Natürlich im Trend – Bauen mit Holz

In der Natur situiert verschmilzt er optisch mit der Landschaft, in der Großstadt platziert hingegen bildet er einen krassen Gegensatz zu den Stahl- und Glasfassaden puristisch-moderner Bauten – die Rede ist vom Holzbau, der überall auf der Welt, vor allem aber in unseren Breiten, auf dem Vormarsch ist. Das bestätigt auch eine Studie der Universität für Bodenkultur Wien: Zwischen 1998 und 2018 ist der Holzbau von 14 auf 24 Prozent gestiegen – rund ein Viertel des aktuellen Bauaufkommens im Hochbau ist demnach aus Holz. 53 Prozent davon entfallen auf den Wohnbau, also Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Zu- und Umbauten, 47 Prozent entfallen auf öffentliche Bauten, Gewerbe-, Industrie- und Landwirtschaftsbauten.

Grenzenloses Design. 

Wenn heute von einem Holzhaus die Rede ist, darf man an alles, nur nicht an althergebrachte Blockhütten mit kleinen Fenstern und schweren Balken, rustikale Wandvertäfelungen samt Schnitzdekor oder dunkles Mobiliar à la massiver Einbauschrank denken. Auch wenn die einen oder anderen Elemente doch auch im modernen Holzbau zu finden sind, sozusagen als stilvolle Akzente zwischen Moderne und Tradition, zeichnet sich das moderne Holzhaus vielmehr durch luftig-große Räume, helles Holz und große Glasflächen aus. Im Inneren harmonieren verschiedene Materialien wie Beton, Stein, Marmor oder Metall sowie Textilien mit ansprechender Haptik wie Leder, Samt oder Leinen wunderbar miteinander.

Ausgezeichnet. 

Dass außergewöhnliches Design und mutige Architektur in Holz auch anerkannt werden, beweisen regelmäßig die verschiedensten Architekturwettbewerbe, die hierzulande vergeben werden, sowie die prämierten Einreichungen heimischer Projekte, die bei Wettbewerben über Österreichs Grenzen hinaus von sich reden machen. Zu den bekanntesten Wettbewerben zählen zum Beispiel der Österreichische Staatspreis Architektur & Nachhaltigkeit, die von nahezu jedem Bundesland ausgelobten Holzbaupreise und Architekturpreise, die länderübergreifenden Constructive Alps Awards oder die ebenfalls in den DACH-Regionen ausgelobte Auszeichnung „Häuser des Jahres“.

Großer Wohlfühleffekt. 

Abseits der schier grenzenlosen Designmöglichkeiten haben Holzhäuser auch in Sachen Wohlfühlwohnen die Nase vorn. Nicht nur, dass Holz über eine hohe natürliche Wärmedämmung verfügt, auch bringt der Wohlfühlbaustoff optimale raumklimatische Bedingungen mit sich: unbehandeltes Holz wirkt klimaregulierend, da es Feuchtigkeit aufnimmt, antibakteriell und antistatisch. Laut norwegischen, japanischen, kanadischen und österreichischen Studien hat ein Holzhaus auch auf die Stimmung des Menschen positiven Einfluss: Eine Raumausstattung aus Holz senkt Blutdruck und Puls und hat so eine beruhigende Wirkung, die Stress vermindert – ähnlich wie ein Spaziergang in der freien Natur. Nicht zuletzt muss auch mit einem althergebrachten Vorurteil aufgeräumt werden: Holzhäuser sind nicht so leicht brennbar wie der Volksmund uns glauben macht. Ein chemischer Prozess nämlich bewirkt, dass sich das Holz selbst schützt: Die äußere Schicht verkohlt und bewahrt dadurch den inneren, tragenden Kern.

Hoch hinaus. 

In Anbetracht all dieser Vorzüge ist der Vormarsch von Holz für Einfamilienhäuser keine Überraschung. Doch woran liegt es, dass sich Architekten, Statiker und Bauherren erst seit gut zehn Jahren an mehrgeschossige Hochhäuser aus Holz wagen? Schlüssel waren unter anderem entsprechende Feuerschutzlösungen sowie die Holz-Beton-Verbundrippendecke, die es erlaubt, mit Holz in die Höhe zu bauen. Das erste Holzgebäude in Österreich, das mit acht Geschossen und 27 Metern Höhe die Hochhausgrenze von 22 Metern geknackt hat, ist der 2012 fertiggestellte Life-Cycle-Tower in Dornbirn, geplant vom Architekturbüro Hermann Kaufmann ZT GmbH. Noch höher hinaus ging das Architekten-Büro Rüdiger Lainer + Partner mit dem „HoHo Wien“ in der Seestadt Aspern. Das 24-geschossige Gebäude, das 2019 eröffnet wurde, ist 84 Meter hoch und um einen Betonkern zu 75 Prozent aus Holz errichtet. Noch höher ist derzeit nur das Holzhaus „Mjøstårnet“ im norwegischen Brumunddal, das es auf 85,4 Meter Höhe bringt und das ebenfalls 2019 eröffnet wurde. Übrigens: 2013 wurde in Keutschach am See in Kärnten der Pyramidenkogel eröffnet. Mit seinen 100 Metern Höhe ist er nach wie vor der höchste Aussichtsturm der Welt aus Holz.

Weekend

In Planung, oder so. 

Mit Stand Mitte 2020 waren weltweit rund 50 Hochhausprojekte in Holz geplant bzw. gerade in Bau. Dazu zählt zum Beispiel auch „Roots“, das derzeit in der Hamburger HafenCity entsteht und mit 65 Metern Höhe und 18 Stockwerken das höchste Holzhaus Deutschlands werden wird. Fertigstellung des vom Hamburger Architekturbüro Störmer Murphy und Partners entworfenen Komplexes ist für 2023 geplant. Ganze 300 Meter hoch werden soll hingegen der im Jahr 2016 vom Architekturbüro PLP vorgestellt Barbican Oakwood Tower in London. Seit der Präsentation des 80-stöckigen Wohnturmes vor nunmehr fünf Jahren hört man aber nichts mehr von diesem Projekt – außer, dass es derzeit den Status eines „Forschungvorschlages“ inne hat. Immerhin mit einem konkreten Jahr der Fertigstellung, wenn auch mit 2041 noch in weiter Ferne, wird schließlich das weltweit ambitionierteste Holzhochhaus-Projekt anvisiert, der Plyscraper W350 in Tokio mit sage und schreibe 350 Metern Höhe. Damit möchte sich der japanische Holzbaustoffgigant Sumitomo Forestry zu seinem 350-jährigen Firmenjubiläum ein nachhaltiges Denkmal setzen. Gerüchten zufolge setzte sich das beauftragte Architekturbüro Nikken Sekkei bereits mit Handwerkern und Zimmermännern zusammen – theoretisch könnte also laut Architekten der Baustart jederzeit erfolgen.

Autor: Manuela Fritz, 22.03.2021