In einfachen Schritten zur eigenen Solaranlage

Klimafreundlich, nachhaltig und kostensparend: Warum es sich lohnt, auf eine Solaranlage umzusteigen, welche Investitionen dazu erforderlich sind, und ab wann sie sich rechnet.
Autor: Ute Daniela Rossbacher, 19.05.2022 um 12:58 Uhr

Mit rund 2 Prozent nimmt Solarenergie noch einen kleinen Anteil an der gesamten Stromerzeugung in Österreich ein. Doch die wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen des Klimawandels und Ukraine-Krieges veranlassen immer mehr Menschen, auf alternative Energieformen umzusteigen.

Entscheidend für viele Anhänger erneuerbarer Energien ist der Wunsch, sich durch die Eigenproduktion von fossilen Energiequellen – etwa aus dem Ausland - unabhängig zu machen.

Damit leisten sie gleichzeitig einen bedeutenden Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen, bedenkt man, dass schon durch die derzeitige Nutzung der Solarenergie bis zu 900.000 Tonnen im Jahr eingespart werden können.

Ein mit Solarmodulen eingedecktes Dach | Credit: iStock.com/Ralf Geithe

Vorteile der Solarenergie

Sieht man von dem seltenen Fall ab, dass ein Gebäude ganztägig total verschattet wird, bieten unsere Breiten nicht weniger gute Voraussetzungen für eine Solaranlage als südeuropäische Länder. Das liegt daran, dass Solarstrom auch bei diffusem Sonnenlicht erzeugt wird.

Unter allen Solaranlagen, die es zur Auswahl gibt, zählt die Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) oder Solarstromanlage zu den gängigsten – und das nicht ohne Grund. Die Montage dauert im Schnitt zwei Tage, die Investitionen werden zunehmend leistbarer und rechnen sich nach immer kürzerer Zeit, vor allem bei Steuerung der Anlage via Smart Home-App bzw. der Verwendung eines Solarstromspeichers.

Selbst, wenn man weder Förderungen noch Kredite für die Errichtung einer Solarstromanlage in Anspruch nimmt, kann sie sich – in Abhängigkeit zu Größe und erzeugter Strommenge für den Eigenverbrauch – schon ab zehn Jahren rechnen.

Bei Sonnenaufgang überprüft ein Monteur Solarmodule auf dem Dach eines Hauses | Credit: iStock.com/Felbaba Volodymyr

Fragen und Antworten rund um Solarenergie

Trotz wachsender Popularität der erneuerbaren Energien für private Haushalte gibt es noch immer viele offene Fragen und falsche Mythen rund um Solarenergie und speziell Photovoltaik-Anlagen. Hier die wichtigsten Informationen und Tipps.

Ist eine Solaranlage dasselbe wie eine Photovoltaik-Anlage?

Solaranlage ist der allgemeine Begriff, um jede Form der Stromerzeugung mittels Sonnenergie zu bezeichnen.

Eine Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) oder Solarstromanlage, wie sie auch genannt wird, ist die wohl am weitesten verbreitete Variante der Solarenergie-Erzeugung.

Wie plant man eine Photovoltaik-Anlage?

Im Zuge der Planung einer PV-Anlage sollte man für sich, bevor man Angebote einholt, folgende Fragen beantwortet haben:

  • Wie groß ist die verfügbare Dachfläche?
  • Wie hoch ist der durchschnittliche Stromverbrauch pro Jahr?
  • Wie viel des durchschnittlichen Stromverbrauchs will man künftig durch Solarenergie decken?
  • Will man eine Photovoltaik-Anlage mit einem Solarstromspeicher betreiben oder nicht?

Letztere Frage ist entscheidend, da Stromspeicher für erneuerbare Energien noch immer teuer zu Buche schlagen und die Finanzierung des Umstiegs wesentlich beeinflussen. Entsprechende Förderungen durch Land und Bund zur Refinanzierung zahlen sich vor diesem Hintergrund aus.

Auf der Basis dieser Fragen bekommt man mit Hilfe eines Online-Solar-Rechners eine realistische Einschätzung zu den Investitionskosten bzw. auf Wunsch bereits einen Kostenvoranschlag und Beratungstermin. Mit Rat und Tat steht einem dann der gewünschte Stromnetzbetreiber von der Planung über die Montage bis zur Inbetriebnahme zur Seite.

Dach mit Solarmodulen | Credit: iStock.com/Lichtwolke

Was braucht man für eine Photovoltaik-Anlage?

Zur Umwandlung von Sonnenlicht in Energie braucht es:

  • Photovoltaik-Module
  • Wechselrichter
  • Elektrisches Zubehör (z.B. Kabel)
  • Montage-Gestell
  • Solarstromspeicher (optional)

Wie viel kostet eine Photovoltaik-Anlage?

Je nach Größe bewegen sich die Kosten für eine Photovoltaik-Anlage inklusive Montage und Elektroinstallation um rund 10.000 Euro. Hinzu kommen noch die laufenden Betriebskosten (unter anderem die Miete für den Einspeisezähler), die sich im Schnitt auf bis zu 300 Euro im Jahr belaufen.

Dass man auf Sicht gesehen Kosten spart, liegt auf der Hand:

Für Solarenergie, die man für den Eigenverbrauch produziert, erspart man sich Strom aus dem Netz, wodurch die Stromrechnung billiger wird – vor allem bei smarter Nutzung (Tipps dazu nachfolgend unter "Wie nutzt man eine Photovoltaik-Anlage?").

Für Strom, den man nicht benötigt und ins Stromnetz einspeist, bekommt man überdies eine sogenannte Einspeisevergütung vom jeweiligen Stromanbieter zurück – bei entsprechender Menge auf Sicht gesehen eventuell sogar gewinnbringend.

Die Energiebilanz ist ein weiterer Pluspunkt, der für den Umstieg spricht: Laut dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) erzeugt eine Solaranlage bei durchschnittlich 20-jähriger Laufzeit das Zehnfache der Energie, die ihre Herstellung erfordert hat.

Junge Mitarbeiterin eines Stromnetzanbieters bei der Überprüfung einer Solaranlage | Credit: iStock.com/EllysaHo

Wie lange dauert die Montage einer Photovoltaik-Anlage?

Im Schnitt ist eine Photovoltaik-Anlage nach zweitägiger Montage betriebsbereit.

  • Im ersten Schritt werden die Solarmodule, deren Leistung je nach Größe im Schnitt bei 130 bis 250 Watt liegen, auf dem Dach wetterfest angebracht
  • Geschützt werden sie durch entsprechende Verglasung und Folierung
  • Davon ausgehend werden die Stringleitungen zum Wechselrichter, der in der Regel im Keller aufgestellt wird, verlegt
  • Sobald die Solarmodule angeschlossen worden sind, wird die Anlage über den Wechselrichter mit dem Zählerschrank verbunden und damit an das Stromnetz angeschlossen

Wer überdies in einen Solarstromspeicher investiert, kann nicht benötigte Energie für die Nutzung zu einem späteren Zeitpunkt zurückhalten.

Wie funktioniert eine Photovoltaik-Anlage?

Die Stromerzeugung durch Solarenergie verläuft grundsätzlich geräusch- und geruchlos.

  • Die miteinander vernetzten Zellen auf den Solarmodulen wandeln Sonnenlichtenergie in Strom um
  • Im Schnitt erzeugt eine Zelle dabei circa 5,5 Ampere Strom – je größer die Fläche der Solarmodule, desto höher die Leistung
  • Die Solarmodule werden von einem Generator betrieben, der die Energie über die Stringleitungen an den Wechselrichter weiterleitet
  • Der Wechselrichter wandelt den erzeugten Gleich- in Wechselstrom um, der damit unmittelbar zum Eigenverbrauch zur Verfügung steht
Monteur befestigt Solarmodule auf einem Dach | Credit: iStock.com/shironosov

Wie nutzt man eine Photovoltaik-Anlage?

Der hauseigene Stromverbrauch wird primär durch Solarenergie gespeist. Erst, wenn sie nicht mehr ausreicht, wird auf Strom aus dem öffentlichen Netz zurückgegriffen. Je höher der Anteil der produzierten Solarenergie, desto früher rentiert sich die Photovoltaik-Anlage.

Um so viel Strombedarf als möglich aus Solarenergie zu decken, nutzt man am besten die Mittagszeit, in der aufgrund des Sonnenstandes die größte Menge erzeugt wird, für die größten "Stromfresser" im Haushalt - Waschmaschine, Geschirrspüler, Wäschetrockner, E-Auto oder E-Bike. Wer über ein Smart Home verfügt, hat den Vorteil, auch von unterwegs die Geräte via App einschalten zu können - am besten zeitversetzt im Abstand von zwei Stunden, damit der Ökostrom durch die gleichzeitige Inbetriebnahme nicht im Nu aufgebraucht ist.

Nicht benötigter Strom wird in das Stromnetz eingespeist oder zum späteren Eigenverbrauch in einem Solarstromspeicher gehalten – etwa für die Nacht, in der naturgemäß kein Solarstrom erzeugt wird, oder die sonnenarmen Spätherbst- und Wintermonate, in denen die Sonnenstrahlung im Schnitt nur rund 25 Prozent beträgt; im Vergleich dazu liegt sie im Sommer - selbst bei trüber Wetterlage - immer noch bei bis zu 80 Prozent.

Was beeinträchtigt die Leistung einer Solaranlage?

Die Verschmutzung der Solarmodule bei Flachdächern durch Blätter oder Vogelkot bzw. Dauerschatten durch Satellitenanlagen oder Kamine können die Leistung einer Solaranlage beeinträchtigen. Gegen ersteres hilft eine fachgerechte Reinigung durch den Profi.

Um zweiterem vorzubeugen, sollte die Dachseite, auf der die Solarmodule angebracht sind, möglichst wenig Schatten ausgesetzt sein. Mittels einer Verschattungsanalyse oder einem Sonnenbahnindikator lässt sich ermitteln, wie viel Sonnenlicht einem im Tagesschnitt zur Verfügung steht.

Lassen sich Schattenspender nicht beseitigen oder umgehen, verkleinert man die Fläche für die Solarmodule oder weicht auf sogenannte Dünnschichtmodule aus, die bei entsprechend großer Fläche trotz Schatten Solarstrom erzeugen können.

Sind nur einzelne Solarmodule zwischenzeitlich von Schatten betroffen, können diese auch getrennt von den übrigen geschaltet werden.

Dach mit Solarmodulen | Credit: iStock.com/Pridannikov

Wie optimiert man den Stromertrag einer Solaranlage?

Um den Sonnenstand bestmöglich für die hauseigene Stromerzeugung zu nutzen, sind südseitig gelegene Dächer mit einer Neigung von durchschnittlich 32 bis 37 Grad ideal. Alternativ kann durch entsprechende Gestelle der Neigungswinkel der Solarmodule und damit die Leistung der Anlage erhöht werden.

Wie schon erwähnt, lässt sich durch geschickte Ausnutzung des Sonnenstandes ein Großteil des Eigenverbrauchs durch selbsterzeugten Öko-Strom decken.

Solarstrom – nicht nur für Hausbesitzer

Selbst, wer zur Miete in einer Wohnung lebt oder den Großteil des Jahres im Wohnmobil unterwegs ist, braucht nicht auf die finanziellen und ökologischen Vorteile von Solarenergie zu verzichten. Technisch gesehen gibt es mittlerweile auch für "mobile" Zwecke oder zeitlich befristete Wohnverhältnisse Lösungen, die es leichter machen, Teil der Energiewende zu werden.