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Zsolnay/Erika Mayer - weekend.at

Buchtipp der Woche: Sie wollen uns erzählen - Birgit Birnbacher

22.06.2026 um 11:07, Andi Dirnberger
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Nach "Wovon wir leben" erzählt Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher in ihrem neuen Roman sensibel und literarisch vom Umgang mit Neurodivergenz.

Inhalt

Oz ist anders, er hat ADHS und tut sich schwer in der Schule, aber diesmal ist ihm etwas wirklich Blödes passiert. Auf dem Heimweg wünscht er sich deshalb zumindest eine kleine Katastrophe, die seine Mutter von dem Brief der Lehrerin, den er ihr geben muss, ablenken würde. Als Oz nach Hause kommt, ist Ann – auch sie ausgestattet mit einem flirrenden Nervenkostüm – nicht wie vermutet in Zeugnis-Feierlaune, sondern es ist tatsächlich etwas passiert. Die Zilly-Oma, die in den Bergen lebt, ist weg …

Ein Roman über Chancen

Intensiv, humorvoll und mit großer Empathie erzählt Birgit Birnbacher von der Liebe einer Mutter, die mit sich und gegen andere kämpft, um ihr Kind gegen die Zuschreibungen von außen zu verteidigen – und sei es letztlich mit dem Erzählen selbst.
Ein Roman über die Chancen, die der Wildwuchs im Denken eröffnet. Haben die, die sich nicht anpassen können, unserer überreizten Natur und Umwelt womöglich tatsächlich etwas entgegenzusetzen?

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Birgit Birnbacher gewann 2019 den Ingeborg-Bachmann-Preis.

Mitfiebern mit Mutter und Sohn

Ihr neuer Roman, »Sie wollen uns erzählen«, ist ein richtig spannender Roman. Erst ist Anns Mutter verschwunden, dann ist ihr Sohn Oz weg … Man muss geradezu mitfiebern mit Mutter und Sohn. Wie kam es zu dieser fesselnden Geschichte?

Birnbacher: Ehrlich gesagt ist mir das einfach passiert. Ich mag es selber nicht gerne langatmig und habe den Roman aus einem starken inneren Antrieb heraus geschrieben, vielleicht ist das etwas, was man beim Lesen spürt.

Der Roman hat –wenn man so möchte – ein zentrales Thema, es geht um ADHS bzw. Neurodivergenz. Was ist Ihnen an diesem Thema wichtig?

Birnbacher: Es hat mich in den letzten Jahren persönlich beschäftigt, sicher auch, weil es gefühlt überall gegenwärtig ist. Abgesehen von meiner eigenen Geschichte finde ich sowas auch immer gesellschaftlich interessant – warum beschäftigen wir uns plötzlich so damit, welche Reibungspunkte entstehen, wo könnte der Vorteil für uns sein? wenn man so möchte – ein zentrales Thema, es geht um ADHS bzw. Neurodivergenz. Was ist Ihnen an diesem Thema wichtig?

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Die 41-jährige Schriftstellerin lebt in Salzburg.

Den Zustand unserer Welt kann man nicht ignorieren

Auch andere gesellschaftspolitische Themen spielen in diesem Roman eine Rolle. Es geht um Normativität und Selbstbestimmung, um die Folgen der Klimakrise, um den Zustand der Welt. Wie nähert man sich diesem Zustand poetisch?

Birnbacher: Ich würde eher fragen: Wie nähert man sich all dem nicht? Heute gebären wir Kinder in eine Welt, die es vielleicht bald nicht mehr gibt. Anstatt sie zu befähigen, all dem zu trotzen, pressen wir sie in Strukturen, die noch nie funktioniert haben und strafen Andersdenkende ab. Den Zustand unserer Welt zu ignorieren, kann keine Möglichkeit sein.

Die Autorin Birgit Birnbacher

Birgit Birnbacher, geboren 1985, lebt als Schriftstellerin in Salzburg. Ihr Debütroman »Wir ohne Wal« (2016) wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung ausgezeichnet, darüber hinaus erhielt sie zahlreiche Preise und 2019 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Romane »Ich an meiner Seite« (2020), »Wovon wir leben« (2023) und »Sie wollen uns erzählen« (2026).

Titel: Sie wollen uns erzählen
Autorin: Birgit Birnbacher
Verlag: Zsolnay, Wien
ET: 17. März 2026
Umfang: Hardcover, 224 Seiten

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