Einrichtungs-Tipps für Kunst-Liebhaber

Unter Beobachtung großer Meister, die mit strenger Miene vom Ölgemälde herabblicken, will nicht jeder leben. Gegen kreative Wohnideen, die Anleihen bei ­berühmten Malern, Bildhauern oder Universaltalenten ­nehmen, ist hingegen nichts einzuwenden.
04.03.2015 um 17:02 Uhr

Der Meister des Surrealismus war ein um­triebiger Mensch. In seiner Welt zwischen Träumen und Realität hat Salvador Dalí das Unbewusste zum Leben erweckt und immer wieder mit Exzentrik überrascht. Es wundert also nicht, wenn seine schmelzenden Uhren haarnadelscharf an einen Bekanntheitsgrad von 100 Prozent herankommen. Natürlich ist man auch nicht erstaunt, wenn ein Stuhl, der seiner Fantasie entspringt, nur drei Beine – dafür allerdings mit edlem Schuhwerk bekleidet – und eine fließende Rückenlehne mit femininer Hand als eleganten Ausläufer vorzuweisen hat. Gemütliche Sessel mögen andere entwerfen. Der Mann mit dem unverwechselbaren Schnurrbart wurde zu Höherem geboren. Neben griffigen Zitaten, wie „Im Alter von sechs Jahren wollte ich Köchin werden. Mit sieben wollte ich Napoleon sein. Und mein Ehrgeiz ist stetig gewachsen“, soll er auch folgenden Ausspruch getätigt haben: „Ein Stuhl kann sogar dazu dienen, sich hinzusetzen, aber unter einer Bedingung: Dass wir unbequem sitzen.“ So begegnet man seinem Entwurf Leda aus dem Jahr 1935 – 1937 automatisch mit dem nötigen Respekt.

Im Einklang mit der Kunst

Wer Wert auf ein außergewöhnliches Zuhause legt, muss sich aber nicht zwangsweise mit wenig heimeligen Objekten umgeben. Vor allem in ­Museums-Shops lohnt es sich länger zu verweilen. Dort finden sich häufig Accessoires, die unabhängig von Trends weltberühmte Klassiker in ­Alltagsgegenstände transformieren. Fernab von Kitsch- und Massenkonsum-Attitüden finden sich Kissen oder Statuen, die das Eigenheim ohne großen Aufwand in ein versiertes Statement-Ambiente hüllen. Universalgenie Leonardo da Vinci beispielsweise hat ein reiches Erbe hinterlassen, das immer wieder mit Reproduktionen die Schönheit der Renaissance oder seine Kühnheit im Hinblick auf die Naturwissenschaft aufblühen lässt. Momentan sind einige von ihnen, wie der vitruvianische Mann, im Portfolio der Londoner National Gallery zu finden. Die Tate Gallery wiederum widmet dem derzeit teuersten lebenden Künstler bzw. Liebhabern seiner Kunst leistbare Objekte. Teller mit Sujets von Jeff Koons sind definitiv ein Blickfang, die nicht nur in der Küche gute Figur machen. Wie übrigens auch seine Balloon Dogs in kräftigem Orange, die Ende 2013 für mehr als 43 Millionen Euro versteigert wurden – und somit leider nicht in jedermanns Budget passen.

Kunstaffine Oberflächen

Ein wenig vom Odeur des Kultfaktors umweht, sind die Kreationen des italienischen Labels Fornasetti. Designer Piero war die treibende Kraft hinter der Marke. Seit seinem Tod zeichnet Sohn Barnaba für zeitgemäße Interior-Ideen verantwortlich.

Nach wie vor häufig zu finden ist das weibliche Konterfei der Opernsängerin Lina Cavalieri, die von 1874 – 1944 lebte und eine besondere Faszination auf den Firmengründer ausübte. Von der Bedeutung Fornasettis konnte man sich letztes Jahr im Mailänder Triennale Design Museum überzeugen, als über 1.000 Ausstellungsstücke zugänglich gemacht wurden. Für die eigenen vier Wände sind unter anderem dekorative Beistelltische in klassischem Schwarz-Weiß mit Farb- akzenten in Form sinnlicher Lippen in verführerischem Rot erhältlich. Porträts scheinen generell gut sowohl mit Kunst als auch mit Möbelstücken zu har­monieren.

Einen interessanten Zugang liefern die kreativen Wandverzierungen von IXXI in Form kleiner Einzelkärtchen, die extrem einfach zu montieren sind. Ob Mona Lisa, Vincent van Gogh oder individuelle Eigenentwürfe. Die Möglichkeiten Kunst an der Wand zu zelebrieren, scheinen hier nahezu ­unlimitiert.

Selbst Tapeten können unerwartet kunstaffines Kraftpotenzial entwickeln. Der Pariser Hersteller Pierre Frey hat mit „Venus … Or the madness of Baroque“ eine opulente Interpretation der Werke von François Boucher und Giambattista Tiepolo im Sortiment, die förmlich nach großen Räumen und selbstbewusster Inszenierung schreit. Auf Design-Art mit einem humoristisch-modernem Zugang à la Andy Warhol trifft man beim polnischen Designstudio Wamhouse und dessen Bananensessel. Schade, dass sich das gute Stück noch in der Konzeptphase befindet. Aber in der Zwischenzeit ­haben sich sicher genügend andere Ideen für ein kunst­beflissenes Makeover der ­eigenen vier Wände aufgetan.