Elektromobilität: Lithium für Batterien wird knapp

Weltweit zeichnet sich ein Mangel an Lithium ab, dem Hauptbestandteil für Akkus. Die steigende Nachfrage sei kaum noch zu decken, warnen deutsche Experten.
Autor: Gert Damberger, 07.07.2022 um 13:31 Uhr

In Deutschland sollen bis 2030 bis zu 15 Millionen Elektroautos helfen, die „Verkehrswende“ zu schaffen und die Klimaziele einzuhalten. EU-weit steht sogar das endgültige Aus für den Verbrennungsmotor ab 2035 zur Debatte. Auch China will auf Elektromobilität setzen, um die Umweltsituation in den Megacities des Landes zu verbessern. Das alles heizt die Nachfrage nach Lithium an, zusammen mit Graphit wichtigster Rohstoff für die Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus.

Wie's aussieht, reicht es nicht

Eine aktuelle Studie der renommierten Deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) warnt nun laut der deutschen Tageszeitung Handelsblatt vor einem sich abzeichnenden Lithium-Mangel. Die geförderte Menge werde nicht ausreichen, die Nachfrage bis 2030 zu decken. Diese werde in den kommenden Jahren auf mindestens 316.000 und möglicherweise sogar auf 550.000 Tonnen pro Jahr ansteigen. Im Vorjahr wurden laut Studie weltweit 82.000 Tonnen Lithium gefördert, also rund siebenmal weniger als der mögliche Maximalbedarf.

Lithium-Abbau ist eine heikle Angelegenheit

Die Studienautoren der BGR weisen auf die oft komplizierten nationalen Rahmenbedingungen im Minengeschäft hin. Immer wieder komme es zu langwierigen Genehmigungsverfahren, Verzögerungen und Stillständen. In Mexiko sei zum Beispiel gerade der Lithium-Bergbau verstaatlicht worden, in Chile, dem weltweit wichtigsten Abbaugebiet, gebe es ebenfalls derartige Pläne – was natürlich die Investitionslust von privaten Bergbaukonzernen wie etwa der "Sociedad Química y Minera de Chile" (SQM) nicht gerade beflügelt.

Preise steigen rasant an

Weltweit seien neue Abbauprojekte von bis zu 275.560 Tonnen Lithium zwar in Planung, aber es sei wie mit dem Kraftwerksbau. Bis eine neue Mine eine befriedigende Fördermenge abwerfe, könnten schon mal bis zu zehn Jahre vergehen. Der sich abzeichnende Lithium-Mangel verteure auch den Preis des Rohstoffs. Das Handelsblatt hält mit Verweis auf den Branchendienst „Fastmarket“ fest, dass sich der Weltmarktpreis für batteriefähiges Lithiumkarbonat seit Jänner 2021 versiebenfacht (!) hat.