Fertighaus-Design: Fertig, aber nach Maß

Das "Haus von der Stange", sagte man in den 50er-Jahren. Und es war gar nicht mal abwertend gemeint. Praktisch, verfügbar und vor allem erschwinglich mussten die Eigenheime sein - in den Jahren des Wirtschaftswunders der Nachkriegszeit. Die Fertighaushersteller (meist waren es kleine Zimmereibetriebe) reagierten mit standardisierten Entwürfen und befriedigten unzählige Bausparer-Träume.

Architektenplanung

Heute sehen diese Träume anders aus. Die Kundschaft will nicht einfach nur Häuser, sondern sie will Stadthäuser, Landhäuser, Landhäuser, Villen oder Bungalows mit individuellen Grundrissen und Kubaturen. Sie will Holz-, Glas- oder Putzfassaden, sie will Flach-, Sattel- oder Zeltdächer, sie will Grundrissgrößen für Paare oder ein Mehrgenerationenhaus mit 400 Quadratmetern. Und das bekommt sie mittlerweile auch. "Die individuelle Planung ist enorm wichtig geworden", sagt Christian Murhammer, Geschäftsführer des österreichischen Fertighausverbands. "Der überwiegende Teil der Fertighäuser wird heutzutage sehr individuell auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten." Zwecks Planungsqualität beschäftigen sich die Hausanbieter meistens Architekten - sie tüfteln den Basisentwurf aus und begleiten die Modifikationen. Außerdem ist es möglich, den Architekten der Wahl zu engagieren und ihm die Bauüberwachung zu übertragen.

Flaggschiff-Häuser

Das Naserümpfen der Architekturszene über die Vorfertigung oder die "Spießigkeit der Reihenhausarchitektur" habe sich komplett aufgehört, berichtet der Verbandschef. Längst liefern auch Stararchitekten und -designer Entwürfe für Fertighausfirmen. Österreichs Architektur-Doyen Gustav Peichl entwarf für Hanlo ein Einfamilienhaus mit Tonnendach - und die italienische Designergruppe Pininfarina dachte sich ein Elk-Haus aus. Den Anfang machte Griffner, das den Designer und Architekten Matteo Thun für ein Konzept gewinnen konnte. "Il sole mio" hieß das Haus, das in Österreich zwar nie zum Verkaufshit wurde, aber dem Unternehmen und der Branche insgesamt einen großen Imagegewinn bescherte. Worauf sich ähnliche - aber preislich günstigere - Haustypen mit Pultdach wiederum sehr gut verkauften.

Bauhaus-Stil

Dass zeitgenössisches Bauen immer populärer wird, bestätigt auch Jakob Reiter, Chef der drei österreichischen Musterhausparks. Laut Reiter liegen "großzügige Fensterflächen", "architektonische Leichtigkeit", offene Wohnlandschaften in Kombination mit kleineren Zimmern für die Bewohner im Trend, desgleichen der puristische Bauhaus-Stil. Weil er zeitlos ist - und vor allem auch effizient. Der Verzicht auf Gauben, Erker und Steildächer spart durch die Reduktion der Außenflächen zuerst Errichtungs- und später Energiekosten. Denn das wollen die Kunden auch: sparsamen Umgang mit Ressourcen.

Holzbau spart Energie

Fertighäuser sind ohnehin prädestiniert fürs Energiesparen. Man erkannte in den 80er-Jahren, dass holzbasierte Bauwerke energetisch vorteilhafter waren als gemauerte Häuser. Fertighäuser in Holztafelbauweise wurden dadurch zu den Vorläufern der heutigen Energiesparhäuser. Erfindungen wie die Wärmepumpe, die kontrolliert Be- und Entlüftung, kommen aus der Holzbau- und Fertighausbranche. Nach Auskunft des Fertighausverbands sind 85 Prozent aller in Österreich verkauften Einheiten in "Holzrahmenbauweise" ausgeführt. Dadurch bieten Wände wie Dächer von vornherein einen guten Wärmeschutz, so dass das Heizsystem so wenig aufwendig wie möglich ausgelegt werden kann.

Standard Energiesparhaus

Laut der "ÖkoPot"-Studie der Universitäten Stuttgart und Hamburg erspart alleine eine Gebäudehülle aus Holz bei einem Einfamilienhaus 3.800 Liter leichtes Heizöl pro Jahr. Auch dass im Fertighaushandel Gebäude und Anlagetechnik aus einer Hand angeboten werden, erleichtert die Wahl der richtig dimensionierten Heiztechnik. An die 90 Prozent aller in Österreich verkauften Fertighäuser sind Energiesparhäuser, sechs Prozent erreichen den Passivhausstandard - und nur mehr vier Prozent sind energetisch konventionell.

Author: Laura Engelmann , 23.05.2017