Hör auf deinen Bauch: Verbindung von Darm und Gehirn

Egal ob übermäßige Freude, Stress oder Trauer – intensive Gefühle spüren wir oft auch in der Magengegend. Das ist keine Einbildung, sondern hat tatsächlich wissenschaftliche Hintergründe. Diese beiden Bereiche sind nämlich stark miteinander vernetzt. „Der Darm hat sein eigenes Nervensystem, das autonom arbeitet, jedoch direkt mit dem zentralen Nervensystem verbunden ist. Dieses ‚zweite Gehirn‘ ist nahezu das Abbild des Kopfhirns, denn Zelltypen, Wirkstoffe und Rezeptoren sind exakt identisch“, erklärt Franz Friess von Elite Health. „Die Kommunikation zwischen Gehirn und Darm erfolgt unter anderem über den Vagusnerv – einen Nervenstrang, der die beiden Organe direkt miteinander verbindet und Informationen übermittelt“, ergänzt er.

Instinktives Verhalten

Erlebt man also Stress oder eine andere Form der psychischen Belastung, wird das auch direkt an den Magen weitergegeben. Und obwohl die Auslöser für Stress heutzutage nicht mehr die gleichen sind wie in der Urzeit, reagiert der Körper nach wie vor gleich: Es wird eine Notsituation signalisiert und alle Energiereserven werden in jene Bereiche gesteckt, die für eine schnelle Flucht oder einen Kampf benötigt werden. Unser Herzschlag beschleunigt sich, Durchblutung und Atmung nehmen zu. Abgezogen werden die Reserven aus dem Magen-Darm-Bereich, wodurch dessen Betrieb auf ein Minimum heruntergefahren wird. Auch ein Verliebtheitsgefühl bedeutet medizinisch betrachtet Stress für den Körper, und so spüren wir die sprichwörtlichen Schmetterlinge in Form von Dopamin und Adrenalin in uns herumflattern.

Darm und Gehirn kommunizieren über Nerven, Hormone und Botenstoffe der Darmbakterien miteinander und beeinflussen sich gegenseitig. Diese enge Verbindung wird als Darm-Hirn-Achse bezeichnet. Unsere Darmflora hat daher großen Einfluss auf unsere Psyche. Forschungsergebnisse zeigen, dass Stress und Konzentrationsstörungen, aber auch psychische Erkrankungen in direktem Zusammenhang mit einer schlecht zusammengesetzten Darmflora stehen.

- Anita Frauwallner, Leiterin des Instituts Allergosan

Wechselwirkung

Steht man dauerhaft unter Stress oder einer anderen Form der psychischen Belastung, kann das die Artenvielfalt an Darmbakterien reduzieren und sich damit langfristig negativ auf die Gesundheit auswirken. „Die Darmbakterien tragen nicht nur zu einem reibungslosen Ablauf der Verdauung bei, sondern spielen auch für das Immunsystem eine entscheidende Rolle. Sie bauen Schadstoffe ab, nehmen Vitamine aus dem Speisebrei, produzieren Vitamin K und versorgen die Darmschleimhaut mit Energie“, sagt der Experte. Gleichermaßen beeinflusst die Darmgesundheit auch die Psyche, da im Darm viele wichtige Hormone und Botenstoffe gebildet werden. Befinden sich die Darmbakterien aufgrund einer Krankheit im Ungleichgewicht, kann beispielsweise die Bildung des Glückshormons Serotonin oder des Schlafhormons Melatonin beeinträchtigt werden, wodurch sich negative Stimmungen verstärken.

Gesund für Körper und Geist

Obwohl jeder Bereich im Körper seine eigene Aufgabe hat, arbeitet keiner vollkommen unabhängig. So ist auch das bakterielle Gleichgewicht im Darm eine Grundvoraussetzung für psychische Gesundheit. Bewusste Ernährung ist dabei ein entscheidender Faktor. Wie einige Studien zeigen, weisen Jugendliche, die oft zu Fastfood und Süßigkeiten greifen, häufiger depressive Stimmungen auf. Nährstoffreiche Mahl­- zeiten, die in Ruhe gegessen werden, dienen den Darmbakterien dagegen als nützliche Energiequellen und können die psychische Gesundheit fördern. Probiotika können ebenfalls dazu beitragen, das Gleichgewicht im Bauch wieder herzustellen. Auch Yoga, Meditationen oder Entspannungstechniken können sich auf die Senkung des Stresslevels und damit wiederum positiv auf die Magen-Darm-Gesundheit aus­wirken.

Autor: Teresa Frank, 14.10.2021