HYPO OOE Chef: „Vertrauen ist die beste Währung“
Stichwort „Schönste Nebensache der Welt“: Warum setzt die HYPO OOE – vom LASK bis zur WM – so stark auf Fußball?
Klaus Kumpfmüller: Es ist ein Mix aus mehreren Faktoren. Ich sehe unsere Aktivitäten beim LASK und bei der SV Ried weniger als klassisches Sponsoring, sondern als strategische Plattform, um unsere Marke zu positionieren. Fußball hat enorme Breitenwirkung in Oberösterreich – nirgendwo sonst erreicht man mit Sport so viele Menschen und schafft eine derart starke regionale Verbundenheit. Natürlich ist das ein signifikantes Investment, aber für uns zählen Werbeleistung und starke Markenpräsenz im Stadion. Eine spezielle Geschichte ist das „HYPO OOE“-Logo am Trikot von Tormann Lukas Jungwirth: Der Keeper steht für Sicherheit und Rückhalt – also ein ideales Bild für eine Bank.
Vom runden Leder auf die Piste: Wie viel persönliche Leidenschaft steckt hinter Ihrem Engagement als Präsident des Landesskiverbands Oberösterreich?
Klaus Kumpfmüller: Dieses Ehrenamt sehe ich losgelöst von der Bank. Dort ist es mein persönliches Anliegen, dem Ski-Nachwuchs professionelle Wege in den Leistungssport zu ebnen. Ich bin überzeugt: Diese Investition in die Jugend stärkt sowohl unser Land als auch den Standort Oberösterreich nachhaltig. In meiner Jugend war ich selbst zwischen den Stangen unterwegs, später arbeitete ich während des Studiums als Skilehrer. Skifahren ist meine große Wintersport-Leidenschaft.
Kommen wir vom Spielfeld zur Finanzwelt: Welche Trends beobachten Sie derzeit im Bereich Private Banking und bei der Veranlagung generell?
Klaus Kumpfmüller: Durch das aktuelle Zinsumfeld sind längerfristige Veranlagungen in Anleihen wieder hochattraktiv geworden. Das spüren wir deutlich im Kund:inneninteresse – besonders bei unseren Wohnbau-Anleihen. Die KESt-Befreiung bis zu einer Verzinsung von vier Prozent trägt zur Attraktivität der Anleihen bei und hat im vergangenen Jahr zu einem sehr hohen Platzierungsvolumen geführt. Darüber hinaus sehen wir eine anhaltend starke Nachfrage im Bereich der Investmentfonds. Ob Aktienfonds oder gemischte Portfolios – die Kund:innen nutzen die gesamte Bandbreite, um ihr Vermögen breit gestreut und zukunftssicher anzulegen.
Die HYPO OOE bietet einen niederschwelligen Einstieg in die Wertpapierveranlagung. Wie wird das angenommen?
Klaus Kumpfmüller: Diese Angebote werden intensiv genutzt. Das reicht von klassischen Fondssparplänen ab 50 oder 70 Euro im Monat bis hin zu deutlich höheren Summen im Private Banking. Ein Trend zeichnet sich dabei ganz klar ab: das Fondssparen für die nächste Generation. Früher war der Bausparvertrag das Standardgeschenk für Kinder oder Enkel. Heute jedoch setzen Eltern und Großeltern verstärkt auf wertpapierbasierte Sparpläne, die sie beim Erreichen der Volljährigkeit übergeben. Das ist ökonomisch extrem sinnvoll, denn beim langfristigen Vermögensaufbau ist der Zinseszinseffekt der entscheidende Hebel. Je früher man beginnt, desto kraftvoller wirkt diese Dynamik über die Jahrzehnte hinweg. So schaffen wir für die junge Generation ein solides finanzielles Fundament, das sie später flexibel weiterführen können.
Der Bausparer gilt fast schon als Teil der österreichischen DNA. Warum ist die emotionale Bindung an dieses Modell trotz oft attraktiverer Anlageformen bis heute so groß?
Klaus Kumpfmüller: Historisch gesehen war der Bausparvertrag untrennbar mit der späteren Wohnbaufinanzierung verknüpft. Das war das eigentliche Kernversprechen: Heute sparen, um sich morgen den günstigen Fixzins für das Eigenheim zu sichern. Auch wenn die reine Sparrendite heute oft hinter anderen Anlageformen zurückbleibt, hält sich die emotionale Bindung an dieses Produkt hartnäckig, weil es viele mit Sicherheit und staatlicher Förderung in Verbindung bringen.
Während KI und Digitalisierung immer stärker in die Bankenwelt einziehen, investiert Ihr Institut massiv in Ihre Standorte – etwa mit der Modernisierung der Filiale am Bindermichl. Wie passt das zusammen?
Klaus Kumpfmüller: Hier müssen wir zwei Entwicklungen klar voneinander trennen: Bei der Digitalisierung und dem Einsatz von KI konzentrieren wir uns primär auf unsere internen Geschäftsprozesse. Es geht um die oft hochkomplexen Abläufe im Hintergrund, von denen Kund:innen direkt gar nichts mitbekommen, die aber nach einem Beratungsgespräch oder Geschäftsabschluss enorme Ressourcen binden. Genau hier liegt unser größtes Hebelpotenzial für Effizienzsteigerungen. Das Thema „Beratung“ hingegen bleibt für uns eine zutiefst menschliche Angelegenheit. Wir sind überzeugt, dass Menschen gerade bei existenziellen Finanzentscheidungen auch künftig das persönliche Gespräch suchen. Deshalb investieren wir konsequent in unsere Standorte, wie etwa in die umfassende Modernisierung unserer Filiale am Bindermichl. Eine zukunftsfitte Infrastruktur und digitale Effizienz schließen einander nicht aus – sie ergänzen sich: Wir digitalisieren die Prozesse im Hintergrund, um im direkten Kundenkontakt mehr Zeit und Raum für die individuelle, qualitätsvolle Betreuung durch unser Team zu schaffen. Der Mensch bleibt also auch in Zukunft das Herzstück unseres Geschäftsmodells.
Auch wenn Sie diese Frage vermutlich schon Hunderte Male beantwortet haben: Ist und bleibt Vertrauen das wichtigste Kapital der Bank?
Klaus Kumpfmüller: Da Geldanlagen und Kontoführung immaterielle Dienstleistungen sind, müssen sich Kund:innen darauf verlassen können, dass ihr Vermögen bei uns absolut sicher verwahrt wird und wir verantwortungsvoll damit umgehen. Für mich stützt sich dieses Vertrauen auf drei wesentliche Säulen: Erstens ist die wirtschaftliche Stabilität entscheidend. Ein exzellentes Rating und eine erstklassige Bonität sind das Fundament, auf das sich unser Gegenüber verlassen kann. Wir müssen als Bank solide aufgestellt sein, um diese Sicherheit glaubhaft zu garantieren. Zweitens spielt unsere regionale Verwurzelung eine zentrale Rolle. Vertrauen entsteht durch Transparenz: Unsere Kund:innen wissen, dass ihre Einlagen nicht in undurchsichtige globale Finanzmärkte fließen, sondern direkt in die Region investiert werden – sei es in die Finanzierung von Wohnraum oder in den Aufbau einer lokalen Arztpraxis. Dieser regionale Kreislauf schafft eine greifbare Sicherheit. Die dritte und wichtigste Säule sind unsere Mitarbeiter:innen. Fachliche Exzellenz ist die Grundvoraussetzung, aber erst Empathie macht eine Bankbeziehung wirklich vertrauensvoll. Wir brauchen Menschen, die zuhören, verstehen und eine ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe pflegen. Nur durch diese persönliche Bindung wird Vertrauen auch über Jahrzehnte hinweg lebendig gehalten.
Abschließend noch ein Blick auf unsere Vorsorge: Risiken wie Altersarmut oder Teilzeitfallen sind längst bekannt – warum landen finanzielle Themen im Alltag vieler Frauen trotzdem noch immer auf der Warteliste?
Klaus Kumpfmüller: Ich glaube, der entscheidende Punkt ist die finanzielle Eigenständigkeit. Auch wenn man eine feste Partnerschaft eingeht, sollten Frauen darauf achten, ihre finanzielle Autonomie zu bewahren. Das beginnt oft schon bei ganz praktischen Entscheidungen: Ich rate eher dazu, ein eigenes Konto beizubehalten, statt alles auf ein gemeinsames Konto zu legen. Es mag verlockend sein, die Verantwortung für die Finanzen dem Partner zu überlassen, wenn man ein gemeinsames Leben plant. Aber mein Appell an junge Frauen ist klar: Behalten Sie die Kontrolle über Ihre eigene Gebarung. Man muss die Mühe auf sich nehmen, sich selbst um das Bankkonto, den Sparplan und die Altersvorsorge zu kümmern. Sich nicht blind auf den Partner zu verlassen, ist vielleicht der wichtigste Moment in der finanziellen Biografie einer Frau. Auch wenn die Beschäftigung mit Bankthemen manchmal als mühsam empfunden wird: Die Selbstständigkeit über die eigenen Finanzen zu behalten, ist die einzige echte Garantie für eine langfristige persönliche Freiheit und Sicherheit!