Jugendstil-Juwel in Gefahr: Die Wutbürger von Steinhof

Die Ruhe am weitläu­figen Areal am Steinhof trügt. Nein, gemeint sind nicht die myste­riös geköpften Rehe. Die äsen noch recht friedlich zwischen den historischen Pavillons. Obwohl: Seit die große ­VAMED-Zufahrt Tag und Nacht geöffnet ist, stören freilaufende Hunde das zahme Wild in ihrem Frieden. Doch das ist eine andere Geschichte. Um das zukünftige Schicksal des Schutzgebiets herrscht Ungewissheit: Von Absiedelung des Spitals hört man, ­Bebauung, Verkauf. Den Bürgern reicht’s – sie wehren sich gegen die geplante Zerstörung. Mit Erfolg.

Gestalten & erhalten

Um den „Lemoniberg“ – benannt nach der Kuppel der berühmten Otto-Wagner-Kirche – brauen sich Gewitterwolken der Entrüstung zusammen. Christine Muchsel von der ­Initiative „Steinhof gestalten“ war schon in den 80er-Jahren dabei, als das Areal zum ersten Mal verbaut werden sollte. Heute steigt sie für den Erhalt der Gründe als Gemeingut erneut auf die Barrikaden. Gemeinsam mit Wolfgang Veit hat sie die Bürgerinitiative gegründet, erste Erfolge zeichneten sich bereits mit der Rück-Abwicklung des Verkaufs an die Gesiba ab. Doch ein Ende ist noch nicht in Sicht: „Wir wollen weiter mitgestalten“, so Muchsel. „Das Credo muss sein: zuerst denken, dann bauen. Und nicht umgekehrt!“. Die andere Ini­tiative, die soeben die dritte Petition bei der Stadt eingebracht hat, nennt sich „Steinhof erhalten“. Das Ziel von ­Initiator Gerhard Hadinger: UNESCO Weltkulturerbe-Status für das gesamte Areal mit den 60 Wagner-Pavillons.

Für alle

Steinhof als Gemeingut für alle scheint ganz im Sinne Otto Wagners zu sein. Der sagte: „Für die Ärmsten das Schönste erhalten.“­

15.10.2014