Employer Branding: Gerhard Heidlmair und Edith Wödlinger
Edith Wödlinger – Die Gestalterin
EDITH WÖDLINGER verbindet 15 Jahre Agenturerfahrung mit klarem Blick für Marken und ihre Entwicklung. Als Agenturleiterin bei Heidlmair Kommunikation profitiert sie von Projektmanagement-Erfahrung, der Ausbildung in Tourismus-Marketing und -Management in Kleßheim sowie dem Berufseinstieg bei Reichl und Partner. Markenbildung heißt für sie, Profil zu schaffen: mit klarer Haltung, guter Idee und konsequenter Umsetzung.35 Jahre Agentur-Business: Was sich verändert hat
Gerhard Heidlmair – Der Stratege
GERHARD HEIDLMAIR studierte Visuelle Mediengestaltung an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz. Unmittelbar nach seinem Abschluss gründete er Heidlmair Kommunikation, eine Agentur für gegenwärtige Kommunikation. Mit seinem Team aus 14 Gestalter:innen und Denker:innen entwickelt, konzipiert und inszeniert er Marken, Ideen und Kampagnen. Seine Arbeit folgt dabei stets einer klaren Strategie und einer starken visuellen Stilistik.
- 35 Jahre Agentur-Business: Was sich verändert hat
- Employer Branding: Wie Unternehmen Talente gewinnen
- Was glaubwürdige Arbeitgeber ausmacht
- Wie eine Marke Strahlkraft entwickelt
Herzlichen Glückwunsch zu 35 Jahren Agentur-Business! Und gleich vorweg gefragt: Was läuft heute anders – und was zählt wirklich?
Gerhard Heidlmair: Das Tempo, denn Projektzeiträume, Abläufe und Umsetzung sind mit meinen Anfängen nicht vergleichbar. Was die Markenführung betrifft, kam vor über zehn Jahren die Arbeitgebermarke ins Spiel – bis dahin ein unbearbeitetes Feld neben der vertriebsorientierten Kommunikation. Der Bewerbermarkt zeigt uns heute umso mehr, wie wertvoll der Mensch, Cultural Fit und intrinsische Qualitäten für Firmen sind. Darum müssen wir um gute Mitarbeiter:innen genauso werben wie um Kund:innen. Heute zeigt sich das noch deutlicher, weil KI und Co. zwar unterstützen, Kreativität oder Teamspirit aber niemals ersetzen.
Employer Branding: Wie Unternehmen Talente gewinnen
Wie gewinnt man die Top-Talente für das eigene Unternehmen?
Edith Wödlinger: Mit authentischer, klarer und regelmäßiger Kommunikation – von innen nach außen. Als sich Employer Branding etablierte, orientierten sich viele an Wirkungsweisen der vertriebsorientierten Markenführung. Die Konsequenz? Platte Image-Kampagnen, die viel versprechen, aber wenig mit Unternehmenskultur oder Berufsalltag zu tun haben – und dadurch hohe Fluktuation, weil neue Kolleg:innen enttäuscht abspringen.
Gerhard Heidlmair: Eine weitere Hürde wartet heute auf jene, die Marke als schillernde Fassade verstehen: Die Belegschaft hat die Bemühungen der Unternehmen durchschaut, und schicke Imagebilder blenden niemanden mehr. Sie wollen echte Einblicke, Charakter, gelebte Werte und glaubwürdige Strategien. Authentizität eben.
Was glaubwürdige Arbeitgeber ausmacht
Stichwort „Glaubwürdigkeit“. Was macht Top-Arbeitgeber:innen aus?
Edith Wödlinger: Sie haben Stärken, aber auch Schwächen. Sie müssen aber nicht alles bieten, sondern den Richtigen das Richtige. Dafür braucht es Positionierungsarbeit: Werte und Stärken analysieren, zuspitzen und in Kommunikation übersetzen. Wer passt zu uns – und zu wem passen wir?
Die klassische Strategie mit fixen Sujets für alle Kontaktpunkte ist vorbei. Wir arbeiten mit einem Markenkern, der je nach Anlass passend umgesetzt wird. Dieser Kern ist Charakter: Ethos, Mission, Haltung und Vibe. Glaubwürdig wird ein Arbeitgeber, wenn diese Qualitäten den Arbeitsalltag, Entscheidungen und Prozesse prägen. Wir nennen das Brand Being: Du musst die Marke sein.
Wie eine Marke Strahlkraft entwickelt
Wenn Sie beide es auf wenige Worte bringen: Wie wird aus dem eigenen Business eine Marke mit Strahlkraft?
Gerhard Heidlmair: Eine starke Marke braucht einen Markenkern für die gesamte Organisation – nicht getrennt nach Unternehmens-, Leistungs- oder Arbeitgebermarke. Sie schafft eine Welt mit Haltung, Werten und Identität, die nach innen wie nach außen funktioniert. Menschen entscheiden sich nicht wegen einzelner Benefits für eine Marke, sondern weil sie Teil dieser Welt sein möchten.
Edith Wödlinger: Spätestens seit Social Media haben Unternehmen nicht mehr unter Kontrolle, was über sie gesagt wird. Jedes Posting erzählt ihre Geschichte – und die muss stimmen. Deshalb beginnt Markenführung in der Führungsetage und zeigt sich in sämtlichen Abläufen. Wer Innovation behauptet, muss Experimente und Fehler zulassen. In Zukunft ist die Marke die oberste Chefin jedes Unternehmens.