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Frau mit krausen Haaren und blauem Outfit sitzt auf einer Schauckelbank aus Holz
Mehr als ein Sitzmöbel: Die neue Kollektion kommt auch schwungvoll daher.
Mehr als ein Sitzmöbel: Die neue Kollektion kommt auch schwungvoll daher.
Inter IKEA Systems Rights B.V.2026

Neues aus Schweden: Wohn-Design mit Spielfaktor

18.06.2026 um 13:04, Rudolf Grüner
min read
Mit der Ikea PS Kollektion 2026 zeigen Designer, dass Möbel mehr können als nur funktionieren: Sie überraschen, laden zum Entdecken ein und wecken Emotionen.

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In einer Zeit, in der Wohntrends immer schneller wechseln, setzt der blau-gelbe Riese auf eine fast provokante Idee: weniger Lärm, mehr Wirkung. Die neue Ikea PS Kollektion 2026 will Design nicht nur schöner, sondern auch erlebbarer machen. Möbel sollen nicht bloß im Raum stehen. Sie sollen vor allem auch neugierig machen.

Zum zehnten Mal wird die PS-Reihe zum Experimentierfeld des schwedischen Möbelhauses. "PS“ steht für "Post Scriptum", also für den Nachsatz zum regulären Sortiment: mutiger, freier, designorientierter. Im Gespräch mit weekend MEDIAHOUSE erklären Creative Leaderin Maria O’Brian sowie die Designer Lex Pott und Marta Krupińska, warum ausgerechnet Einfachheit heute wieder ziemlich radikal wirken kann.

Spielerisch durchdacht

Die neue PS-Reihe steht unter dem Leitmotiv "Playful Functionality". Gemeint ist ein neuer, verspielter Blick: Etwa auf ein Licht, das sich durch Bewegung verändert. Eine Bank, die nicht nur Sitzplatz, sondern Erlebnis ist. Formen, die reduziert wirken und im Alltag trotzdem überraschen.

Damit knüpft Ikea an die Grundidee der PS-Kollektionen an, nämlich gutes Design für viele zugänglich zu machen und dabei experimenteller zu denken als im regulären Sortiment.

Weniger mit mehr Wirkung

Für Creative Leaderin Maria O’Brian beginnt alles mit einer Frage: Was bedeutet skandinavisches Design heute? Und was soll es morgen leisten? 

Frau mit dunkler Brille und kurzen schwarzen Haaren lächelt in die Kamera
Creative Leaderin Maria O'Brian

Ihre Antwort führt zurück zu den Wurzeln der PS-Reihe. Bereits 1995 ging es darum, hochwertiges Design für viele Menschen zugänglich zu machen. Dieser Gedanke bleibt, wird aber neu interpretiert. "Reduzierter, dafür ausdrucksstärker. Einfach, aber nicht langweilig", beschreibt O’Brian die Philosophie hinter der Kollektion.

Einfachheit ist für sie dabei ein Filter. Möbel werden nicht reduziert, um zu verschwinden, sondern um klarer zu wirken. Was bleibt, soll für sich sprechen. Auch der Entwicklungsprozess spiegelt diese Haltung wider. Statt einer klar dominierenden Handschrift setzt Ikea diesmal auf zwölf Designerinnen und Designer. Herausgekommen ist kein einheitlicher Stil, sondern ein Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven. Oder, wie O’Brian es formuliert: "Ein Chor statt einer Einzelstimme."

Mut zur Zurückhaltung

Auffällig ist, wie konsequent sich die Kollektion aktuellen Designströmungen entzieht. Während vielerorts auf schnelle Reize, auffällige Farbwelten und ständig neue Wohnversprechen gesetzt wird, geht Ikea einen ruhigeren Weg. "Wir wollten bewusst keine Trends verfolgen", sagt O’Brian.

Das mache die Kollektion nicht weltfremd. Im Gegenteil: Sie greife auf, was viele Menschen im Alltag spürten: Unsicherheit, Komplexität und Reizüberflutung. Die Antwort darauf sei jedoch nicht noch mehr Lautstärke, sagt die Expertin. „Stattdessen mehr Leichtigkeit, mehr Interaktion, mehr Freude am Ausprobieren. Design soll nicht nur konsumiert werden. Es soll wiederentdeckt werden.“

Design zum Entdecken

Genau hier kommt auch Lex Pott ins Spiel. Der niederländische Designer denkt Funktion nicht im Sinn einer Checkliste, sondern als stimulierende, spielerische Erfahrung. Und: "Ich spreche lieber von Harmonie als von Balance", erzählt er.

Mann mit gewellten Haaren, leichten Bart und heller Jacke
Designer Lex Pott

Besonders deutlich wird das bei seiner Leuchte. Das geometrisch reduzierte Objekt verändert seine Wirkung je nachdem, wie es positioniert wird. Ein anderes Lichtbild entsteht. Und damit auch eine andere Funktion.

Der Clou daran: "Dieses Design muss nicht erklärt werden", sagt Pott.

Viele Stücke der Ikea PS Kollektion 2026 folgen diesem Prinzip. Sie reagieren, drehen, kippen, bewegen sich oder eröffnen erst bei näherem Hinsehen neue Möglichkeiten. Statt statischer Möbel entstehen Produkte, die Menschen aktiv einbeziehen. Der Aha-Moment entsteht dabei im Alltag.

Spielerisch mit Sinn

Während Pott über Harmonie spricht, rückt Marta Krupińska die Lust am Ausprobieren ins Zentrum. "Ich habe ein starkes inneres Kind", sagt sie. Ihre schaukelnde Holzbank ist dafür fast das perfekte Bild. Sie ist Sitzmöbel, Bewegung und kleines Wohnabenteuer zugleich. Ein Möbelstück, das nicht nur genutzt, sondern erlebt werden soll.

Was leicht aussieht, war in der Entwicklung allerdings alles andere als simpel. Materialfragen, Stabilität, technische Rückschläge: Erst eine spezielle Holztechnik machte die Konstruktion möglich. Genau darin liegt der Reiz. Das Spielerische funktioniert nur, weil es handwerklich ernst genommen wird.

Für Krupińska wird Design dann relevant, wenn Menschen eine Beziehung zu einem Objekt aufbauen. Gutes Design entsteht genau dann, „wenn aus Nutzung Erinnerung wird. Wenn ein Möbelstück nicht bloß praktisch ist, sondern im eigenen Zuhause eine Rolle spielt“.

Frau mir kurzen schwarzen Haaren und schwarzem Hoodie
Designerin Marta Krupińska

Zwischen Nutzen und Emotion

Was die unterschiedlichen Entwürfe verbindet, ist ein erweitertes Verständnis von Funktion. Sie bedeutet hier nicht nur Nutzbarkeit, sondern auch Erfahrung und Emotion. Maria O’Brian übersetzt skandinavische Einfachheit in die Gegenwart. Lex Pott macht Funktion zur Entdeckung. Marta Krupińska zeigt, dass Verspieltheit nichts Infantiles haben muss, sondern Nähe schaffen kann.

Am Ende will die Ikea PS Kollektion 2026 mehr sein als eine Reihe schöner Stücke. Sie ist der Versuch, dem Alltag kleine Reibungsmomente zu geben: drehen, schaukeln, probieren, neu sehen. Nicht laut, nicht überinszeniert, sondern mit einem leichten Augenzwinkern.

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