Tech-Blog-Meinung: Süßer die Gebühren nie klingeln

Gerade zu Weihnachten locken viele Netzbetreiber und Internetanbieter mit tollen Angeboten. Ein Blick aufs Kleingedruckte lohnt sich aber immer, denn in den vermeintlichen Schnäppchen sind oft kreative Gebühren enthalten.
Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 07.12.2020 um 09:08 Uhr

Bei meinen Streifzügen auf Twitter ist mir gestern ein Post besonders ins Auge gesprungen. Ein deutscher Moderator, der bis vor kurzem noch ein Mann war und sein Geschlecht geändert hat, beschwert sich sehr höflich und respektvoll, dass sein Handyanbieter gerne 35€ von ihm hätte, damit diese Personenstandsänderung auch im Vertrag widergespiegelt wird. Also dafür, dass man im Computer das Geschlecht von "Mann" auf "Frau" ändert. Natürlich hat das Unternehmen in diesem Fall zurückgerudert und auf diese Gebühr verzichtet um einen PR-Shitstorm zu vermeiden, aber nicht jeder von uns hat einen "Promi-Bonus".

Ich selbst erlebe in letzter Zeit eine große Kreativität im Erfinden neuer Gebühren, die vor allem im Technologiebereich, also bei Handyanbietern und Internetbetreibern zu finden sind, da dies ja mein Metier ist. Von der allseits beliebten "Servicepauschale", die jährlich zwischen 20 und 30 Euro kosten kann bis zur Aktivierungsgebühr oder der Rufnummernportierungsgebühr. Der neueste, heißeste, Gebührenfeger ist übrigens eine "Bereitstellungsgebühr für Smartphones". Die wird schlagend, wenn man ein Handy vom Netzanbieter in einer Vertragsverlängerung erwirbt. Wieder rund 20€ an einmaliger Gebühr abgedrückt.

Diese Aufstellungen gelten und dass muss fairerweise erwähnt sein für die sogenannten Vollanbieter, also jene Netzbetreiber, die mit vollem Service werben und diesen auch bieten. Davon gibt es in Österreich drei Stück, deren Nennung ich aber hier nicht vornehme. Und fairerweise sei auch dazugesagt, dass man bei diesen Vollanbietern auch gute Leistung bekommt. Auf jeden Fall wird man als "Vollzahler" im Netz des jeweiligen Anbieters auch so behandelt, gegenüber den vielen Diskonterkunden die ihre SIM an der Supermarktkasse erwerben und damit dann Untermieter im Netz des Vollanbieters sind.

Aber andererseits bezahle ich bei Vollanbietern auch ein Vielfaches für diese Leistung und erwarte mir dafür eigentlich, dass Kundenservice und andere Bequemlichkeiten damit abgedeckt sind. Diese zusätzlichen Gebühren, die seit einiger Zeit regelrecht wuchern, sind da ein äußerst fader Beigeschmack und lassen mich verstehen, warum Menschen in Scharen zu den Diskontern rennen, die ja teilweise mit dem Wegfall dieser Gebühren werben.

Insofern sei es gut überlegt welches tolle Angebot man, gerade jetzt zu Weihnachten, annimmt. Ein Blick aufs Kleingedruckte lohnt sich, wie bei jedem Vertrag, immer! Für volle Leistung, 5G, schnelle Geschwindigkeiten und andere Annehmlichkeiten sind sicher einige bereit etwas mehr zu bezahlen, aber einen Gebührentsunami haben sich diese guten Kunden auch nicht verdient.