Buchtipp der Woche: Jugo von Ilija Matusko
Inhalt
- Mit dem Bus nach Deutschland, mit dem Mercedes zurück
- Heimat, fremde Heimat, so und so
- Wege finden und freilegen
- Nie ganz angekommen sein
- Der Autor Ilija Matusko
Mit dem Bus nach Deutschland, mit dem Mercedes zurück
Das war einmal der Traum vieler Gastarbeiter auf dem Weg nach Deutschland: mit dem Bus in die neue fremde Heimat, Geld verdienen, mit dem Mercedes zurückkommen. Dieses "Ich habe es zu etwas gebracht" haben nur wenige verwirklichen können. Dies steht am Anfang des Vater-Sohn-Konfliktes.
Heimat, fremde Heimat, so und so
Sie sehen sich nur einmal im Jahr, und jedes Mal geraten sie in Streit. Der Vater, der als junger Mann nach Deutschland kam, hier eine Familie gründete, in der Gastwirtschaft arbeitete und das Land dreißig Jahre später wieder Richtung Kroatien verließ. Und der Sohn, der in Berlin lebt, Schriftsteller geworden ist und im Gästehaus seines Vaters an der Adriaküste Urlaub macht. Im Streit befreien sie sich von den Dingen, die zwischen ihnen stehen.
Wege finden und freilegen
Aber sie entdecken auch in scheinbar kleinen Momenten eine unerwartete Nähe: wenn sie, begleitet vom Jugo, dem warmen Südwind, mit dem Boot zur Insel vor der Bucht fahren, Tennis auf dem Platz eines verfallenen Hotels spielen oder den kleinen Acker der Familie in Bosnien besuchen. Nach und nach legen sie alte, zugewachsene Wege frei – zueinander und zu ihrer gemeinsamen Geschichte.
Nie ganz angekommen sein
Jugo ist ein berührendes Vater-Sohn-Porträt. Eine Liebeserklärung an den gleichzeitig nahen und fernen Vater, dessen Rückkehr in die alte Heimat schwieriger war als seine Ankunft in einem fremden Land. Einfühlsam erkundet Ilija Matusko die Vergangenheit, die eigene und die gemeinsame, erzählt von Familie und den Konflikten im zerfallenen Jugoslawien. Und er spürt einem Gefühl nach, das Vater und Sohn verbindet: nie ganz angekommen zu sein.
Der Autor Ilija Matusko
Ilija Matusko, geboren 1980, hat Soziologie und Politikwissenschaften studiert. Er lebt und arbeitet als freier Autor in Berlin. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Stipendien, u. a. ein Stipendium des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt sowie ein Stipendium in der Villa Aurora in Los Angeles. 2023 erschien "Verdunstung in der Randzone" in der edition suhrkamp. Jugo ist sein Romandebüt.