Die Bilanz der Starastrologin
Seit April 1991, jeden Sonntag um 22 Uhr, erzählen Ihnen Menschen auf Ö3 zwei Stunden lang von Liebeskummer, Job- und Geldsorgen. Sie hören zu, fragen nach und werfen einen Blick in das persönliche Horoskop der Anrufer:innen. Mittlerweile sind Sie Kult – mit Fans weit über Österreich hinaus. Was ist Ihr Geheimnis?
Ich glaube, mein „Geheimnis“ ist ganz einfach: Verlässlichkeit und echtes Zuhören. Ich bin seit all den Jahren da und nehme die Menschen mit ihren Anliegen ernst. Viele rufen an, weil sie in diesem Moment Halt brauchen – einen Satz, der Ordnung hineinbringt, und jemanden, der ihnen Mut zuspricht. Vielleicht wirkt genau diese Mischung: Ernst nehmen, deutlich sein, ohne Drama zu machen.
Wann war Ihnen klar: Das ist mehr als nur eine Radiosendung?
Als ich gemerkt habe, dass die Leute nicht nur wegen „Wann kommt die Liebe?“ anrufen. Da erzählen Menschen plötzlich ihre intimsten Geschichten – live, mit allem, was dazugehört. Da geht’s um echte Sorgen, um Brüche, um Wendepunkte im Leben. In dem Moment wusste ich: Das ist für viele ein Halt.
Wie begegnen Sie Menschen mit fordernden Geschichten?
Ich höre zuerst einmal wirklich zu und frage nach. Oft ist es ja so, dass hinter der einen Frage in Wahrheit ganz etwas anderes steckt. Und dann versuche ich, die Situation ein bisschen zu entspannen. Viele sitzen in ihrem Problem wie in einem Zimmer ohne Ausgang – man sieht nur noch die eigenen vier Wände. Ich versuche, bildlich gesprochen, eine
Tür zu öffnen, damit man wieder weiterdenken kann.
Wo ziehen Sie die Grenzen?
Ich nehme niemandem die Verantwortung ab. Ich kann Impulse geben, – aber ich entscheide nicht für andere. Und ich ziehe ganz klar Grenzen, wenn es in Richtung akute Gefahr geht, psychisch oder körperlich. Dann braucht es keine Sterne, dann braucht es reale Hilfe. Das sage ich auch ganz deutlich: Bitte holen Sie sich Unterstützung – und zwar jetzt.
Was hat sich an den Fragen über die Jahre verändert?
Früher waren die Fragen viel „klassischer“ nach Partner, Job und Familie. Heute spüre ich mehr Unruhe. Mehr Tempo. Mehr Überforderung. Die Menschen sind mit Informationen voll – und fühlen sich gleichzeitig orientierungsloser. Und die Einsamkeit ist stärker geworden, obwohl alle dauernd erreichbar sind.
Welche Themen werden jetzt häufiger an Sie herangetragen?
Sinnfragen. Entscheidungen, die man nicht mehr ewig vertagen kann. Und sehr oft Fragen nach Grenzen: „Wie sage ich Nein?“, „Wie bleibe ich bei mir?“. Das beschäftigt viele – weil wir uns im Alltag so schnell verlieren.
Eine schöne Rückmeldung?
Wenn jemand sagt: „Ich habe wieder erkannt, dass ich Handlungsspielraum habe.“ Oder: „Ich habe jetzt die Richtung – und setze den nächsten Schritt.“ Oft reicht ein Schritt.
Heute gibt es Horoskope auch per KI – verändert das Ihren Beruf?
Es ist mehr Lärm. Aber echte Gespräche werden dadurch umso wertvoller. Ein Algorithmus kann viel – das Zwischenmenschliche ersetzen kann er aber nicht. Am Ende sehnen sich die Menschen doch nach Nähe, nicht nur nach „Information“.
Sie sind längst Teil der Popkultur. Musikalisch verewigt von Wanda und Alle Achtung ...
... ja, das habe ich als Kompliment genommen. Wenn man hier bei uns in einem Song vorkommt, heißt das: Die „Sternstunden“ sind für viele ein Stück weit Lebensgefühl. Mehr braucht’s doch nicht.