Strom vom eigenen Balkon! Geht das?

Vor allem als Mieter ist es nicht so leicht eine große Photovoltaikanlage genehmigt zu bekommen. Was die meisten aber nicht wissen: Es gibt Balkonkraftwerke und die werden nicht nur immer beliebter, sondern sind auch völlig legal.
Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 11.07.2022 um 13:25 Uhr

Solarpanel am Balkon oder der Terrasse der Mietwohnung installiert, Wechselrichter dazwischengeschalten und in die Steckdose eingesteckt. Ist es wirklich so einfach daheim Strom zu erzeugen? Die erfreuliche Antwort: JA! Denn sogenannte Balkonkraftwerke (früher Guerilla-Solaranlagen) gelten als Mini-Solaranlage und können theoretisch überall betrieben werden. Auch in Mietwohnungen.

Was brauche ich?

Die Installation eines Balkonkraftwerks ist oft sehr einfach. Die Solarpaneele gelten als Sichtschutz und es sollte wenig Probleme mit Hausverwaltung oder Nachbarn geben (im Zweifelsfall bitte trotzdem abklären). Die Paneele oder das Panel werden an einen Wechselrichter angeschlossen, der den erzeugten Strom für die Wohnung umwandelt. dieser Wechselrichter wird einfach in die Steckdose gesteckt und schon wird Strom vom Balkon ins Hausnetz eingespeist. Umbauarbeiten oder gar ein Elektriker sind nicht notwendig

Aber kann ich damit meinen ganzen Strombedarf decken? Hier ist die Antwort klar: Nein! Denn in Österreich sind maximal 800 Watt Einspeisung vom Balkonkraftwerk erlaubt. Damit lässt sich aber in guten Zeiten zumindest ein Grundbedarf abdecken, die gesamten Stromkosten werden sich aber nicht ausgehen. Auch ins Netz einzuspeisen und so Geld vom Netzbetreiber zu bekommen ist nicht möglich.

Was kostet es?

Wer nur ein Panel und einen Wechselrichter benötigt kommt derzeit ab rund 300 Euro zu einem Balkonkraftwerk. Meist handelt es sich dabei um ein 300-Watt-Panel mit Wechselrichter. Wer mehr einspeisen will, braucht natürlich mehr Paneele. Natürlich ist auch die Ausrichtung des Balkons oder der Terrasse essentiell. Optimal sind Süd-West Lagen, denn dann hat man den ganzen Tag potentiell Sonnenenergie aus dem Balkonkraftwerk.

Wer mehr investieren will, kann auch einen kleinen Batteriespeicher dazukaufen und so die gewonnene Energie speichern. Die Grazer Firma EET ist mit ihrem System "Solmate" hier führend. Man bekommt nämlich neben den passenden Solarmodulen auch eine 1 kWh-Batterie dazu, die nicht nur den Strom speichert sondern im Notfall auch einen Schuko-Stecker hat und als Insellösung fungieren kann. Wenn also Stromausfall herrscht und genug Saft im Solmate ist, können Elektrogeräte direkt an den Solmate angesteckt und betrieben werden. Die Kosten sind hier mit über 2.000 Euro jedoch um Einiges höher.

Gibt es einen Haken?

Leider ja, denn wie auch bei klassischen PV-Anlagen sind die Wartezeiten auf Balkonkraftwerke mittlerweile relativ lang. Bei Platzhirsch EET wartet man bis 2023 auf einen Solmate mit Batterie. Das einzelne Panel für den Betrieb ohne Akku hat eine Lieferzeit von rund 8 Wochen. Und auch bei anderen Firmen, die Balkonkraftwerke anbietet wird die Situation nicht besser.

Ob sich die Investition in ein Balkonkraftwerk rechnet, kann außerdem nur sehr individuell berechnet werden. Bei geringen Stromkosten dauerte ein Amortisierung sehr lange, bei den derzeit aber hohen Preisen kann sich ein Balkonkraftwerk schon lohnen. Bei guter Ausrichtung und damit guter Ausbeute lassen sich rund 25% der jährlichen Stromkosten selbst erzeugen. Was noch wichtig ist: Auch wenn es völlig legal und nicht Anmeldepflichtig ist, sollte man ein Balkonkraftwerk der Form halber beim Netzbetreiber anmelden. Firmen wie EET übernehmen die Anmeldung beim Kauf, ansonsten reicht ein formloses E-Mail an den Netzbetreiber.