bis jetzt ist es das klarste Bild des Klimawandels, das je gezeichnet wurde. Erstmals umfasst der Bericht auch regionale Analysen. Für Österreich wäre eine ungebremste Weiterentwicklung des Trends verheerend. Bis zum Ende des Jahrhunderts würden die Temperaturen hierzulande um 5 Grad steigen. Erstaunlich: Generell sind die Auswirkungen in der nördlichen Hemisphäre deutlicher spürbar als auf der südlichen.

Mögliche Zukunftsszenarien

Dazu sind unterschiedliche Zukunftsszenarien durchgerechnet worden. Denkbar sind je nach weiteren Maßnahmen fünf verschiedene Szenarien. Eines eint alle Varianten: Die Erde wird sich bis mindestens Mitte des Jahrhunderts weiter erwärmen.

  1. Eine globale Erwärmung von 1,5 °C und 2 °C wird im Laufe des 21. Jahrhunderts überschritten werden. Es sei denn, die CO2- und Treibhausgasemissionen werden in den nächsten Jahrzehnten massiv reduziert.
  2. Die Veränderungen im Klimasystem werden durch die Erwärmung größer. Dazu zählen häufigere und heftigere Hitzeextreme, marine Hitzewellen, Starkniederschläge, landwirtschaftliche und ökologische Dürren in einigen Regionen und tropische Wirbelstürme. Zeitgleich gehen das arktische Meereis, Schneebedeckung und Permafrost zurück.
  3. Die zunehmende Erwärmung intensiviert den globalen Wasserkreislauf. Das hat Auswirkungen auf generelle Wetter- und Klimaverhältnisse wie die Heftigkeit von Niederschlags- und Trockenheitsereignissen.
  4. Bei steigenden Emissionen haben Ökosysteme und Stickstoffsenken keine Chance mehr, die Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre zu verlangsamen.
  5. Einige der Veränderungen sind unumkehrbar. Das Schmelzen von Eisschilden und der Anstieg des Meeresspiegels können nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Der Klimawandel hat Auswirkungen auf das Land und umgekehrt.

Was bedeutet das für uns?

  1. Natürliche Veränderungen und Folgen werden den menschengemachten Klimawandel weiter beeinflussen. Auswirkungen werden bereits in naher Zukunft und regional spürbar sein.
  2. Diese Veränderungen wären bei 2 Grad plus bereits deutlich stärker ausgeprägt als bei 3 Grad.
  3. Auswirkungen des Klimawandels, die mit geringerer Wahrscheinlichkeit auftreten (Zusammenbruch von Eisschilden, veränderte Ozeanzirkulation, stärkere Erwärmung als angenommen) können nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Was die Wissenschaft zur Begrenzung sagt

Im Großen und Ganzen läuft der Befund darauf hinaus, dass wir unsere CO2-Emissionen dringend reduzieren müssen. Wenn man diese sofort begrenzen würde, müsste man aber dennoch einige Jahrzehnte abwarten, bis Auswirkungen spürbar werden.

  1. Die Begrenzung der menschgemachten Klimaerwärmung benötigt eine Begrenzung der weltweiten CO2-Emissionen. Eine starke, rasche und anhaltende Verringerung von CH4-Emissionen würde auch den Erwärmungseffekt begren-zen, der sich aus abnehmender Luftverschmutzung durch Aerosole ergibt, und die Luftqualität verbessern.
  2. Schaut man sich die Rechenbeispiele an, ist eines offensichtlich: Szenarien mit niedrigen oder sehr niedrigen Treibhausgasemissionen haben im Vergleich zu Szenarien mit hohen und sehr hohen innerhalb von Jahren erkennbar positive Auswirkungen.
Autor: Stefanie Hermann, 09.08.2021