Unabhängig durch Ausbau
Das neue Jahr steht im Zeichen der Strommarktreform. Sie haben das im Dezember beschlossene Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) begrüßt. Welcher Aspekt ist aus Ihrer Sicht der wichtigste?
Das ist eindeutig die gewonnene Planungssicherheit. Sie ist die Grundvoraussetzung, um massiv in den Ausbau erneuerbarer Energien und die Netzinfrastruktur zu investieren. Deshalb setzt die Energie AG ihren Expansionskurs konsequent fort: Nach einem Rekordwert von 415 Millionen Euro im Vorjahr erhöhen wir unser Investitionsbudget heuer erneut deutlich auf 566 Millionen Euro. Ein zentrales Leuchtturmprojekt ist unser Pumpspeicherkraftwerk in Ebensee. Mit einem Investitionsvolumen von fast einer halben Milliarde Euro ist es die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Energie AG. Ein weiteres wichtiges Vorhaben ist das Wasserkraftwerk Traunfall in Roitham, das ab 2028 rund 125 Gigawattstunden sauberen Strom produzieren wird.
Was bringt das neue Stromgesetz konkret für uns Konsument:innen und die Wirtschaft?
Wichtige Impulse wie den bundesweiten Sozialtarif von 6 Cent pro kWh, der rund 300.000 einkommensschwache Haushalte entlastet. Ebenso entscheidend sind wettbewerbsfähige Energiekosten für die Industrie sowie unseren Standort. Dennoch müssen wir ehrlich sein: Strompreise können nicht dauerhaft gestützt werden, sie müssen reale Marktkosten widerspiegeln.
Ist der österreichische Energiemarkt ausreichend umkämpft?
Mit rund 120 Anbieter:innen herrscht intensiver Wettbewerb und die Energie AG agiert als bundesweiter Player. Wir haben unsere Tarife 2025 gesenkt und mit dem „Feel Good Energie“-Tarif um 10 Cent netto pro kWh seit September im deutschsprachigen Raum ein einzigartiges Angebot speziell für die Gen Z geschaffen. Letztlich geht es darum, das beste Gesamtpaket zu bieten. Unser Ziel ist es, Kund:innen nicht über den Preis, sondern durch Produktqualität und exzellenten Service langfristig zu überzeugen.
Ist der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien das beste Rezept für sinkende Strompreise?
Absolut. Wir sehen bereits, dass die Marktpreise sinken und lösen unser Versprechen ein, diese Entwicklungen direkt an unsere Kund:innen weiterzugeben. Der Ausbau der Erneuerbaren ist für uns mehr als ein Preishebel – er ist unser zentrales Zukunftsprojekt, weil wir damit die Abhängigkeit von Importen beenden. Je schneller wir ausbauen, desto schneller sinken die Preise, da die Gestehungskosten der Erneuerbaren günstiger sind. Während in den USA das Motto „Drill, Baby, drill!“ – also noch mehr Öl und Gas – ausgegeben wird, kann Europas Antwort nur „Build, Baby, build!“ lauten. Bis 2035 investieren wir daher in Summe vier Milliarden Euro in Erneuerbare, Netze und Speicher.
Wie wichtig bleibt die Wasserkraft für unsere Energiezukunft?
Diese ist und bleibt das Rückgrat unserer heimischen Stromerzeugung. Wir müssen jedoch realistisch sein: Neubauprojekte sind in Österreich kaum noch umsetzbar. Unsere Strategie setzt daher auf Optimierung und Innovation – wir forcieren die Modernisierung und Leistungssteigerung bestehender Anlagen und gehen zudem neue Wege. Ein Paradebeispiel ist die Kooperation mit Hochkönig Bergbahnen: Gemeinsam erweitern wir einen Beschneiungsteich zum Pumpspeicherkraftwerk – österreichweit das erste Projekt dieser Art. Es zeigt, dass wir durch „Denken über den Tellerrand“ und smarte Partnerschaften mit branchenfremden Unternehmen enorme Effizienzreserven in der Wasserkraft heben können.
Wie verletzlich ist Europa ohne starke Energienetze?
Europaweit hat sich das Bewusstsein geschärft, dass Energie eines der kritischsten Themen unserer Zeit ist. Die Abhängigkeit von russischem Gas war eine schmerzhafte Lektion – der Netzausbau ist daher das Gebot der Stunde, und Energiepolitik muss Teil der nationalen sowie europäischen Sicherheitspolitik sein. Wir bauen daher aktuell so stark aus wie seit Langem nicht.
Stichwort „Berlin ohne Strom“: Ist ein Blackout bei uns ein Thema?
Wir unternehmen alles, um dieses Risiko zu minimieren. In einer Simulation als „Trockentraining“ für einen fiktiven Ausfall zeigten wir, wie das Netz innerhalb von Stunden wieder komplett hochfahren konnte.