Amore! Amore!
Was bedeutet Ihnen der Auftritt bei „Klassik am Dom“?
Dieser besondere Platz mit dem Dom – noch dazu unter freiem Sternenhimmel – ist ein Traum. Open Air hat sowieso immer eine ganz eigene Atmosphäre. Klassik und Oper für viele Menschen zu öffnen und Live-Musik in so einem Rahmen sind auch noch einmal etwas anderes als im Konzertsaal.
Das Programm trägt den Titel „Amore! Amore!“. Warum?
Musik ist klingende, schwingende Liebe – das brauchen wir doch alle. Diese Arien und Duette haben etwas, das Menschen unmittelbar erreicht und sie beglückt nach Hause gehen lässt. Vielleicht mit einem Tränchen, vielleicht mit einem Lächeln. Musik bewegt in uns etwas, wo der Geist gar nicht hinkommt. Musik heilt, gibt Halt, lässt uns loslassen.
Was bedeutet Erfolg für Sie?
Nicht das Äußere. Natürlich freut man sich über Applaus und das Vertrauen, das andere in einen setzen.
Ich hatte nie das Gefühl gehabt, etwas beweisen zu müssen. Mir ging es immer darum, das, was in mir steckt, in die Musik zu legen. Singen zu dürfen ist für mich ein absolutes Privileg!
Gab es Vorbilder?
Die Liebe zur Oper begann bei mir schon früh: mit zwölf, durch Franco Zeffirellis Film „Romeo und Julia“. Da habe ich gespürt: Das ist das Schönste, was Menschen schaffen können.
Was ist für Sie das Wesen des Singens in Ihrem Fach, und was braucht es für diesen Beruf?
Dass alles aus dem eigenen Körper herauskommt. Mit einer Stimme über ein großes Orchester und einen Chor von hundert Stimmen hinwegzutragen – das ist unsere Natur. Jeder Mensch singt und tanzt, wenn er glücklich ist, und niemand soll ihn daran hindern. Wir müssen insgesamt mehr zur Natur zurückfinden! Talent ist die Basis, aber das sind vielleicht zehn Prozent. Dazu kommen ehrliche Arbeit, Leidenschaft und gute Lehrerinnen und Lehrer. Man muss auch empathisch sein, anpassungsfähig, reiselustig und bereit sein, sich immer weiterzuentwickeln. Wer nicht arbeitet, kommt nicht weit!
Sie bewegen sich zwischen Oper, Konzert und Lied – ist diese Vielfalt für Sie wesentlich?
Ja, unbedingt. Auch ein Kirchenkonzert gehört dazu. Liederabende zu gestalten und dort in die Tiefe zu gehen, ist etwas ganz Besonderes. Das Lied ist für mich Oper en miniature, halt nur in zwei Minuten. Ich liebe das gesamte Repertoire – vom Belcanto bis zur romantischen Oper.
Wo steht die Klassik heute?
Alle haben es derzeit schwer – unsere Kinder, unsere Jugend, die ganze Welt. Es findet gerade ein großer Umbruch statt. Das trifft natürlich auch die Klassik. Aber ich bin eine optimistische Realistin: Die Musik und die Oper werden überleben.
Wie gelingt Ihnen die Balance zwischen Beruf und Familie?
Organisation ist alles, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Früher sind wir mit unseren Söhnen, begleitet von einer Nanny, um die Welt gereist, damit mein Mann und ich unsere Konzerte und Engagements wahrnehmen konnten. Mittlerweile ist Zürich unser Lebensmittelpunkt und ich unterrichte dort einzelne ausgewählte Studierende. Ich möchte weitergeben, was ich selbst von guten Lehrerinnen und Lehrern gelernt habe. Und es beglückt mich sehr, bei jungen Menschen Entwicklung zu sehen.
Was möchten Sie jungen Künstler:innen mitgeben?
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Nichts ist in Stein gemeißelt, man kann später noch den Beruf wechseln. Aber wenn jemand spürt: Ich will singen, ich will lernen, das ist mein Weg – dann soll man das ernst nehmen und dafür arbeiten.