US-Wahl: Showdown im Weißen Haus

Trump wird siegen

Politikwissenschafter Helmut Norpoth (US-Bundesstaat New York) lag bei 25 von 27 Wahlen richtig – außer bei der Wahl 1960, der knappsten der Geschichte, und der Wahl 2000, bei der de facto Al Gore  gewonnen hat:

Sie haben das Ergebnis Ihrer Analyse bereits im März veröffentlicht. Braucht diese kein Update?
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich alles, was nötig war, nämlich die Vorwahlergebnisse aus New Hampshire und South Carolina, bei denen die Parteien ihren Präsidentschaftskandidaten bestimmen. Spätere Vorwahlen ändern wenig am Ergebnis, das habe ich 2012 getestet.

Sie stehen also noch immer zu diesem Ergebnis?
Ich weiß, die Umfragen widersprechen meiner Prognose, aber das war auch 2016 so. Trump wird zu 91 Prozent
wiedergewählt.

Wie funktioniert ihr Modell?
Mein Primary-Modell berücksichtigt Daten ab 1912 – dem Jahr, in dem Vorwahlen eingeführt wurden. Ich analysiere das Wählerverhalten, das einer natürlichen Pendelbewegung unterliegt. Ebenso wie einer  Art Amtszeit-Schlüssel: Nach zwei Amtszeiten einer Partei gibt es eine Tendenz, dass das Pendel zur anderen Partei umschlägt – aber erst dann.

Warum sind die Vorwahlen so wichtig?
In den Primaries muss sich ein Kandidat beweisen und zwar nicht nur im eigenen Lager. Die meisten Vorwahlen sind offen, es können also alle Wähler teilnehmen. Die Faustregel ist: Wer die Vorwahlen in New Hampshire nicht gewinnt, wird nicht US-Präsident.

Trump wird verlieren

Geschichtsprofessor Allan Lichtman hat seit Ronald Reagan (1984) alle Ergebnisse der US-Präsidenten-Wahlen korrekt vorhergesagt:

Wie erstellen Sie Ihre Prognosen?
Ich arbeite mit den von mir entwickelten „13 Schlüsseln zum Weißen Haus“. Die Schlüssel beruhen auf der Wahlanalyse zurück bis 1860, dem Beginn der republikanisch-demokratischen Ära. Die Schlüssel haben die letzten neun Ergebnisse korrekt vorhergesagt – und haben auch in so wechselhaften Zeiten wie aktuell Bestand, unabhängig von großen Umbrüchen in der Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Demografie.

Sie haben bereits im August Ihre Prognose aufgestellt.
Wenn sechs Schlüssel gegen die amtierende Partei im Weißen Haus sprechen, dann verlieren diese die Wahl. Gegen Trump sprechen sogar sieben Schlüssel.

Wie funktioniert Ihr Modell?
Es basiert auf der Dynamik, die hinter der Präsidentschaftswahl steckt, nicht der Kampagne. Es geht für die Wahlmänner darum, ob der Amtsinhaber weitere vier Jahre im Weißen Haus verdient. Hier geht es um Dinge wie Wirtschaftszahlen, Konkurrenz oder soziale Unruhen.

Sie halten also nichts von Umfragen?
Das Geheimnis ist, das große Ganze, die Performance, im Auge zu behalten. Umfragen oder das tägliche Auf und Ab der Kampagne verzerren dies nur.

 

Autor: Alexandra Nagiller, 27.10.2020