Weg mit Öl und Gas: so funktionieren Wärmepumpen

Der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas ist fix.  Zumindest bei der Gebäudeheizung. Die Gnadenfrist der Ölkessel läuft noch bis 2035, dann müssen sie weg. 2040 wird dann auch das letzte Stündlein der Gasheizungen schlagen, wobei der Einbau von Gasthermen in Neubauten schon ab 2025 verboten wird. Häuslbauer, Haus- oder Wohnungsbesitzer, die sich für ein neues Heizsystem entscheiden müssen, haben in Zeiten des Kampfs gegen den Klimawandel nicht mehr besonders viele Alternativen übrig. Entweder sie entscheiden sich für eine klimaneutrale Holzheizung (zum Beispiel mit einem Pellets- oder Stückgut-Kessel oder für eine Wärmepumpe.

Ein satter Boom

Wärmepumpen zu Heizungszwecken werden in ganz Europa immer beliebter. In der Schweiz, Schweden und Finnland werden sie bei neuen Häusern standardmäßig eingebaut und auch in Österreich sind sie immer mehr nachgefragt. Ihre Gesamtzahl dürfte bei rund 350.000 Einheiten liegen und im Schnitt wurden seit 2019 jedes Jahr rund 30.000 neue Geräte installiert. Der Wärmepumpenboom, der durch den seit langem im Raum stehenden Abschied von Öl und Gas ausgelöst wurde, wird jetzt durch die Ukraine-Krise, die auch zur Verteuerung von Holzpellets geführt hat, wohl noch weiter befördert.

Gute Planung tut not

Wärmepumpen arbeiten nach demselben Prinzip wie Kühlschränke, nur andersrum. Ein Kältemittel nimmt Wärme aus der Erde (oder auch aus Wasser und Luft) auf und verdampft. Eine Pumpe verdichtet diesen Dampf, der sich dabei erhitzt. Der heiße Dampf erhitzt wiederum das Heizungswasser, das in dann Radiatoren, Fußbodenheizungen oder Boiler strömt. Wärmepumpen benötigen Strom, um Wärme zu erzeugen. Diesen setzen sie allerdings sehr effizient ein - wenn die Anlage gut geplant und eingestellt ist und kompetent bedient wird. Ziel ist es, mit einer Kilowattstunde Strom drei bis fünf kWh Wärme zu erzeugen. Je besser die Wärmedämmung des Gebäudes, desto niedriger der Strombedarf der Pumpe. Wichtig ist es natürlich auch, die Wohlfühltemperatur nicht zu hoch anzusetzen, denn ein Grad mehr im Raum kann den Stromverbrauch um 50 Prozent erhöhen.

Wenn der Strom vom Dach kommt

Auch die Funktionsweise der Wärmepumpe spielt eine Rolle. Als Faustregel kann gelten, dass Erd- und Grundwasser-Wärmepumpen grundsätzlich weniger Strom verbrauchen als die sogenannten Luftwärmepumpen, weil letztere größere Temperaturschwankungen ausgleichen müssen. Die ideale und effektivste Lösung ist es natürlich, den für die Wärmepumpe benötigten Strom mit einer Photovoltaikanlage selbst zu produzieren. Anstatt den unvermeidlichen überzähligen Strom ins allgemeine Netz einzuspeisen, wird er zum Beispiel verwendet, um das Brauchwasser zu erhitzen. Anstatt den unvermeidlichen überzähligen Strom ins allgemeine Netz einzuspeisen, wird er zum Beispiel verwendet, um das Brauchwasser zu erhitzen.

Photovoltaik am Dach | Credit: iStockphoto/sl-f

Anschaffungskosten und Förderungen

Erdwärmepumpen – die im Betrieb die wohl nachhaltigsten Systeme - sind leider auch die teuersten, da ja Erschließungskosten für die Verlegung der Wärmekollektoren oder der Sonde (Tiefenbohrung) anfallen. Für ein Einfamilienhaus kann die Investition in eine Erdwärmepumpe durchaus 30.000 Euro und mehr betragen. Luftwärmepumpen kosten etwa 15.000 bis 20.000 Euro und Wasserwärmepumpen zwischen 15.000 und 22.000 Euro. Um den Umstieg zu erleichtern, gibt es eine Reihe von Förderungen der Bundesländer und auch der Energieversorger (mit speziellen Wärmepumpen-Stromtarifen). Möglich sind direkte Zuschüsse oder auch indirekte Förderungen im Rahmen von Sanierungen. Einen Überblick findet man unter www.waermepumpe-austria.at/foerderungen

Autor: Gert Damberger, 04.05.2022