Wachgeküsst! Altes Haus neues Leben

Mit der Revitalisierung eines betagten Hauses können Wohnträume wahr werden. Denn das Ambiente, das alte Gemäuer bieten, ist einmalig. Doch sollte ein solches Unterfangen gut geplant sein - sonst wird aus dem Altbau-Traum ein Albtraum.
Autor: Sarah Estermann, 29.03.2022 um 10:42 Uhr

Es gibt viele Gründe, die für die Revitalisierung von Altbauten sprechen – heute sind es mehr denn je. Nachhaltigkeit ist eines der zentralen Themen unserer Zeit und das Sanieren eines Altbaus ist nun einmal wesentlich nachhaltiger als ein Neubau. Vom Wiener Architekten Georg W. Reinberg stammt die Faustformel, dass allein durch den Bau eines neuen Wohnhauses mehr Energie verbraucht wird, als die Bewohner während seiner gesamten Lebensdauer darin benötigen. Wer also Energie sparen will, baut kein neues Haus, sondern saniert ein altes. In Zeiten von Klimawandel und angesichts immer knapper werdender Ressourcen scheint die Abrissbirne jedenfalls keine besonders gute Lösung. Vor allem als Gegenmaßnahme zur immer weiter voranschreitenden Bodenversiegelung braucht es Sanierung, Revitalisierung und Nachverdichtung. Abgesehen davon wohnt es sich in einem sorgfältig restaurierten Altbau oftmals auch wesentlich angenehmer als in einem lieblos errichteten Neubau. Ein altes Haus hat schon vielen Generationen von Menschen im wahrsten Sinn des Wortes ein Dach über dem Kopf geboten, und das kann sich durchaus positiv auf die Wohnatmosphäre auswirken. Wurde ein Haus nach alter Handwerkskunst mit traditionellen Baustoffen wie Naturstein, Holz, Lehm und Ziegel errichtet, so ist es meistens auch weitgehend frei von Schadstoffen – es sei denn, es wurde nachträglich „verschlimmbessert“. Neben einer ganzen Reihe praktischer Aspekte gibt es auch emotionale Gründe, die für einen Altbau sprechen. Vielleicht hat man ein Haus geerbt und möchte es jetzt, bevor man es selbst bewohnt, erneuern. Oder man hat sich in ein altes Objekt verliebt und möchte es mit frischem Leben erfüllen. Oder man sieht in einer solchen Erneuerung einfach ein spannendes Unterfangen. Doch gerade in diesem Punkt sollte man nicht naiv sein …

Gut Wagram vorher

Filmreif.

Kennen Sie den Film „Hinterholz 8“? Die österreichische Komödie mit Roland Düringer und Nina Proll in den Hauptrollen zeigt so etwas wie das Worst-Case-Szenario einer Altbausanierung. Eine Wiener Familie kauft ein halb verfallenes Bauernhaus mit dem Plan, dieses weitgehend selbst zu sanieren, wobei die eigenen Fähigkeiten hoffnungslos überschätzt werden und das ganze Unterfangen in einer großen Katastrophe endet. Damit die Haussanierung kein Himmelfahrtskommando wird, sollte man tatsächlich echte Profis zurate ziehen. Es gibt nämlich Fälle, in denen Erneuerungsarbeiten sehr aufwendig und schwierig sind, insbesondere dann, wenn die vorhandene Bausubstanz schlecht ist. Schäden im Fundamentbereich, nasse Grundmauern oder morsche Holzbalken können die Sanierungskosten schnell in die Höhe treiben. Bei denkmalgeschützten Häusern ist außerdem unbedingt vorab zu klären, ob die planerischen Absichten auch mit den Zielen einer kulturhistorischen Erhaltung in Einklang gebracht werden können.

Traudlinde Kremsner, Leitung Marketing & Verkauf Compact Immobilien:

Für die Sanierung eines Altbaus sprechen vor allem zwei Aspekte, nämlich der ökologische Nachhaltigkeitsgedanke und der wertschätzende Umgang mit bereits verbauten Ressourcen. Speziell im innerstädtischen Bereich macht dies besonders Sinn, da kein Abbruchmaterial abtransportiert und entsorgt und dementsprechend auch wieder weniger Baumaterial zur Baustelle geliefert werden muss. Aus diesem Grund leben derartige Sanierungsprojekte auf einem vergleichsweise kleineren ökologischen Fußabdruck. Die Erhaltung von alten Fassaden und Bauformen bringt außerdem Diversität in das Stadtbild und ist für das Auge des Betrachters sicher eine wünschenswerte Abwechslung. Damit in Zusammenhang steht die Achtung des alten Handwerks als architektonische Kulturleistung.

Bauernhaus in Urfahr Umgebung

Altbau ist nicht gleich Altbau.

Den Altbau per se gibt es übrigens nicht. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man darunter Immobilien, die älter als 50 Jahre sind. Doch auch jüngere Immobilien können zum Sanierungsfall werden. Denn zum Teil weisen ältere Gebäude eine wesentlich bessere Bauqualität auf als beispielsweise Häuser aus den 1980er Jahren. Im Großen und Ganzen kann man zwischen drei Typen von Altbau unterscheiden: Die jüngsten modernisierungsbedürftigen Altbauten sind also die Häuser aus den 1950er, 1960er und 1970er Jahren. Hier handelt es sich oft um frei stehende Einfamilien- und Reihenhäuser aus der Nachkriegs- bzw. der Wiederaufbauzeit. Die Bausubstanz dieser Häuser ist meist nicht schlecht, allerdings ist die Raumaufteilung häufig nicht zeitgemäß und vor allem Heizungs- und Elektroinstallationen ebenso wie Wärmedämmung müssen auf den neuesten Stand gebracht werden. Ein weiterer Altbautyp ist das mehrgeschoßige städtische Wohnhaus aus der Zeit zwischen 1850 und 1940. Die Qualität der Bausubstanz kann bei diesen Häusern sehr unterschiedlich ausfallen. Jedenfalls entsprechen die Wohnungen in Zuschnitt und Größe häufig nicht den heutigen Bedürfnissen. Oft sind die Räume zu groß oder unpraktisch aufgeteilt. Manche der Wohnungen aus jener Zeit verfügen noch über einen eigenen Dienstbotenbereich, was auch nicht mehr unbedingt zeitgemäß ist. Auch hier ist die Haustechnik meist nicht mehr State of the Art. Meist punkten aber gerade diese Altbauwohnungen mit einem unvergleichlichen Flair, wie man es bei Neubauwohnungen nur selten findet. Der dritte Altbautyp sind historische Gebäude wie alte Bauernhäuser. Hier hat auch in Österreich jede Region ihr eigenes typisches Bauernhaus. Was diese Häuser allerdings meist gemeinsam haben, sind niedrige Räume, kleine Fensteröffnungen und ganze Gebäudeteile – wie die Scheune – aus Holz. Bausubstanz und Haustechnik sind durchwegs einfach. Fast immer fehlt die Zentralheizung und Installationen sind nur in sehr bescheidenem Ausmaß vorhanden. Statt eines Anschlusses an das öffentliche Abwassersystem gibt es eine Senkgrube. Auch im Mauerwerk aufsteigende Feuchtigkeit und von Schädlingen befallene Holzbalken können Probleme machen. Trotzdem bringen gerade diese alten Objekte die Herzen von Haussuchenden oftmals zum Höherschlagen.

Norbert Hartl, Landesinnungsmeister Bau WKOÖ:

Besonders wichtig ist die Sanierung der thermischen Hülle: Das umfasst den Fenstertausch, die Wärmedämmung der Fassade und die Dämmung der letzten Geschoßdecke. Gerade in der heutigen Zeit sind auch die Sanierung des Heizsystems und eine Umstellung auf erneuerbare Energie wichtig. Auch die Sanierung der Sanitärräume ist meist unumgänglich, ebenso wie eine Erneuerung oder Überarbeitung der Fußböden.

Spektakuläre Lounge

Wohnkomfort.

Einerseits gibt es Maßnahmen wie die thermische Sanierung, die nun einmal gemacht werden müssen und um die man nicht herumkommt. Dazu gehört meist auch die Heizungsanlage. Die technischen Fortschritte der vergangenen Jahre im Bereich Heiztechnik machen eine Erneuerung auf jeden Fall lohnend. Viele oberösterreichische Betriebe sind hier gar Innovationsführer, wie beispielsweise Öko- FEN aus Niederkappel, Pionier im Bereich erneuerbare Energien. Dann gibt es andererseits Maßnahmen, die wichtig sind, weil sie das Erscheinungsbild stark beeinflussen. Um den Charme von alten Häusern bewahren zu können, braucht es viel Feingefühl bei der Sanierung und eine grundlegende Entscheidung: Will ich den alten „Look“ erhalten und das Haus nur restaurieren, indem ich den Wohnkomfort an heutige Bedürfnisse anpasse? Oder will ich einen Kontrast schaffen zwischen der alten Substanz und einem neuen, modernen Touch? Bei der Altbausanierung gibt es viele kleine Entscheidungen, die in diesem Zusammenhang getroffen werden müssen, die aber letztendlich großen Einfluss auf das Gesamtbild haben. Und eines darf dabei natürlich nicht aus den Augen gelassen werden: die Kosten!

Küche von Breitschopf

Altes bewahren.

Türen, Fenster, Wandvertäfelungen und Sockelleisten aus Holz waren im ländlichen Raum meist naturbelassen. Die Reinigung erfolgte entweder mit Salmiaklösung oder mit Natronlauge. Wer in seinem neuen alten Haus solche unlackierten Holzelemente antrifft, kann sie gut und gerne so belassen, es sei denn: Man möchte farbliche Akzente setzen. Auch das ist natürlich erlaubt, für die Haltbarkeit des Holzes aber nicht unbedingt notwendig. Die am häufigsten anzutreffende Art historischer Fußböden ist der einfache Dielenboden. Hierbei wurden die Dielenbretter meist direkt auf die Deckenbalken genagelt. Um einen besseren Schallschutz zu erhalten, werden Dielenböden heute auf Lagerhölzern verlegt, die mit einem Dämmmaterial unterlegt sind. Meistens ist ein Überarbeiten oder Auffrischen von alten Holzböden möglich. Einzelne beschädigte Bretter können problemlos ausgetauscht werden. Nur wenn größere Flächen von Fäulnis oder von Schädlingen wie dem Holzwurm befallen sind, muss der Dielenbelag entfernt und erneuert werden. In diesem Fall lohnt es sich, einen Spezialisten für Fußböden aufzusuchen, denn die Auswahl an hochwertigen Holzböden ist heutzutage wirklich enorm. Ein Besuch lohnt sich beispielsweise im Marchtrenker Schauraum von Türen- und Parkett-Spezialist RUDDA: Von Dielen über Tafel- und Sternböden in klassischen Mustern bis zum beliebten Fischgrät,in klassischer Optik oder modern interpretiert, die Böden sind großflächig ausgestellt und sofort lieferbar. Und ein hochwertiger, langlebiger Boden ist wirklich eine lohnende Investition.

Maurice Rudda, Juniorchef RUDDA Parkett & Türen:

Gerade bei der Altbausanierung gilt es, das historische Flair zu wahren: raumlange Dielen in gemischten Breiten oder Böden aus echtem Altholz. In all diesen Belangen ist RUDDA Ihr Spezialist und bietet mit über 350 Varianten einen wahrhaft stilgetreuen Umbau. Handgemachte Oberflächen in unterschiedlichen Texturen sind unsere große Stärke. Im Schauraum Marchtrenk findet man nicht nur Holzböden in allen Varianten, sondern auch die perfekte Beratung.

Dielenboden

Ein heikles Thema sind Fenster. Allein schon zum Zweck des Kälte- und Lärmschutzes wird häufig ein Fenstertausch durchgeführt. Leider werden hier allzu oft wahre Sünden begangen, indem schöne alte Fenster herausgerissen und durch optisch unpassende Kunststofffenster ersetzt werden. Dabei müssen alte Fenster nicht zwingend ausgetauscht werden, vor allem dann nicht, wenn sie für das Erscheinungsbild des Hauses prägend sind. Wichtig ist allerdings, dass sämtliche Fenster, ebenso wie die Außentüren, im geschlossenen Zustand gut abgedichtet werden. Passiert das nicht, kann Zugluft entstehen, was für die Wohnqualität äußerst ungünstig ist. Mittlerweile gibt es neben den klassischen Holzfenstern auch Holz-Alu-Fenster, welche die Natürlichkeit von Holz mit der Witterungsbeständigkeit von Alu kombinieren.

saniertes Bauernhaus

Auch bei Innentüren lohnt es sich, genau hinzusehen, ob die alte Tür überarbeitet und „aufgefrischt“ werden kann. Ist das nicht der Fall, sind auch schlichte Fertigtüren durchaus vertretbar. Dazu Melanie Maierhofer von Schagerl Türendirekt: „Bei der Auswahl des Modells ist alles möglich, von einer schlichten weißen bis zu einer modernen Tür mit Ausfräsung, von widerstandsfähigen CPL-Türen mit einer großen Auswahl an Dekoren bis hin zu eleganten Stiltüren oder einer rustikalen Echtholz- oder Massivholz-Tür.“ Bei der Herstellung von Türöffnungen sollte allerdings auf das Einhalten von Normgrößen geachtet werden. Maßgefertigte Türen sind nämlich um ein Vielfaches teurer als Türen in Standardgrößen.

Melanie Maierhofer von Schagerl Türendirekt:

Bei einer Altbausanierung wird gerne einmal auf die Innentüren vergessen, obwohl diese einen neuen Wohnraum genauso wie ein Möbelstück verschönern können.

Gut geplant.

Auch Küche und Bad gehören zu jenen Elementen in einem alten Haus, die meist erneuert werden müssen. Zu schnell ist eine Technik veraltet oder ein Trend aus der Mode gekommen. Während ein alter Tischherd vielleicht in der Küche noch herzlich willkommen ist, verabschiedet man sich von einem veralteten E-Herd gerne.

Loft Küche von HAKA

Ähnliches gilt für angegraute Badewannen oder in die Jahre gekommene Waschbecken. Sie müssen einem neuen, moderneren Badezimmer weichen. Sowohl beim Bad als auch bei der Küche ist eine gute Planung wichtig, da hier gleich eine ganze Reihe von Gewerken aufeinandertrifft. Gerade bei der Küche hat man dann die Qual der Wahl: Entscheidet man sich für eine Küche im Landhausstil? Oder soll es doch ein trendiges Modell sein? Gerade hier kann der Kontrast zwischen alten Gemäuern und neuem Design – und vor allem moderner Technik – sehr reizvoll sein. Wie man sich auch entscheidet, die Sanierung eines Altbaus kann ein Lebensprojekt sein, das die Besitzer mit großer Freude erfüllt. Es lauern aber auch Gefahren, denen man am besten entgeht, indem man sich von Profis begleiten lässt.

Bangerl Garage

Johann Bangerl, Geschäftsführer Bangerl Fertiggaragen:

Ihre Wunschgarage wird im Werk vorgefertigt und mit einem Spezialtransporter am Grundstück auf die vorab erstellten Streifenfundamente montiert, ohne aufwendige Baustelleneinrichtung.